Im Bann der Notenbanken

Wenn Janet Yellen in den vergangenen vier Jahren ihrer Amtszeit bei der US-Notenbank vor die Presse trat, dann war nicht nur Amerika ganz Ohr, auch die globalen Märkte hingen gebannt an ihren Lippen. Die studierte Ökonomin beendete nämlich Ende 2015 mit der ersten Leitzinserhöhung nach fast zehn Jahren das Kapitel «Finanzkrise».
02.03.2018 15:15
Simon Przibylla, Director Public Solutions, Leonteq Securities AG

Im Februar wurde Yellen nun von dem Juristen Jerome Powell beerbt. Der neue mächtigste Banker der Welt wird aber das gleiche Schicksal teilen: Die Märkte werden jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen. Powell tritt sein Amt in einem Moment an, in dem die Wirtschaft boomt, die Aktienmärkte haussieren und der US-Präsident Donald Trump mit einer weitreichenden Steuerreform die Lage noch weiter anheizt. Das wichtigste Thema in diesem Jahr werden also Zinserhöhungen sein.

USA: Zinswende setzt sich fort

Am Markt herrscht derzeit die Meinung, dass Powell die Leitsätze – die sich gegenwärtig in einer Bandbreite von 1.25 bis 1.50 Prozent befinden – in diesem Jahr drei Mal anheben wird. Das wäre ebenso oft, wie Yellen 2017 die Zinsschraube anzog. Zuletzt kamen jedoch Spekulationen auf, dass das Fed aufgrund der guten Konjunkturdaten sogar vier Mal Hand anlegen könnte. Dies sorgte für einen kräftigen Zinsanstieg an den Bondmärkten. So kletterte die Rendite für 10-jährige US-Treasuries seit Mitte Dezember von 2.35 auf 2.95 Prozent in der Spitze empor. Ein derartig kräftiger Schub ist allerdings nicht unbedingt ungewöhnlich. Untersuchungen zeigen, dass es seit dem Jahr 2008 fünf Phasen gab, in denen die Renditen über mehrere Wochen hinweg besonders deutlich angestiegen sind. Im Durchschnitt legte die Rendite für 10-jährige US-Treasuries während dieser Perioden um rund 100 Basispunkte zu. Sollte es sich also um eine derartige Phase handeln, hätte der Zins noch Luft nach oben. Hier geht es direkt zu Anlagelösungen passend zum Thema «Im Bann der Notenbanken».

Europa: Raus aus dem Tal

Für den alten Kontinent gilt das allemal, denn in der Eurozone befindet sich der Leitsatz immer noch auf dem Rekordtief von 0.0 Prozent. Während die EZB aber noch zögert, folgen die Bondhändler den USA nach oben. Beispielsweise schnellte die 10-jährige deutsche Bundesanleihe seit Mitte Dezember von 0.30 Prozent auf 0.80 Prozent in der Spitze hoch. Und hierzulande ging im Zuge der Zinswende die Ära der Negativsätze zu Ende. Bis auf 0.20 Prozent und damit auf ein so hohes Niveau, wie seit Ende 2014 nicht mehr, legten die langlaufenden Schuldpapiere der Eidgenossenschaft zu. Ganz unbeteiligt an dem Comeback der Zinsen ist auch Powells europäischer Kollege Mario Draghi nicht. Der EZB-Präsident möchte nämlich seine Geldpolitik künftig ebenfalls etwas weniger expansiv gestalten. Erste Anpassungen wurden bereits vorgenommen. So kauft die EZB seit Januar nur noch für monatlich 30 Milliarden Anleihen der Euroländer, im vergangenen Jahr lag das Volumen doppelt so hoch. Den Leitzins, der sich bereits seit März 2016 auf der Nulllinie befindet, möchte die EZB aber erst dann antasten, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind.

Die Märkte geben den Takt vor

Volkswirte rechnen gegen Ende 2019 mit einem ersten Zinsschritt der EZB. Und schliesst Draghi die Geldschleusen, wird auch sein Kollege Thomas Jordan von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) reagieren müssen. Ausgehend von den USA könnte sich also die Zeit des billigen Geldes auf globaler Ebene dem Ende zuneigen. Wie die letzten Wochen gezeigt haben, wird sich der Markt aber nicht so lange wie die Währungshüter gedulden. Geht der Wirtschaftsaufschwung weiter und zieht die Inflation an, könnten auch die Zinsen ihren Weg nach oben weiter fortsetzen – und Anlegern wieder vernünftige Erträge bescheren.

Zinsschere zwischen Europa und den USA

Mehr Informationen zum Thema «Im Bann der Notenbanken» und aktuelle Anlagelösungen finden Sie auf unserer Webseite.