Ist die Welt für den kalten QE-Entzug gerüstet?

Die leisestmögliche Andeutung einer geldpolitischen Straffung durch die Federal Reserve (Fed) hat an den Finanzmärkten vor allem der Schwellenländer eine Welle der Panik ausgelöst. Wie geht es weiter?
20.12.2013 15:34
Peter Elston, Head of Asia Pacific Strategy & Asset Allocation, Aberdeen Asset Management

So wurde schon seit langem geargwöhnt, dass die Zuwächse, welche die Aktien- wie auch die Obligationenmärkte seit etwa einem Jahr verbucht haben, weniger einer Verbesserung der Fundamentaldaten als vielmehr einer Vitaminspritze durch die Zentralbanken zuzuschreiben sind (Beweisstück 1: Staatsobligationen müssten bei einer Verbesserung der Fundamentaldaten eigentlich verlieren). Dieser Verdacht hat sich in letzter Zeit unwiderlegbar erhärtet.

Aber ich kann Ihre Einwände förmlich hören: die Fed hat doch gar nicht von einer Straffung gesprochen, sondern es war lediglich die Rede von einer eventuellen Reduzierung des Programms zum Ankauf von Staatsobligationen. Also für mich ist das eine Straffung, selbst wenn man von sehr locker auf locker (oder von extrem locker auf sehr locker, wenn Ihnen das besser gefällt) strafft. Für eine geldpolitische Straffung führen die Zentralbanken in der Regel zwei Gründe ins Feld. Der eine davon ist die Überhitzung der Wirtschaft, der andere, dass auf längere Sicht die Kosten für eine Fortsetzung der unorthodoxen Geldpolitik mit der Zeit höher als ihr Nutzen sind. Ich denke, wir sind uns einig, dass von einer Überhitzung der US-Wirtschaft keine Rede sein kann, so dass wir den zweiten Grund unter die Lupe nehmen werden.

Tatsache ist, dass die Fed ihre extrem aufgeblähte Bilanz nur allzu gerne etwas verschlanken würde. Mehrere Studien kamen zu dem Schluss, dass ein starker Anstieg der langfristigen Zinsen das Eigenkapital der Fed gleich mehrfach vernichten würde. Das Problem ist, dass die rund USD 600 Milliarden, die in letzter Zeit gedruckt wurden, nicht die gewünschte Wirkung zeigten, denn seit letztem September sind die längerfristigen Inflationserwartungen stark zurückgegangen, und die Arbeitslosenquote ist lediglich von 7,8% auf 7,6% gesunken. Irgendetwas stimmt hier nicht.

Keynesianer werden sagen, dass die ökonomische Reaktion auf die Notenpresse deswegen so schwach ausfiel, weil nicht genug Geld gedruckt wurde. Ich bin in diesen Dingen zwar kein Fachmann, aber ich halte diese Antwort für falsch. Die Reaktion war nicht die von den Fachleuten erhoffte. Ende der Geschichte! Mit dem Anwerfen der Notenpresse wird die Wiederbelebung des „spiritus animalis“ bezweckt, sei es bei Privatpersonen oder bei Unternehmen. Das Problem mit dem QE-Programm ist wohl, dass es die gegenteilige Wirkung hat. Je stärker die Zentralbanken mich zum Konsum zwingen wollen, desto weniger Lust habe ich zum Geldausgeben (seien wir ehrlich: irgendwann werden die Steuern für alle steigen).

Ganz gleich, ob die Zentralbanken diesen oder einen anderen Makel in ihrer Politik erkennen oder auch nicht erkennen, Fakt ist, dass Bernanke, Kuroda und Draghi in den letzten Wochen alle auf ihre ganz eigene Art die Märkte gefragt haben, was sie von einer Drosselung der Notenpresse halten. Obwohl die Antwort bislang ziemlich deutlich ausgefallen ist, stellt sich doch vor allem die Frage nach der Schnelligkeit der Reaktion der Volkswirtschaften auf höhere langfristige Zinsen und auf niedrigere Aktienkurse. Wenn sich herausstellt, dass sie die Verzerrungen an den Märkten leid sind und mehr "Normalität" wollen, dann kann die Schwäche der Aktienmärkte vorübergehend sein.