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Afrika und die Coronakrise: Was Investoren beachten sollten

Nicht nur Afrika steht derzeit vor grossen Herausforderungen. Doch der Kontinent schlägt sich den Umständen entsprechend wacker. Die junge Bevölkerung wirkt sich positiv aus und könnte die Auswirkungen der Coronakrise mildern. Die wirtschaftlichen Konsequenzen stellen aber eine Herausforderung dar. Um in dieser Krise gut voranzukommen, braucht es eine Kombination aus einer sehr lockeren Geldpolitik und Unterstützungsmassnahmen vom Fiskus, was sich die afrikanischen Länder nur begrenzt leisten können. Einige Länder, allen voran Marokko und Ägypten, konnten dank der Hilfe internationaler Institutionen wie dem IWF und der Weltbank ihre Lage stabilisieren, bei anderen ist das Risiko einer lähmenden wirtschaftlichen Krise noch gross. Was sollten Investoren jetzt tun?
02.10.2020 17:00
Malek Bou-Diab, Bellevue Asset Management

Die Pandemie macht insbesondere die Schwachstellen der Länder sichtbar, die ihre Reformen nur langsam vorangetrieben haben. Dazu zählen in erster Linie Südafrika, Nigeria und andere Rohstoffexporteure in Subsahara-Afrika. Länder, die bereits Reformen auf den Weg gebracht und Schulden abgebaut haben, sind nun klar im Vorteil, da sie Unterstützungshilfen vom IWF bekommen haben und schnell Kredite aufnehmen konnten.

Ägypten und Marokko trotz Krise wettbewerbsfähig

Sowohl Ägypten als auch Marokko haben die Finanzierung ihrer Handelsbilanzen nun für ein Jahr gesichert. Wir gehen in diesem Jahr für Ägypten von einem Wachstum zwischen 1 Prozent und 2 Prozent aus, von zuvor 6 Prozent beziehungsweise 4 Prozent, während Marokko voraussichtlich in eine Rezession fällt. In Nigeria hingegen gab es keine Reformen und das Land verfügt über ein recht unorthodoxes Währungssystem, das dem IWF nicht gefällt. Daher hat er sich mit Hilfspaketen zurückgehalten. Südafrika wiederum hat starke Wachstumsprobleme und benötigt tiefgreifende wirtschaftliche Reformen und es ist kaum zu erwarten, dass die jetzige Regierung in der Lage ist, diese zu liefern. Das Land hat eine minimale Hilfe vom IWF bekommen, die anhand der tiefen Rezession kaum eine Wirkung haben sollte. Die Einschätzung der Märkte spiegelt sich vor allem in den Währungen wider. Der südafrikanische Rand ist in der Krise über 25 Prozent eingebrochen. Hingegen haben sich das ägyptische Pfund und der marokkanische Dirham gut gehalten.

Afrikanische Investmentstrategie

Die Bedingungen an den globalen Finanzmärkten und vor allem die expansive Geldpolitik der Industriestaaten prägen die Kapitalallokationsfrage sehr stark. Ein globaler Anleiheinvestor hat keine andere Wahl, als Rendite ausserhalb der entwickelten Länder zu suchen, wo die Zinsen zum Teil negativ sind. Dadurch fliesst viel Geld in Schwellenländeranleihen, unter anderem in afrikanische Eurobonds. Dies generiert natürlich im Anleihebereich kurz- und mittelfristig attraktive Performances und man sieht auch, dass sich Märkte nach einer Korrektur schnell erholen, sobald das Fed Unterstützungsmassnahmen verkündet. Längerfristig erscheinen diese Schulden alles andere als nachhaltig, Sambia hat als erstes Land schon eine Restrukturierung beantragt. Bei den Aktien hingegen ist ein Investor mit US-Aktien gut bedient und hat keinen Anreiz, in riskantere Schwellenländer zu investieren. Darum weisen die Aktienmärkte in Schwellenländern ausserhalb Chinas in den vergangenen Jahren eher bescheidene Performances aus. Dies gilt auch für die afrikanischen Aktienmärkte. Immerhin sind aber die momentan historisch tiefen Bewertungen eine gute Voraussetzung für eine attraktive längerfristige Performance, wenn man von einer Erholung von der Coronakrise innerhalb eines Jahres ausgeht. Bezüglich Rohstoffen sind wir der Meinung, dass ein Investor dort über andere Vehikel investieren kann als über einen Afrikafonds. Natürlich gibt es in Afrika erfolgreiche Minen, aber die global festgelegten Rohstoffpreise sind ein Risikofaktor und machen es schwierig, vom möglichen Wachstum zu profitieren.

Es sollte auf transparente Unternehmen mit einer vertrauenswürdigen Leitung geachtet werden, gerade in dieser Zeit, wo nur eingeschränkt gereist werden und man die Unternehmen deshalb nicht regelmässig besuchen kann. Ausserdem sollte nur in Länder, die ausreichend Kapitalschutz bieten, investiert werden. Anlageziel ist es, unter normalen Marktbedingungen eine mit den etablierten Schwellenländern vergleichbare Rendite zu erzielen. Zur Erschliessung des wirtschaftlichen Potenzials müssen Behörden stabile und vorteilhafte Rahmenbedingungen schaffen. Strukturreformen und eine funktionierende Infrastruktur erachten wir als zentralen Erfolgsfaktor für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Vielversprechende afrikanische Aktientitel

Aktien von Credit Agricole Egypt zeigten sich zuletzt vielversprechend und brachten eine Rendite von 10 Prozent ein. Obour Land, der grösste Produzent von Milch und Weichkäse in Ägypten, wächst im Jahr um 22 Prozent, der Gewinn sogar um 34 Prozent. Die Dividendenrendite liegt bei 8.8 Prozent. Vivo Energy, der führende unabhängige Treibstofflieferant in Afrika, ist in 23 Ländern präsent. Mit dem Ausbau der Strassennetze kommt das Wachstum, das derzeit bei 12 Prozent im Jahr liegt. Hier gibt es Potenzial nach oben.

Mittel- und längerfristig kann davon ausgegangen werden, dass die strukturellen Wachstumstrends, wie zum Beispiel die Verbreitung der Finanzdienstleistungen, die Entwicklung des Angebots im Healthcare-Sektor und die Formalisierung des Kleinhandels, zurückkommen werden. Die jetzigen historisch tiefen Bewertungen bieten eine gute Voraussetzung für eine attraktive zukünftige Rendite.

Bellevue Asset Management

Bellevue Asset Management sowie die in Oberursel bei Frankfurt ansässige Schwestergesellschaft StarCapital sind Teil der Bellevue Group, einer unabhängigen schweizerischen Finanzgruppe mit Sitz in Zürich und Listing an der Schweizer Börse SIX. Bellevue wurde 1993 gegründet und zählt heute mit verwalteten Vermögen von CHF 10.6 Mrd. zu den führenden Investmentboutiquen in den Bereichen Healthcareaktienstrategien, traditionelle und alternative Anlagestrategien.