Die sieben Todsünden beim Investieren

Masslos, faul, habgierig, neidisch: Niemand ist vor Anlage- und anderen Sünden gefeit. Wer Erfolg haben will, gibt allerdings Acht, die Verlockung der Sünden im Zaum zu halten.
26.02.2014 11:03
Mike Turner, Head of Multi-Asset Investing, Aberdeen Asset Management, London

1. Ausschweifung (luxuria): Der Verlockung schneller Schnäppchen widerstehen

Bei Geldanlagen klingt die langfristige Orientierung völlig logisch. Aber überraschenderweise halten sich die wenigsten Investoren an diesen Grundsatz. Die Aussicht auf schnelles Geld verleitet dazu, einen Sektor oder eine Aktie zu „timen“ oder massiv in Börsenlieblinge zu investieren. Wer die Höhen und Tiefen der Märkte nicht in Wochen, sondern in Jahren misst, ist auf lange Sicht nicht nur gewinnbringender, sondern auch kostengünstiger.

2. Masslosigkeit (gula): Wenn es um Informationen geht, ist Weniger oft Mehr

Unsere Welt ist mit Informationen überfrachtet. Da neigen Investoren dazu, diese ohne Mass und Ziel zu konsumieren. Am zuverlässigsten ist aber ein einfacher, disziplinierter analytischer Rahmen. Wer die störenden Nebengeräusche am Markt diszipliniert herausfiltert, widersteht der Versuchung, bei jedem neuen Hype die Bewertungsgrundlage neu zu justieren.

3. Habgier (avaritia): Wenn alle in eine Aktie investieren, hält man sich besser von ihr fern

Wenn ein Sektor oder eine Aktie abhebt, sollte man sich davon fernhalten. Wenn die Anleger jedoch massiv aussteigen, bieten sich für versierte und selektiv agierende Anleger gute Chancen. Wer von einem Investment felsenfest überzeugt ist, muss aber Geduld und mentale Stärke haben, bis sich die anderen Marktteilnehmer der Meinung anschliessen.

4. Faulheit (acedia): Beim Investieren gibt es keine Schleichwege

Investieren ist ganz einfach. Schwierig wird es erst, wann man verstehen will, in was man investiert. Bei Aktien sollte man jedes Unternehmen in- und auswendig kennen und wissen, woher die Performance generiert werden wird. Bei Obligationen geht es nicht nur um Renditen, sondern um weitere Kriterien wie Ausfallquoten oder Merkmale des Emittenten und des Sektors. Nur dank dieser arbeitsintensiven Analyse können Investoren einschätzen, ob eine Anlage korrekt bewertet ist.

5. Zorn (ira): Diversifikation ist der Schlüssel zu Gelassenheit - auch bei hoher Volatilität

Wer ein Portfolio richtig diversifiziert hat, kann auch bei Stürmen ruhig zurücklehnen. Es ist selten, dass alle Anlageklassen gleichzeitig einbrechen – die globale Kreditkrise 2008 war da eine Ausnahme. Bei sinkenden Kursen und fallenden Zinsen entwickeln sich fest verzinsliche Anlagen tendenziell besser. Droht ein Inflationsanstieg, können Aktien und Rohstoffe gut performen.

6. Neid (invidia): Die Nachbildung des Index ist die armseligste Form der Schmeichelei

Dem Benchmark nach investieren ist die Kardinalsünde eines aktiven Anlegers. Die Sünde dabei ist Faulheit und das Investieren in Anlagen, die ohne vielversprechende Zukunft in der Vergangenheit gut performt haben. Beim Aufbau eines Portfolios sollte man die Marktindizes eher ignorieren und Investments wählen, die bei einem angemessenen Risiko ein gutes Renditepotenzial bieten. Diesem von Zwängen losgelösten Denken ist die Auflegung von Absolute Return-Fonds zu verdanken.

7. Hochmut (superbia): Hochmut kommt vor dem Fall

In den USA halten sich 93 Prozent für überdurchschnittlich gute Autofahrer. Die natürliche Neigung zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten ist für Investoren fatal. Sie verleitet dazu, Urteile auf der Grundlage unzureichender Informationen zu fällen. Zu selbstbewusste Anleger machen immer wieder die gleichen Fehler. Entwickelt sich eine Anlage im Portfolio gut, verdankt dies der Anleger seinem Geschick. Sonst neigt er dazu, die Schuld auf unvorhergesehene Ereignisse zu schieben.