Finanzwerte locken mit attraktiver Bewertung

Finanzwerte spüren noch immer die regulatorischen Nachwehen der Finanzkrise, die seit Herbst 2008 an den Märkten tobte. Doch UBS CIO WM Research glaubt, dass mittlerweile das Schlimmste überstanden ist .
05.11.2014 22:27
Jérôme Allet, Public Distribution Derivatives Schweiz, UBS

Die Bewertungen von Finanzaktien ist aktuell attraktiv. Daher könnte sich für mutige Anleger, die sich nach dem jüngsten Kursrückgang an den globalen Aktienmärkten positionieren möchten, ein genauer Blick auf die Branche lohnen, die sich in den vergangenen Jahren teilweise neu erfinden musste. (Stand: 23.10.2014)

Der allgemeine Kursrückgang an den globalen Börsen seit Mitte September sorgte für herbe Verluste. Doch die Situation könnte auch als Chance verstanden werden. Im CIO Weekly vom 17. Oktober 2014 errechnete UBS CIO WM Research, dass zumindest die vergangenen Kursrücksetzer seit März 2009 in deutlichen Gegenbewegungen mündeten, die im Schnitt 54 Handelstage andauerten und für einen Gewinn von 15 Prozent sorgten.* Hieraus lässt sich keine Indikation für künftige Kursentwicklungen ableiten. Wer nun aber dennoch an eine erneute Erholung glaubt, könnte US-Finanzaktien interessant finden. Denn diese hält UBS CIO WM Research derzeit für attraktiv bewertet.

Die vergleichsweise günstige Bewertung ist eine Folge der Pleite der US-Investmentbank Lehmann Brothers sowie der anschliessenden Finanzkrise seit 2009. Diese schüttelten die Finanzbranche rund um den Globus kräftig durch. Um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, zogen Regierungen und Notenbanken weltweit an einem Strang, um mehr oder weniger aufeinander abgestimmt milliardenschwere Rettungsprogramme aufzusetzen. Seitdem sehen sich Banken und Versicherungen einer deutlich höheren, staatlichen Regulierung sowie einem teils schmerzhaften Anpassungsdruck gegenüber. Um erhöhte Eigenkapitalquoten zu erfüllen, sind Restrukturierungen, Kosteneinsparungen, Stellenkürzungen und Effizienzsteigerungen nötig.

EZB sieht Handlungsbedarf

Um die anhaltenden Nachwehen der Finanzkrise zu lindern, überraschte EZB-Präsident Mario Draghi Anfang Oktober 2014 mit seinem Vorstoss die Anlegergemeinde, für mindestens zwei Jahre von Geschäftsbanken Kreditpakete abzunehmen. Bei den Kreditpaketen handelt es sich um Asset Backed Securities (ABS), also um Kredite, die mit Sicherheiten hinterlegt sind. So soll der schwächelnden Wirtschaft in den Problembereichen der Eurozone auf die Sprünge geholfen werden. Dieser Schritt wird jedoch selbst von EZB-Ratsmitgliedern heftig kritisiert. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, zum Beispiel fürchtet, dass ein solches Aufkaufprogramm die Kreditrisiken der privaten Banken auf „die Notenbank und damit den Steuerzahler verlagert“.

Europa hinkt USA konjunkturell hinterher

Manchen Beobachter mag der Zeitpunkt des neuen EZB-Programms etwas überraschen. Schliesslich lässt die US-Notenbank nach Andeutungen ihrer Vorsitzenden Janet Yellen ihre Anleiheaufkäufe wohl im Oktober 2014 auslaufen. Zudem wird am Zinsmarkt über eine erste Zinserhöhung in den USA Mitte 2015 spekuliert, obwohl Yellen bereits mehrfach betonte, die Leitzinsen für eine „beträchtliche Zeit“ auf Nullzinsniveau zu belassen. Die Diskrepanz in der Zinspolitik der beiden Notenbanken liegt natürlich in der unterschiedlichen konjunkturellen Verfassung der USA und Europas begründet.

Gute Aussichten für US-Finanzwerte

In den USA wurden laut Berechnungen von UBS CIO WM Research im Oktober 2014 im bisherigen Jahresverlauf 1,7 Millionen Jobs kreiert. Der viel beachtete ISM Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes dokumentiert die starke US-Konjunktur mit einem Dreijahreshoch. Zudem zeigt der US-Wohnungsmarkt anziehende Aktivität. Wirtschaftswachstum sowie Aufhellung am Arbeits- und Immobilienmarkt wirken sich grundsätzlich positiv auf Geschäftsbanken aus. Denn gute Konjunkturaussichten begünstigen das Konsumentenverhalten und die Nachfrage nach Krediten.

Hinzu kommt, dass die Hypothekarzinsen in den USA im Steigen begriffen sind. In der Bankenwelt bedeuten höhere Zinsen in der Regel höhere Nettozinsmargen. Sollte die Fed daher, wie auch von UBS CIO WM Research erwartet, in den kommenden zwölf Monaten Leitzinserhöhungen beschliessen, könnte das für zusätzliche Impulse bei US-Finanzwerten sorgen. Daher führen die UBS-Analysten Banken und Versicherungen aus den USA derzeit ganz oben auf ihrer Favoritenliste.

Ungelöste Strukturschwäche des Euro

In Europa scheint die konjunkturelle Erholung noch nicht so weit fortgeschritten wie in den USA. Strukturreformen werden politisch motiviert oftmals nur schleppend umgesetzt, wohl auch weil die Krise um die Gemeinschaftswährung zumindest momentan an Schärfe verloren hat. Doch ein erneutes Aufflammen der Krisenherde sowie wirtschaftliche Rückschläge sind nicht auszuschliessen. Das beweist auch die Dauer-Lokomotive im Euroraum, Deutschland: Gemäss Erhebungen des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums drosselte das Sommerloch die Produktion deutscher Unternehmen im August 2014 gegenüber dem Vormonat unerwartet stark um vier Prozent. Ökonomen hatten im Vorfeld durchschnittlich nur mit einem Rückgang von 1,5 Prozent gerechnet.

Trotzdem halten die UBS-Experten auch Finanzaktien aus Europa nicht für uninteressant. Wie auch US-Finanzwerte weisen sie aktuell ein attraktives Bewertungsniveau auf. Zudem haben sich die Refinanzierungsbedingungen für europäische Banken ebenfalls normalisiert. UBS CIO WM Research spricht dem europäischen Bankensektor daher ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis zu, da in den Kursen mancher Bankaktie hohe Risikoabschläge eingepreist sind. Wer jedoch lieber auf Chancen anstatt auf den eventuellen Abbau zu hoch eingeschätzter Risiken setzen möchte, wird im direkten Vergleich momentan wohl nicht an US-Finanzwerten vorbei kommen.

Aufschlussreicher Performance-Vergleich*

Einen Eindruck, welches Kurspotenzial in Bankaktien stecken könnte, vermittelt ein Performancevergleich. Auf Sicht von fünf Jahren erholte sich das US-Finanzwertebarometer, der S&P 500 Financials Price IndexTM, um 63,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum machte der marktbreite S&P 500 Price IndexTM fast 80 Prozent an Boden gut. Während des jüngsten Kurseinbruchs am Aktienmarkt konnte sich die Performanceschere sogar wieder etwas schliessen, wenn auch minimal: Der Sektorindex gab auf Monatssicht 2,78 Prozent ab, während der S&P 500 IndexTM 2,81 Prozent verlor. Das kann als ein weiteres Indiz für die Normalisierung des Finanzsektors gewertet werden.  (Quelle: Bloomberg, Stand: 23.10.2014)*

Praktische und kosteneffiziente Investitionsmöglichkeit

Wer die Einschätzung von UBS CIO WM Research teilt, dass die Konjunkturerholung in den USA weitergeht und den dortigen Finanzaktien in die Hände spielt, kann sich mit UBS Tracker-Zertifikaten kosteneffizient positionieren. So bildet zum Beispiel der UBS ETT (Symbol ETFIN) den S&P 500 Financials Total Return IndexTM derzeit ohne Verwaltungsgebühren ab.** Besonders langfristig orientierte Anleger dürfte es freuen, dass bei diesem Produkt eventuelle Netto-Dividenden der Indexmitglieder in den Index zurückfliessen. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied zum Open End PERLES auf den STOXX Europe 600 Financial Services Price IndexTM (Valor 1878550): Bei diesem Tracker, der sich auf europäische Finanzaktien konzentriert, findet keine Dividendenanrechnung statt. Auch dieses Tracker Zertifikat kommt ohne eine Verwaltungsgebühr aus.

S&P 500 Financials Price IndexTM vs. S&P 500 Price IndexTM (normiert) 5 Jahre*

* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind. (Stand: 23.10.2014, Quelle: Bloomberg)

** Die Konditionen von ETTs werden jährlich überprüft und können mit einer Frist von 13 Monaten nach Bekanntmachung angepasst werden.