Die zehn goldenen Regeln der Aktienanlage

Investoren sollten gewisse Regeln beachten, wenn sie Aktien kaufen. Wir haben die wichtigsten 10 für Sie zusammengstellt.
16.09.2014 15:40
Hugh Young, Leiter des Bereichs Aktien weltweit und VR-Mitglied der Aberdeen Asset Management PLC

Wir investieren seit mehr als dreissig Jahren. In dieser Zeit haben wir die unterschiedlichsten Konjunkturzyklen und stürmische Zeiten erlebt und es gibt nicht mehr viel, was uns noch überraschen kann. Was wir dabei gelernt haben, bildet das Fundament unseres Investmentansatzes und beruht auf dem Prinzip der Einfachheit. Wir halten uns an einfache Grundregeln, mit denen nehmen wir es aber ganz genau. Die von uns im Laufe der Jahre gewonnenen Einsichten haben wir in zehn kurzen Regeln zusammengefasst. Sie werden keine dieser Regeln überraschend finden, sie alle setzen auf den gesunden Menschenverstand. All diese Ratschläge sind ernst gemeint – wir hoffen jedoch, dass Sie die leichtfüssige Art ihrer Darstellung erfrischend und unterhaltsam finden werden.

 

Regel Nr. 1

Achten Sie auf fairen Umgang mit Aktionären

Wenn Sie sich ein Unternehmen näher ansehen, stellt sich als Erstes die Frage: „Wer beherrscht es?” Als Nächstes: „Vertrauen Sie diesen Personen?” Minderheitsaktionäre sind nur eine von vielen Interessengruppen - zu diesen gehören vor allem Angestellte, der Staat, Lieferanten, Banken und natürlich Grossaktionäre, wie z.B. Gründungsfamilien - die Einfluss auf ein Unternehmen ausüben. Als Minderheitsaktionär sollten Sie zwar keine bessere, auf alle Fälle aber eine faire Behandlung erwarten dürfen. Die entscheidende Frage ist hier, ob Sie darauf vertrauen können, dass die das Unternehmen beherrschenden Gruppen sich fair verhalten. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Interessengruppen, die ihren beherrschenden Einfluss in der Vergangenheit fair ausgeübt haben, dies sehr wahrscheinlich auch in Zukunft tun werden. Vergangenes Verhalten ist hier ein guter Indikator.

 

Regel Nr. 2

Unternehmen werden von Menschen gemacht und nicht von Kapital

Unterm Strich ist ein Unternehmen eine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel, nämlich das bestmögliche Produkt zum bestmöglichen Preis zu schaffen. Natürlich brauchen Unternehmen Betriebsvermögen, aber ohne eine gute Belegschaft und Qualitätsmanagement werden sie nicht erfolgreich sein. Wenn man die Dinge so betrachtet, ist klar, dass Prognosen zur langfristigen Wertentwicklung eines Unternehmens unweigerlich mit der Einschätzung der Qualität seiner Belegschaft verbunden sind.

 

Regel Nr. 3

Eine starke Bilanz ist entscheidend

Ein Hauptgrund für unternehmerischen Misserfolg liegt in der schlechten Unternehmensfinanzierung. Eine Bilanz sagt viel über ein Unternehmen aus, sie bildet das Rückgrat und ist die tragende Säule. Aus einer guten Bilanz lässt sich vieles ablesen. Vor allem, dass ein Misserfolg des Unternehmens unwahrscheinlich ist. Bilanzstärke hängt allerdings nicht nur von den Verbindlichkeiten ab. Eine Analyse des Betriebsvermögens ist ebenso wichtig. Wie ein Unternehmen mit seinen liquiden Mitteln umgeht, ist sehr aufschlussreich. Ist zu viel Liquidität in der Kasse? Wird sie durch waghalsige Spekulationen mit exotischen Finanzinstrumenten aufs Spiel gesetzt? Natürlich muss zuerst Liquidität erwirtschaftet werden. Danach aber muss ein Unternehmen diese umsichtig investieren, sicher managen oder an seine Aktionäre auszahlen.

 

Regel Nr. 4

Man muss verstehen, was man kauft

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, heisst es, Vorsicht walten zu lassen. Sie müssen nicht wissen, wie Siliziumhalbleiter funktionieren, um Aktien eines Herstellers dieser Produkte zu kaufen. Aber Sie sollten schon verstehen, wofür sie verwendet werden, und zumindest die Grundschritte des Herstellungsprozesses wie Rohstoffeinsatz, Verarbeitung und Kosten nachvollziehen können. Andererseits können einfache Produkte wie Hypothekendarlehen derart „verpackt“ werden, dass sie schwer verständlich sind. Lassen Sie die Finger von Geschäften, die nicht nachvollziehbar sind. Zum Beispiel, wenn ein Sektor mit niedrigen Eintrittsbarrieren Gewinne weit über den Kapitalkosten erzielen soll.

 

Regel Nr. 5

Vorsicht vor falschem Ehrgeiz

Nicht selten erliegen Unternehmen der Versuchung, ihre Kapazitäten auszuweiten und dabei auch in Bereiche ausserhalb ihrer Kernkompetenzen zu investieren. Diese ambitionierten Wachstumsbestrebungen sind mit Vorsicht zu geniessen, denn das Unternehmen wird sich dadurch weniger stark auf sein Kerngeschäft fokussieren können und auch die Auswirkungen auf die Bilanz können oft erheblich sein. Eine massive Expansion mag zwar Angestellten, Lieferanten und Banken zugute kommen, Minderheitsaktionäre gehören hier aber eher selten zu den Gewinnern. Bei dem zu bleiben, was man besonders gut kann, ist oft die sinnvollere Alternative.

 

Regel Nr. 6

Langfristig denken

Sofern Sie Ihr Geld nicht kurzfristig benötigen, sollten Sie langfristig denken und der alltäglichen Hektik der Märkte aus dem Weg gehen. Hierfür gibt es zwei gute Gründe: Erstens ist es sinnvoll, wenn Ihr Anlagehorizont zu den Unternehmen passt, in die Sie investiert haben. Sie werden feststellen, dass alle guten – und sogar einige schlechte – Unternehmen langfristig planen. Baut ein Unternehmen beispielsweise eine Fabrik, geht es davon aus, dass die Fabrik mindestens zehn Jahre lang Gewinne erwirtschaftet. Gleiches sollten Sie von dessen Aktien erwarten. Zweitens sind kurzfristige Kursbewegungen meist nur folgenlose Fluktuationen und Kapitalverluste (oder -gewinne) vorübergehender Natur. Aufpassen sollten Sie auf das Risiko eines dauerhaften Kapitalverlustes und dieses hängt ganz wesentlich von den langfristigen Geschäftsaussichten des Unternehmens ab.

 

Regel Nr. 7

Benchmarks bieten Orientierung – mehr aber auch nicht

Der schlechteste Grund, etwas zu kaufen, ist der, dass ein anderer es gekauft hat. Genau das machen Sie aber letztendlich, wenn Sie den Benchmarkindex in Ihrem Portfolio abbilden. Die Gewichtung eines Unternehmens im Index spiegelt lediglich die Ereignisse der Vergangenheit wider, die zukünftige Entwicklung bleibt unberücksichtigt. Zudem findet sich in den meisten Benchmarks eine gehörige Menge Unrat, auf den man gerne verzichten kann. Erfolgreiches Investieren erfordert eine andere, eigenständige Denkweise. Zeitweilig mag man sich damit nicht ganz wohl fühlen. Sie sollten aber lernen, dies als Anzeichen dafür zu sehen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Einfach ausgedrückt heisst das: Wer die Benchmark schlagen will, muss von ihr abweichen.

 

Regel Nr. 8

Irrationales Verhalten nutzen

Die Hypothese vom effizienten Markt ist Unsinn. Da Märkte von Menschen gemacht werden und Menschen irrational sind, können auch die Märkte nur irrational sein. Manche Ereignisse lösen bei Investoren Panik aus, andere wiederum führen zu irrationalem Überschwang. Positive wie auch negative Entwicklungen dieser Art muss man sich zunutze machen und dem Herdentrieb widerstehen (oder, falls Sie doch die Flucht ergreifen, wenigstens als Erster am Notausgang sein). Betrachten Sie einen Kursverfall von 20% daher wie einen 20%igen Preisnachlass im Kaufhaus und damit als Gelegenheit zum billigen Einkauf.

 

Regel Nr. 9

Recherchieren Sie selbst

Während es im medizinischen und technischen Bereich meist ganz klare Regeln und Verfahrensweisen gibt, die es zu befolgen gilt, ist das im Finanzsektor anders. Abgesehen von den ethischen Grundätzen, an die man sich zu halten hat, liegt der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren darin, seinen eigenen Weg zu finden und nicht den Vorgaben anderer zu folgen. Schliesslich will man den anderen ein Stück voraus sein und das geht nur, wenn man eigene Recherchen anstellt. Brokerresearch ist zwar nützlich, eigene Analysen und Schlussfolgerungen kann es aber nicht ersetzen. In erster Linie geht es darum, auf eigener Grundlage selbstverantwortlich Entscheidungen zu treffen.

 

Regel Nr. 10

Branchen bevorzugen, die einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil bieten

Manche Branchen erwirtschaften einen höheren Ertrag als andere. Die Höhe des von einem Sektor oder einer Branche erwirtschafteten Ertrags ist vielfach massgebend dafür, wie schwierig der Eintritt ist. Hohe Eintrittsbarrieren können somit einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil für diejenigen Unternehmen bedeuten, die den Zutritt schon geschafft haben. Der Bankensektor ist ein gutes Beispiel. Im Gegensatz zum Einzelhandel oder der Stahlproduktion bestehen jede Menge Hürden bei der Gründung einer Bank. Man benötigt nicht nur eine Lizenz von einer oder mehreren Aufsichtsbehörden, sondern muss auch das Vertrauen von Anlegern und Kreditnehmern gewinnen. Die meisten Banken erzielen eine gute und häufig sehr nachhaltige Kapitalrendite. Zumindest solange sie sich auf die einfachen Geschäftszweige wie Kreditvergabe und Einlagengeschäft beschränken.

 

Dies sind also die zehn goldenen Regeln von Aberdeen, die wir bei der Aktienauswahl seit mehr als drei Jahrzehnten befolgen

Natürlich können Verluste oder rückläufige Entwicklungen mit diesen Regeln nicht völlig ausgeschlossen werden. Auch Aktien der besten Unternehmen können einmal ins Trudeln geraten, wenn allgemein Panik ausbricht und alle schnellstmöglich aussteigen wollen. Die Befolgung der auf diesen Seiten dargelegten Regeln führt jedoch (und davon sind wir fest überzeugt) eher zur Auswahl von ‘Qualitätsunternehmen’, die finanziell gesund und gut geführt sind und die sich nach einem Marktrückgang daher sehr schnell erholen werden. Wenn man diese Regeln versteht, wird es einfacher zu investieren - man wird nicht mehr so sehr von Marktunsicherheiten beeinflusst und ist weniger versucht, aus Sicherheitsgründen dem Herdentrieb der Anleger zu erliegen. Niemand kann vorhersehen, was auf den Aktienmärkten als Nächstes passieren wird. Aber wenn wir gut informiert sind und aus den richtigen Gründen investieren, können wir die Weichen auf Erfolg stellen.

 

Aberdeen-asset.ch

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