Einfluss der Volatilität bei Hebelprodukten

Volatilitätsneutrale Hebelprodukte wie Faktor-Zertifikate ohne Knock-Out und konstantem Hebel stellen oft eine geeignete Alternative zu Warrants dar.
20.12.2013 15:36
Andreas Stocker, Derivatives & ETFs Public Distribution, Commerzbank Zürich

Die Produktauswahl an der Schweizer Derivatbörse Scoach ist gross. Von den gesamt 34'300 kotierten Produkten entfallen über 22'700 auf die Kategorie der Hebelprodukte. Das Gros davon sind Warrants (Optionsscheine), danach folgen Knock-Out Warrants, Mini-Futures und Faktor-Zertifikate. Wie es der Name andeutet, steht für Hebelprodukte der Hebel und somit die spekulative Eigenschaft im Vordergrund. Sie können aber auch zur Absicherung (Hedging) verwendet werden. Mit den Instrumenten kann mit geringem Kapitaleinsatz überproportional an der Kursentwicklung eines Basiswerts partizipiert werden. Derweil werden Varianten ohne Knock-Out wie (Warrants und Faktor-Zertifikate) und auch Instrumente mit Knock-Out angeboten wie Mini-Futures und Knock-Out Warrants. Eine konkrete Marktmeinung ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Anlage in Hebelprodukte. Will jemand auf steigende oder fallende Aktienkurse spekulieren, stellt sich rasch die Frage nach dem Wie. Dem Anleger muss bewusst sein, dass sich Hebelprodukte unterschiedlich gegenüber verschiedenen Faktoren – wie Zeitwertverlust und Volatilität - verhalten. Nur wenn der Investor ihren Einfluss versteht, ist er in der Lage, erfolgreich in Hebelprodukte zu investieren.

Volatilität im Auge behalten

Der populärste Produkttyp sind Warrants. Der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor auf den Preis von Warrants, neben der Kursentwicklung des Basiswerts, ist die sogenannte implizite Volatilität (erwartete Schwankungsbreite). Klettert sie, verteuern sich Calls und Puts. Sinkt die Schwankungsbreite, verbilligen sich die Papiere. Neben einer klaren Marktmeinung ist für die Spekulation mittels Warrants deshalb auch immer die Einschätzung zur aktuellen und künftigen Volatilität des Basiswerts wichtig. Ein guter Indikator für die allgemeine Stimmung am Schweizer Aktienmarkt ist das Volatilitätsbarometer VSMI auf den SMI. Dieses misst die implizite Volatilität des SMI auf Sicht von dreissig Tagen. Im Schnitt bewegt sich dieser Indikator um 20%. Werte unterhalb dieser Marke gelten als tief, während Kurse um 30% hoch sind. Der VSMI liegt derzeit bei bei rund 14%, was somit ein tiefer Wert ist.

Der VSMI im Vergleich zum SMI

Quelle: Bloomberg

Als Faustregel gilt, dass die Volatilität in steigenden Aktienmärkten fällt und bei sinkenden Aktiennotierungen klettert (vgl. Grafik). Um den Einfluss der Schwankungsbreite auf den Preis von Warrants zu illustrieren, hilft ein Rechenbeispiel (vgl. Tabelle unten). Hätte der Anleger bspw. Anfang August 2011 – zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise - auf dem Tiefst des SMI mittels Call-Warrants auf einen steigenden SMI spekuliert, wäre er rund zweieinhalb Monate später, trotz eines Kursanstiegs von gut 1000 Punkten, nur leicht im Gewinn gewesen. Warrants waren somit die falsche Anlageform.

Rechenbeispiel

  Datum SMI-Stand Impizite Volatilität Preis Call-Warrant*
Kauf 10.8.11 4791 44% 0,20 Fr.
Verkauf 28.10.11 5852 20% 0,21 Fr.

*Call Warrant auf SMI, Strike 5800, Verfall 23.12.11, Ratio 1000

Ebenso muss der Zeitwertverlust beachtet werden. Liegen Warrants am Ende der Laufzeit aus dem Geld, verfallen sie wertlos. Je näher der Verfalltermin rückt, desto schneller verlieren sie an Wert. Es lohnt sich darum selten, aus dem Geld liegende Warrants mit kurzer Restlaufzeit zu erwerben. Eine riskantere Alternative zu Warrants stellen Knock-Out Warrants dar. Sie unterscheiden sich durch die eingebaute Knock-Out-Schwelle. Wird diese berührt, verfallen die Produkte wertlos. Im Gegensatz zu herkömmlichen Warrants weisen Knock-Outs aber einen geringen Zeitwertverlust auf. Die Volatilität ist für die Bewertung von Knock-Out Warrants nur ein geringer Faktor, der die Produkte verteuert. Denn hohe Schwankungsbreiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Berührung der Knock-Out-Schwelle und somit eines Totalverlusts.

Mini–Futures, die eine unbegrenzte Laufzeit aufweisen, bieten sich ebenfalls an. Dieser Produkttyp ähnelt einer fremdfinanzierten Investition. Ein Teil des benötigten Kapitals wird durch den Emittenten bereitgestellt. Hält ein Investor das Produkt über Nacht, zahlt er Zinsen. Das verändert den Finanzierungs-Level und die Knock-Out-Schwelle (Stop Loss) des Produkts. Durch ihre Konstruktion sind Mini-Futures volatiltätsneutral.

Alternativen in Betracht ziehen

Eine gute Alternative zu klassischen Hebelprodukte sind Faktor-Zertifkate, die seit Juni 2010 von der Commerzbank in der Schweiz Angeboten werden. Diese Zertifikate zeichnen sich durch einen konstanten Hebel auf Tagesbasis sowie Volatilitätsneutralität aus. Die Faktor-Zertifikate haben eine unbegrenzte Laufzeit, keine Knock-Out-Schwelle und beziehen sich auf einen Index. Jedem Index liegt ein Basiswert zugrunde, dessen Rendite auf Tagesbasis berechnet wird. Die Gefahr eines Totalverlusts ist nicht vorhanden. Es werden sowohl Long- als auch Short-Varianten angeboten.

Volatilität ausklammern

Das passende Hebelprodukt hängt immer vom persönlichen Risikoprofil und der Marktsituation ab. Erwartet der Anleger eine steigende implizite Volatilität, empfiehlt es sich, Warrants zu kaufen. Während bei sinkenden Schwankungsbreiten Mini-Futures oder Faktor-Zertifikate zu bevorzugen sind. Kann oder möchte der ein Anleger die erwartetet Implizite Volatilität nicht abschätzen, sollte er Faktor-Zertifikate oder Mini-Futures mit hohem Abstand zum Knock Out in Betracht ziehen. Bei diesen Instrumenten muss er sich bloss eine Meinung zur künftigen Entwicklung des Basiswerts bilden.