Auf der Suche nach neuen Warnsignalen an den Anleihemärkten der Schwellenländer

Der Boom bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern setzt sich fort. Wir beobachten vor allem, dass sich die Kreditqualität bei Erstemittenten von Anleihen verschlechtert und das bei einem rekordhohen Angebot. Wir bleiben optimistisch für die Anlageklasse. Allerdings wird eine rigorose Titelselektion in dieser Marktphase noch wichtiger, um potenzielle Fehlinvestitionen zu vermeiden.
17.10.2017 11:00
Karsten Junius, Chefökonom und Thilina Hewage Emerging Market Credit Strategist, Bank J. Safra Sarasin AG

Seit Jahresbeginn haben Unternehmen in den Schwellenländern Anleihen im Wert von 364 Milliarden US-Dollar ausgegeben, ein Anstieg von 44% gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt erwarten wir, dass dieses Jahr erstmals das Emissionsvolumen von 400 Milliarden US-Dollar übertroffen wird. Die hohe Nachfrage ist angesichts einer Rendite von 7,5% seit Jahresbeginn verständlich. Allerdings lockt sie nun auch Emittenten an den Markt, die lediglich über eine unterdurchschnittliche Kreditqualität verfügen. Wir beobachten in diesem Umfeld zwei Indikatoren: (a) Die Anzahl der Unternehmen, die erstmals am Anleihemarkt Kapital aufnehmen und (b) ihr durchschnittliches Kreditrating.

Seit Jahresbeginn haben 124 Erstemittenten Anleihen ausgegeben. Dies entspricht weitgehend dem historischen Durchschnitt und liegt sogar unter der Anzahl von 2013 und 2016. Soweit so gut. Zu beobachten ist allerdings eine deutliche Verschlechterung der Kreditqualität dieser Erstemittenten. Seit Jahresbeginn fallen 69% von ihnen in das High Yield-Segment. Dies ist der höchste Wert seit 2010. Insgesamt steigt das Gewicht von High-Yield-Anleihen dieses Jahr: Sie machen bislang 43% der Gesamtemissionen aus, verglichen mit 31% 2016. Bedeutsam ist zudem, dass auch innerhalb des High-Yield Bereiches die Segmente mit den höchsten Risiken (Single B, CCC und Non-Rated) stark zugelegt haben. Mit 27% der gesamten Neuemissionen weisen sie nun den höchsten Anteil seit 2010 auf. Schliesslich ist der Anteil der Anleihen ohne Laufzeitbegrenzung (perpetuals) – d.h. nie komplett rückzahlbaren  Anleihen – auf 10% der Neuemissionen von Unternehmensanleihen in den Schwellenländern gestiegen. Auch dies deutet auf eine Schwäche in der Marktstruktur hin.

Der Anstieg des Emissionsvolumens von „Debüt-Emittenten“ sowie die Akzeptanz fallender Kreditqualitäten spiegeln den Anlegeroptimismus in Bezug auf Schwellenländeranlagen wider. Eine Verschlechterung dieser beiden Indikatoren allein kann auch unsere positive Einschätzung des Marktumfeldes nicht verändern. Sie sind jedoch ein Warnsignal für Anleger, weiter diszipliniert zu investieren und bei der Kreditauswahl keine Kompromisse einzugehen. Eine strikte Titelselektion wird aus unserer Sicht der entscheidende Treiber für die Performance an diesem Markt bleiben.