BMW vs. Daimler: Wechsel an der Premiumspitze

In den vergangenen Monaten hat sich bereits abgezeichnet, was zum Jahresende 2016 dann Gewissheit wurde: Daimler hat BMW den Titel «weltgrösster Premiumhersteller» abgenommen.
14.02.2017 15:05
Marc Pribram, Derivatives & ETFs Public Distribution, Commerzbank

Allerdings sind die Münchner damit nicht aus dem Rennen, mit neuen Modellen möchten die Weissblauen 2017 zurückschlagen. Ein ebenso spannendes Rennen liefert sich das Auto-Duo an den Finanzmärkten. Anleger können mit Hebelprodukten die Fahrt der Aktien noch beschleunigen - und dies in beide Richtungen.

Nur ein Wimpernschlag trennt die beiden Sportcoupés BMW M4 Coupé und Mercedes-AMG C 63 S Coupé auf der Rennstrecke. Während der Bolide aus Bayern in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, schafft es der Erzrivale aus Schwaben sogar in nur 3,9 Sekunden. Der Zwist der beiden Autokonzerne wird aber nicht nur auf der Strasse ausgetragen, die beiden liefern sich auch im operativen Geschäft seit Jahren einen erbitterten Schlagabtausch um die Krone im Premiumsegment.

Blinker setzen und vorbei

Elf lange Jahre hatte BMW den Spitzenplatz in der Oberklasse verteidigen können. Doch 2016 kam es zu einer Wachablösung. Per Ende November lag die Marke mit dem Stern knapp 70.000 Fahrzeuge vor den Bayern und damit quasi uneinholbar vorn. Dem Überholmanöver ging eine lange Erfolgsserie voran. So erzielte Daimler im November den 45. Rekordmonat in Folge. Insgesamt setzte Mercedes-Benz in den ersten elf Monaten 2016 1,89 Millionen Fahrzeuge ab - ein Zuwachs von 11,8 Prozent. Aber auch die Weissblauen konnten ihre Verkäufe steigern, allerdings deutlich langsamer. Weltweit wurden 1,82 Millionen verkauft, 5,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Letztlich entschieden wurde der Wechsel an der Premiumspitze auf den weltgrössten Automärkten USA und China. Während beispielsweise Mercedes seinen Absatz in den USA im November leicht steigern konnte, brachen die Verkäufe von BMW um 18,2 Prozent ein. Daimler kann dagegen auf diesen Märkten die Früchte seiner langjährigen Modelloffensive ernten. Besonders hell leuchtet der Stern im Reich der Mitte. China ist mittlerweile der mit Abstand wichtigste Markt für den Konzern. In den ersten drei Quartalen 2016 entfielen 22,1 Prozent der Fahrzeugverkäufe auf die Region. Im Jahresvergleich bedeutet dies eine Steigerung um knapp 3 Prozentpunkte.

Ein kleiner Trost bleibt den Münchnern aber noch: Werden die Kleinwagenmarken Mini von BMW sowie Smart von Daimler in die Berechnung miteinbezogen, liegen die Bayern noch knapp vor den Schwaben. Zudem ist der Konzern trotz der Wachablösung in Europa und Asien im Oberklassesegment erfolgreich. «Seit November 2011 haben wir unseren Absatz in jedem Monat gesteigert, das sind fünf Jahre kontinuierliches Absatzwachstum im Einklang mit der Erweiterung unserer Modellpalette«, erklärt BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson.

Die Weichen auf Wachstum gestellt

Apropos Modellpalette - diese wird 2017 kräftig aufpoliert. Bereits am 11. Februar wird der neue 5er in der siebten Generation über die Strassen rollen. Mit der absatzstarken Limousine dürfte BMW auch in Übersee wieder durchstarten. Denn der eingangs skizzierte Absatzeinbruch in den USA beruht auch auf der anstehenden Modellauffrischung. In der Regel lässt nämlich die Nachfrage nach den auslaufenden Karossen kurz vor einem Wechsel deutlich nach.

BMW hat auch die Zukunft im Auge, Stichwort «alternative Antriebe«. So soll der Anteil von Hybrid- und E-Fahrzeugen bis 2025 zwischen 15 und 25 Prozent des Portfolios ausmachen. Zum Vergleich: Von 2013 bis 2016 hat der Konzern erst rund 100.000 seiner i-Modelle verkauft. Nun geht es aber an eine Tempoverschärfung. Allein für 2017 peilt das Unternehmen 100.000 Verkäufe von Stromern und Hybriden an. In vier Jahren soll dann eine flexible Architektur, die für E- und Hybrid-Antriebe sowie für Verbrennungsmotoren geeignet ist, entstehen. Das erste Fahrzeug auf dieser Plattform wird 2021 der «iNext» sein.

Volle Elektrifizierung

Auch Daimler-CEO Dieter Zetsche ist auf den Trend zur Elektromobilität längst aufgesprungen. Wie sich der Chef die Zukunft vorstellt, hat er im Herbst 2016 auf dem Pariser Autosalon deutlich gemacht. Bis zum Jahr 2025 möchte der Konzern der führende Anbieter von Elektroautos im Premiumsegment werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen sich zehn rein elektrische Modelle im Portfolio befinden. Jeder fünfte verkaufte Mercedes weltweit wird dann elektrisch fahren. Um die Wachstumsstrategie zu unterstreichen, stellte Daimler auf der Messe eine Weltpremiere vor, einen Crossover-SUV, der auf dem erfolgreichen Geländewagen GLC basiert. Er ist der Auftakt zu einer Modellfamilie unter dem Namen «Generation EQ«. Bereits in drei Jahren plant das Unternehmen die Markteinführung. «Wir starten mit dem Auto, das die Kunden am meisten lieben«, kommentierte Zetsche die Präsentation.

Der ehrgeizige Hochlauf der Elektromobilität hinterlässt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der Konzerne allerdings Spuren. So schrumpfte bei BMW das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dritten Quartal 2016 um rund 4 Prozent auf 1,84 Milliarden Euro im Kerngeschäft. Da der Konzern im gleichen Zeitraum aber einen Rekordabsatz erzielte, bedeutete dies im Umkehrschluss: Pro verkauftem PKW blieb weniger hängen. Die Rendite in der Autosparte sackte auf 8,5 Prozent ab. Und die Kosten dürften hoch bleiben, denn in Zukunftsthemen wie Elektromobilität sowie autonomes Fahren möchte BMW auch künftig kräftig investieren: «In den nächsten Jahren müssen wir in erheblichem Masse in Vorleistung gehen«, sagte Vorstandschef Harald Krüger bei der Zahlenvorlage und fügte hinzu: «Der Trend zur nachhaltigen Mobilität ist unumkehrbar.«

Grafik 1: Umsatzentwicklung

Stand: Dezember 2016; e = erwartet; Quelle: Commerzbank Research

 

BMW trägt Profitabilitätskrone

In Bezug auf die ersten drei Quartale 2016 konnte BMW seine Marge allerdings steigern - wenn auch nur geringfügig. Um 0,1 Prozentpunkte ging es im Jahresvergleich auf 9,1 Prozent hoch. Daimler musste auf der Gewinnseite dagegen kleinere Brötchen backen. Die EBIT-Marge fiel nach neun Monaten von 10,8 Prozent im Vorjahr auf 8,5 Prozent zurück und liegt damit klar unter der Rendite des Erzrivalen. Der Titel «profitabelster Premiumhersteller» bleibt folglich bei BMW. Fragt sich nur, wie lange noch. Daimler-CEO Zetsche hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, spätestens 2020 auch der ertragstärkste Premiumhersteller zu sein.

Kopf-an-Kopf-Rennen an der Börse

An Spannung dürfte es beim Duell zwischen BMW und Daimler auch in den kommenden Jahren nicht fehlen. Die beiden Kontrahenten liefern sich aber nicht nur auf der Strasse und im operativen Geschäft einen Schlagabtausch, an der Börse zeigt sich ebenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Je nachdem welcher Zeitraum gewählt wird, ist einmal BMW und einmal Daimler in Führung. Auf Sicht von zehn Jahren besetzt BMW mit einer Kursverdopplung klar die Spitzenposition. Die Schwaben holen jedoch auf. Mittelfristig, im 5-Jahres-Zeitraum, hat nämlich Daimler die Nase vorn. Und kurzfristig konnte keiner von beiden Boden gut machen: Im Börsenjahr 2016 gaben die beiden Autoaktien 8 Prozent ab. Für wen es 2017 besser laufen wird, ist nur schwer abzusehen. Die Rahmenbedingungen sind für beide Autokonzerne gleich. Nachdem der chinesische Automarkt im vergangenen Jahr einen neuen Rekordabsatz verzeichnete und auch der US-Markt sich stark präsentierte, droht Experten zufolge im neuen Jahr eine Stagnation der Verkaufszahlen. Auf der anderen Seite spielt der schwache Euro den beiden Exportfirmen in die Hände, da die Automobile im Ausland billiger werden.

Moderat bewertetes Auto-Duo

Günstig sind derzeit auch die Aktien. Bei BMW beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 2018 lediglich 8,5. Das durchschnittliche Gewinnwachstum zwischen 2015 und 2018 dürfte nach Berechnungen von Commerzbank Research bei jährlich 4,9 Prozent liegen, der Umsatz soll nahezu mit gleicher Geschwindigkeit nach oben schreiten. Ein etwas langsameres Tempo prognostizieren die Experten bei Daimler. Allerdings nur auf der Erlösseite, der operative Gewinn weist dagegen die gleiche Wachstumszahl auf. Mit einem KGV von derzeit 7,4 liegt die Daimler-Aktie in etwa gleichauf mit dem Wettbewerber. Bei der Dividendenrendite zeigt sich bei Daimler ein klarer Vorteil. Die für 2016 erwartete Ausschüttung beträgt 4,7 Prozent. BMW bringt es dagegen nur auf 3,8 Prozent, was aber in Relation zum Gesamtmarkt ein immer noch überdurchschnittlicher Wert ist. Die Commerzbank-Analysten sehen bei der Einstufung Daimler vorn. Der Auto-Titel wird derzeit mit «Buy» bewertet, während BMW ein «Hold«-Rating erhält.

Mit «Turbo» investieren

Weltbekannt sind BMW- und Mercedes-Fahrzeuge aufgrund ihres sportlichen Antriebs. Für eine Tempobeschleunigung können aber auch strukturierte Produkte sorgen. Die Commerzbank stellt Anlegern an der SIX Structured Products Exchange sowie auf Swiss DOTS eine Vielzahl an Faktor-Zertifikaten mit unterschiedlichen Hebeln auf beide Auto-Valoren zur Verfügung. Auf der ausserbörslichen Plattform kommen noch jede Menge verschiedene Turbo-Zertifikate sowie Warrants hinzu.

Grafik 2: Konzern EBITA-Marge

Stand: Dezember 2016; e = erwartet; Quelle: Commerzbank Research

Grafik 3: Automobilsparte EBIT-Marge

Stand: Dezember 2016; Quelle: Unternehmen