Die Fed bekennt Farbe

Die Fed hat durch den jüngsten Entscheid unmissverständlich Farbe bekannt und Vollbeschäftigung und Wachstumsstimulierung als das vorrangige Ziel etabliert. Inflation dürfte länger eine untergeordnete Rolle spielen.
20.12.2013 15:27
Pascal Guillet, Investments & Risk Management UBS Funds, UBS Global Asset Management

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve behält zur Überraschung vieler Beobachter an den Finanzmärkten ihre Anleihekäufe im bisherigen Volumen von 85 Milliarden Dollar im Monat vorerst bei. „Es handelt sich um eine vorsorgliche Entscheidung“, sagte der Fed Präsident Ben Bernanke. Er schloss nicht aus, dass die Fed noch vor Jahresende die Anleihekäufe verringern werde, machte dies aber abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Die Anleihekäufe folgten keinem festgelegten Kurs, so lautet die Erklärung der Fed, welche zugleich den Leitzins unverändert nahe Null Prozent beibehielt und erneut zusicherte, diesen frühestens dann anzuheben, wenn die Arbeitslosenquote auf mindestens 6,5 Prozent gesunken sei. Mit 7,3 Prozent verharre die Arbeitslosenquote weit höher als akzeptabel sei, sagte Bernanke.

Der Offenmarktauschuss schreckte vor der Drosselung der Anleihekäufe zurück, weil die Wirtschaft sich zuletzt nicht so gut entwickelt hatte wie erwartet. Man wolle mehr Hinweise abwarten, dass die Fortschritte in der wirtschaftlichen Erholung dauerhaft seien, bevor man das Tempo der Anleihekäufe anpasse. Die Fed ist offenbar zum jetzigen Zeitpunkt besorgt, die seit Mai gestiegenen Langfristzinsen könnten die 2011 gestartete Erholung am Immobilienmarkt dauerhaft beeinträchtigen. Vor dem Hintergrund noch immer sinkender Reallöhne sind steigende Hypothekarzinsen ein Problem. Die Zinskosten für ein Durchschnittshaus sind seit Mai 2013 um über 100 Dollar monatlich gestiegen.

Als Risiko hob Bernanke ferner die fiskalischen Einsparungen und den Streit zwischen Demokraten und Republikanern über die notwendige Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze und über den Haushalt für das nächste Jahr hervor. Eskaliert dieser Konflikt, drohen in den kommenden Wochen im Extremfall Schließungen von Bundesbehörden und eine zeitweise Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten. Mehr Aufmerksamkeit findet im Offenmarktausschuss auch die sehr niedrige Inflation. Ausdrücklich betont die amerikanische Notenbank, dass eine Inflationsrate, die dauerhaft unter 2 Prozent liege, die Wirtschaft belaste.

Das entscheidende Element am Fed Entscheid besteht nicht in der kurzfristigen euphorischen Befeuerung der Märkte. Was zählt, ist der Erfolg der Fed, Klarheit zu schaffen und ihr Profil zu schärfen. Bernanke kann für sich beanspruchen, die in der Wirtschaft noch vorhanden Schwächen gesehen zu haben und korrigieren zu wollen. Die Fed hat damit unmissverständlich Farbe bekannt und Vollbeschäftigung und Wachstumsstimulierung als das vorrangige Ziel der Notenbank etabliert. Seine Nachfolge ist dadurch nicht einfacher geworden, doch durch eine Drosselung der Anleihenkäufe zum richtigen Zeitpunkt kann die neue Führung der Fed Akzente setzen und den Weg zur Normalisierung der Geldpolitik einschlagen.

Quantitative Easing (QE) und Forward Guidance sind umstrittene Konzepte, doch es ist falsch, diese als Hasardeur-Spiele abzutun. Ökonomen wie Krugman, Eggertsson / Woodford, und Bernanke haben aufgezeigt, unter welchen Voraussetzungen die gewünschten Wirkungen erzielt werden können. Durch Geldschwemme wird die Zinsstruktur manipuliert, doch mit der klaren Absicht, die Wirtschaft über verschiedene Kanäle (1. Tiefere Zinsen – Investitionen und Konsum steigen; 2. Vermögenseffekt – die Konsumenten fühlen sich reicher und geben mehr aus; 3. Höhere Aktienpreise – Firmen tätigen Ersatzinvestitionen; 4. Anstieg der erwarteten Inflation – mehr Konsum in der Gegenwart; 5. Senkung des realen Wechselkurses – Exporte steigen) zu stimulieren. Unerwünscht ist die mögliche Nebenwirkung, dass auf Vermögensmärkten neue Preisblasen entstehen können, welche als Nährboden einer zukünftigen Krise dienen könnten. Wie kann man diesen Risiken begegnen?

Es sind die bekannten Mechanismen des Profitstrebens, welche in kapitalistischen Volkswirtschaften beeinflussen, in welche Projekte oder Anlageklassen das vorhandene Kapital investiert wird. Daher sollte die Politik nicht deshalb intervenieren, weil sie über ein besseres Verständnis der Vermögenswerte verfügt (was tatsächlich niemand hat), sondern weil Gewinne privatisiert und Verluste teilweise sozialisiert werden. Gewinnorientierte Marktteilnehmer verschaffen sich Vorteile, solange Preisblasen anwachsen, und ignorieren die enormen gesellschaftlichen Kosten, die mit einem Platzen der Blasen oder mit enormen Ausschlägen von Vermögenspreisen verbunden sind. Regulierung ist deshalb auf bei jenen Märkten wichtig, welche im Fall eines Preiszerfalls die gesamtwirtschaftliche Nachfrage negativ beeinflussen. Je eher Fremdkapital eingesetzt wird, desto wichtiger ist eine vorsichtige Hand des Regulators, weil bei fremdfinanzierten Positionen sich das Eigenkapital sehr rasch in Luft auflösen kann.

Strikte Eigenkapital- und Tragbarkeitsvorschriften, welche eine zu lasche Kreditvergabe verhindern, sind genauso wichtige Erfolgsfaktoren. Schon lange vor dem Platzen der US-Subprime Blase wurde in diesem Punkt fahrlässig gehandelt, da Eigenheime zum absurden Wert von 105% finanziert wurden!

Die Regulierung system-relevanterer Banken (too big to fail) ist in gleicher Weise wichtig, genauso wie Schaffung eines glaubwürdigen Insolvenz- und Restrukturierungsregimes für Banken einerseits, und Staaten andererseits.

Die Schweizerische Nationalbank SNB ist auf dem richtigen Weg, sie erzwingt eine vorsichtige Kreditvergabe bei Immobilien und setzt hohe Anforderungen an die Eigenmittel, insbesondere der beiden Grossbanken

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