Finanzmärkte 2016 - Startschuss zur zweiten Hälfte

In den ersten sechs Monaten offenbarten sich an den internationalen Finanzmärkten viele Hürden, gleichzeitig aber Lichtblicke. Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage sowie der anstehenden Termine dürften Anlegern auch in der zweiten Hälfte des Börsenjahres aufregende Zeiten ins Haus stehen. Der Erfolg eines Investments wird daher entscheidend von der Trading-Richtung abhängen. Mit Long-Produkten können Anleger an steigenden Notierungen überproportional profitieren, Shorts gewinnen dagegen bei sinkenden Kursen. Die Commerzbank hat Hebelpapiere auf eine Vielzahl von Basiswerten im Angebot.
15.07.2016 15:00
Andreas Stocker, Derivatives & ETFs Public Distribution, Commerzbank

Kein leichtes Spiel hatten die Akteure auf dem Börsenparkett in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Waren es zuerst Sorgen um das Wachstum in China sowie mögliche weitere Zinsschritte seitens des Fed, welche die Aktien auf Achterbahnfahrt schickten, gesellte sich etwas später die Angst vor einem "Brexit" hinzu. Berechtigt, wie die Abstimmung am 23. Juni zeigte, denn die Mehrheit der Briten stimmten für einen Austritt aus der EU.

Die Summe an schlechten Nachrichten, welche durch den Brexit noch kurz vor dem Ende des erstens Halbjahres im negativen Sinne gekrönt wurde, verhinderte einen "Sieg" der Optimisten in der ersten Hälfte. Unter dem Strich verlor der SMI rund 12 Prozent, der EURO STOXX 50 tauchte bis zum Stichtag 27. Juni sogar um 15 Prozent ab. Noch schlechter erging es dem japanischen Leitbarometer Nikkei 225, welcher mehr als ein Fünftel seines Werts einbüsste.

Stürmische Aktienmärkte

Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Aktienmärkte querbeet ins Abseits gedrängt wurden, erlebten andere Assetklassen eine wahre Renaissance. Dies gilt insbesondere für die Edelmetalle. Gold avancierte um 24 Prozent, der kleine Bruder Silber sogar um 28 Prozent. Beide markierten zuletzt neue Jahreshöchststände. Der neu gewonnene Glanz gründet vorwiegend auf den bestehenden Unsicherheiten - konjunkturell wie auch politisch. Denn vor allem Gold geniesst rund um den Erdball einen Ruf als "sicherer Hafen" in Krisen jedweder Art. Dass dem tatsächlich so ist, zeigte sich beim "Nein" der Briten zur EU. Gold verzeichnete daraufhin einen Tagesgewinn von rund 6 Prozent.

Einen ebenso dynamischen Sprint legte der Ölpreis in den ersten sechs Monaten hin. Der Rohstoff verteuerte sich seit Silvester um mehr als ein Viertel. Allerdings ging diesem Anstieg ein tiefer Fall voran. Ein Fass der Rohölsorte Brent verlor zwischen Mai 2015 und Januar 2016 mehr als die Hälfte seines Werts. Folglich hat das schwarze Gold seinen Absturz längst noch nicht wettgemacht. Bei 50 US-Dollar pro Barrel scheint derzeit eine Grenze zu sein, auf diesem Niveau ging die kurzfristige Aufwärtsbewegung in eine Konsolidierung über.

Neue Zeit, altes Spiel

Dass es bei den einzelnen Assetklassen immer Gewinner und Verlierer gibt, versteht sich von selbst. Für Anleger stellt sich nach der ersten Jahreshälfte die Frage, wer die Gewinner im zweiten Halbjahr sein werden. Eines scheint dabei bereits festzustehen: An der Fülle der Unsicherheiten wird sich nichts ändern. Der Brexit wird in den kommenden Monaten das beherrschende Thema in Europa sein. Zwar pumpt EZB-Chef Mario Draghi in immer höherer Geschwindigkeit Geld in die Finanzmärkte und hofft darauf, dass die Massnahmen Wirkung zeigen. Doch lässt sich nicht vorhersagen, ob dies ausreichen wird. Mit Blick auf die Wirtschaft kann bis dato nur von einem gedämpften Wachstum in der Eurozone die Rede sein. Beispielsweise stieg der Sammelindex für die Produktion der Privatwirtschaft, der Industrie und Dienstleistungen umfasst, im Mai nur geringfügig von 53,0 auf 53,1 Prozent. Für Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), ist billiges Geld nicht genug, um die Konjunktur auf dem alten Kontinent wieder auf Vordermann zu bringen. Er fordert ein "investitionsfreundlicheres Regulierungsumfeld", um private Investitionen anzukurbeln. In das gleiche Horn bläst auch EZB-Präsident Draghi, er rief Anfang Juni die Politik erneut auf, mit Strukturreformen für mehr Wachstum und Beschäftigung im Euroraum zu sorgen.

Auch die europäische Peripherie ist noch nicht nachhaltig über dem Berg. Vor allem Griechenland und Spanien könnte ein stürmischer Herbst bevorstehen. Zwar wurde für Athen zuletzt ein weiteres Hilfspaket verabschiedet, allerdings ist die Schuldensituation dadurch nicht nachhaltig gelöst und Ministerpräsident Alexis Tsipras hat in den kommenden Monaten viel zu tun, um die weiteren Vorgaben der Geldgeber umzusetzen. In Spanien wartet ebenfalls jede Menge Arbeit. In dem ehemaligen Krisenland wurde am 26. Juni neu gewählt, da sich die Parteien selbst sechs Monate nach der ersten Wahl nicht auf eine Mehrheit einigen konnten. Auch nach der erneuten Stimmenauszählung scheint wieder alles auf ein Patt hinauszulaufen.

Einen Lichtblick bescherte das Wirtschaftswachstum im Euroraum zu Jahresbeginn. Dieses zog im ersten Quartal um 0,6 Prozent an. Für den guten Start ins Jahr 2016 war vor allem die grösste europäische Volkswirtschaft verantwortlich. Deutschland erzielte mit 0,7 Prozent die höchste Zuwachsrate seit zwei Jahren. Mit dem angeschlagenen Tempo liess die Eurozone die USA hinter sich. Die weltgrösste Volkswirtschaft kam zu Jahresbeginn nur auf ein Plus von 0,2 Prozent. Die Commerzbank-Ökonomen gehen aber davon aus, dass sich die Wirtschaft im Euroraum im Laufe des Jahres weiter nur langsam erholen wird. Zudem wird Europa mit einem erwarteten BIP-Anstieg von 1,3 Prozent in 2016 den USA mit 1,8 Prozent deutlich hinterherhinken. Dabei zeigt sich mit dem Brexit eine weitere Gefahr: Laut unserem Chefvolkswirt Jörg Krämer könnte das "Ja" der Briten zum EU-Ausstieg der Realwirtschaft nicht nur in Grossbritannien, sondern auch in Kontinentaleuropa schaden.

USA: Zwischen Hoffen und Bangen

Auch wenn der Start aus ökonomischer Sicht in Übersee verhalten ausfiel, die Wall Street zeigt sich davon unbeeindruckt. Anders als ihre Pendants in Europa und Asien legten die US-Indizes - zumindest bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses zum britischen Referendum - im ersten Semester zu. Dow Jones und S&P 500 gewannen bis dahin rund 2 Prozent. Spannend dürften nun die kommenden sechs Monate werden. Zum einen steht am 8. November die Präsidentschaftswahl an, was für reichlich Verunsicherung sorgen könnte. Zum anderen wird am Markt erwartet, dass die US-Unternehmen im dritten und vierten Quartal die Gewinnwende schaffen. Nach einem schwachen Jahresauftakt geht der Durchschnitt der Analysten auch für das zweite Quartal von sinkenden Gewinnen aus. Aktuell wird mit einem Minus bei den S&P 500-Unternehmen von 5,1 Prozent gerechnet. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre dies das fünfte Quartal in Folge, in dem die Blue Chips einen Rückgang verbuchen müssten.

Doch das zweite Halbjahr soll die Umkehr bringen. Nach Daten von Factset geht der Analystenkonsens davon aus, dass die Erträge im dritten Quartal um 1,3 Prozent zulegen werden, im Schlussviertel soll das Plus dann sogar 7,6 Prozent betragen. Noch einmal zurück zum Urnengang: Glaubt man der Statistik, könnte 2016 ein gutes Aktienjahr werden. In den Wahljahren zwischen 1928 und 2012 gelang es dem S&P 500, in 16 Fällen mit einem positiven Vorzeichen abzuschneiden. Dem gegenüber stehen nur sechs Verlustjahre.

Die Wall Street muss aber nicht nur die Wahl und die Unternehmensbilanzen verkraften, die Augen sind stets auch auf die Fed gerichtet. Denn die Notenbank möchte in diesem Jahr ihren Leitzins weiter anheben. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Schritts zuletzt gesunken. Nach schwachen Arbeitsmarktdaten sind die Aussagen der Notenbank nun vorsichtiger geworden. Wann nun die viel diskutierte Zinserhöhung stattfinden wird, ist ungewiss. Die im Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten einer möglichen Zinserhöhung kamen nach der Fed-Sitzung Mitte Juni weiter zurück und preisen nun selbst bis Februar nächsten Jahres eine unter 50-prozentige Chance ein.

Grafik 1: Entwicklung S&P 500, EURO STOXX 50 und Nikkei 225 im ersten Halbjahr 2016


Stand: Juni 2016; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Grafik 2: Wertentwicklung Gold im ersten Halbjahr 2016


Stand: Juni 2016; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Zinstief liegt über Europa

Während in den USA zumindest eine Zinserhöhung erwogen wird, gehen die Sparer in hiesigen Gefilden leer aus oder werden für eine Geldanlage sogar zur Kasse gebeten. Am 16. Juni ist nun auch die Rendite 30-jähriger Schweizer Obligationen erstmals in den negativen Bereich abgetaucht. Der Zins sank auf -0,002 Prozent. Im Nachbarland Deutschland zeigt sich der gleiche Trend, hier sind die zehnjährigen Staatsanleihen zum ersten Mal in der Geschichte des Landes unter 0 Prozent gefallen. Die vergleichbaren US-Bonds werfen dagegen eine Rendite von rund 1,7 Prozent ab. Nach Ansicht der Commerzbank-Experten werden sich die zehnjährigen US-Treasuries im Rest des Jahres weiter nach oben bewegen. Die derzeitige Prognose lautet auf 2,10 Prozent bis zum Jahresende. Dagegen wird sich in Europa nichts an den negativen Zinsen ändern.

Die konjunkturellen Unterschiede zwischen den USA und Europa sowie auch das Zinsgefälle wurden am Devisenmarkt zuletzt ausgeblendet. Anleger stürzten sich im Zuge der Brexit-Angst auf sichere Häfen wie den Schweizer Franken. Dieser verteuerte sich nach einer vorangegangen Abwertung Richtung 1,11 Schweizer Franken wieder bis auf 1,08 Franken. Gegenüber dem US-Dollar hat der Schweizer Franken ebenfalls wieder deutlich aufgewertet und von der Anfang des Jahres erreichten Parität ist nichts mehr zu sehen. Der Greenback verlor aber auch gegenüber dem Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung avancierte bis Ende Juni um rund 2 Prozent.

Grafik 3: Erwartetes BIP-Wachstum 2016


Stand: 17. Juni 2016; Quelle: Commerzbank

Unterschiedliche Anlagemöglichkeiten

Die unsichere Grosswetterlage macht es nicht einfach, die Gewinner für die zweite Hälfte des Spiels auszumachen. Da auch weiterhin mit erhöhter Volatilität gerechnet werden muss, ist aktives Management bei allen Assetklassen ein Muss. Mit Hebelprodukten können Anleger aber in jeder Phase gewinnen, denn die Trading-Richtung lässt sich frei wählen. So münzen Short-Produkte Verluste im Basiswert in Gewinne um, das Long-Pendant profitiert dagegen von Kursaufschwüngen. Die Commerzbank bietet als effektive Anlagelösungen neben Turbos und Warrants auch die fortschrittlichen Faktor-Zertifikate an, welche über einen konstanten Hebel verfügen. Zudem spielt die Volatilität bei diesen Papieren keine Rolle.

Neben vielen Möglichkeiten der Long- und Short-Spekulationen bei Indizes, Rohstoffen oder auch Währungen bieten auch Anlagen auf interessante Einzeltitel im zweiten Halbjahr Chancen. Eine davon ist zum Beispiel Apple. Nachdem der Konzern im Juni bei seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz ein wahres Software-Fest feierte, dürfte sich im Herbst alles um die Hardware drehen. Neben einem neuen iPhone setzen Marktteilnehmer auch auf innovative Notebooks mit Touchscreen. Börsenlegende und Super-Spürnase Warren Buffett glaubt jedenfalls an den weiteren Erfolg des Kult-Konzerns und hat sich rund zehn Millionen Apple-Aktien gesichert.

Interessant könnte es auch im Goldminen-Sektor weitergehen. Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht und profitieren nun vom steigenden Preis des Edelmetalls. Im Ölsektor zeigt sich ein vergleichbares Bild. Auch hier haben die Branchenvertreter unter anderem auf die Kostenbremse gedrückt und sich auf die neuen Bedingungen eingestellt. An der Börse hinken die Titel aber noch der jüngsten Erholung des schwarzen Goldes hinterher.

Der Blick gilt in den kommenden sechs Monaten auch erstklassigen Unternehmen, die den Jahresstart mehr oder weniger verschlafen haben. Dazu zählt beispielsweise Novartis. Der Pharma-Konzern geht davon aus, dass sein bereinigter Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um einen "mittleren bis hohen einstelligen Prozentbetrag sinken wird". Im zweiten Halbjahr soll dieser aber dann um einen "mittleren bis hohen einstelligen Prozentbetrag steigen".

Auch der Autobauer BMW hat bereits angekündigt, das Wachstum nach der Halbzeit mit neuen Modellen zu beschleunigen. Allerdings produziert der Konzern auch in Grossbritannien und das Unternehmen liess bereits wissen, dass die Folgen des EU-Austritts noch nicht absehbar seien.

Interessant erscheint zudem Dauerbrenner Inditex. Die spanische Modekette konnte zuletzt erneut die Analystenerwartungen schlagen und setzte im ersten Quartal 2016/2017 seinen dynamischen Wachstumskurs fort. Grund dafür sind unter anderem die starken Online-Verkäufe. Bezüglich Internet hat Inditex gute Nachrichten für Anleger: Noch in diesem Jahr sollen alle Marken des Konzerns, die bekannteste ist der H&M-Konkurrent Zara, in allen europäischen Ländern einen Web-Auftritt haben - für reichlich Wachstumsphantasie ist also gesorgt.