Mehr Wert durch Unternehmertum

Familiengeführte Unternehmen glänzen durch langfristige Planung, solide Bilanzen und eine starke Wettbewerbsposition in ihren Marktnischen. Mit dieser Mischung aus Value und Wachstum generieren sie auch für Anleger eine überdurchschnittliche Rendite.
05.04.2017 16:00
Birgitte Olsen, Portfolio Manager, Bellevue Asset Management AG

Die dänische Firma Asetek und der Schweizer Uhrenhersteller Swatch Group haben eines gemeinsam: sie gehören zu den klassischen familien- und eigentümergeführten Unternehmen. Typische Entrepreneur-Aktien sind als Champions erfolgreich in ihrer Nische unterwegs. Diese Pole Position haben sie sich auch über mehrere Generationen hinweg erarbeitet. Von managergeführten Betrieben unterscheiden sie sich in vielerlei Hinsicht. Die Unternehmenskultur wird durch das Vorbild der Familie geprägt und kann zu identitätsstiftenden Wertesystemen führen. Die Entscheidungswege sind oftmals kürzer und effizienter. Besonders prägnant ist der längere Zeithorizont, denn familiengeführte Unternehmen denken in Generationen, nicht in Quartalen. Schliesslich haben sie den Hauptteil des Familienvermögens im eigenen Betrieb investiert und wollen damit auf lange Sicht Wertschöpfung erzielen.

Darüber hinaus schaffen überdurchschnittlich solide Bilanzen Krisenresistenz und Spielraum für antizyklisches Verhalten. Eine Eigenkapitalquote über 60% ist bei eigentümergeführten Unternehmen keine Ausnahme. Diese komfortable Kapitalausstattung ermöglicht es ihnen, unabhängig auch in Zeiten konjunkturellen Abschwungs laufend und antizyklisch zu investieren. So investieren Entrepreneurs auch Krisenzeiten in markterweiternde Aktivitäten, verbessern die Produktequalität und bringen neue Innovationen auf den Markt.

Die Beimischung von börsennotierten Familienunternehmen im Portfolio zahlt sich auch für Anleger aus. Eine Studie von Credit Suisse führt weltweit 920 familiengeführte Firmen in 35 Ländern mit einem Börsenwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar auf. Europaweit gibt es über 1500 börsengelistete eigentümergeführte Unternehmen. Dass Familienunternehmen für eine gute Kursperformance stehen, lässt sich mit Fakten untermauern. So hat in den vergangenen 10 Jahren der CS Family TR Index deutlich besser abgeschnitten als der MSCI World Index.

Diversifizierte Vehikel wie Aktienfonds eröffnen die beste Opportunität, sich Wachstumschancen ins Portfolio zu holen, denn für die Auswahl der richtigen Aktien ist reichlich Fingerspitzengefühl und Erfahrung notwendig. Wer sich intensiv mit Familienunternehmen beschäftigt, kann auch Chancen und Risiken richtig abwägen. Aspekte wie Nachfolgeplanung, Eigentumsverhältnisse, Organisationstruktur und Nachhaltigkeit gilt es hier immer wieder zu überprüfen. Von Spezialisten verwaltete Entrepreneur-Investmentfonds unterziehen die Chancen und Risiken solcher Unternehmen einer kontinuierlichen Prüfung und wägen diese gegeneinander ab.

Grundlage des Erfolgs ist die Fähigkeit, die Hidden Champions von Morgen zu identifizieren, was auch Mut zu antizyklischem Investieren erfordert. Unser dreiköpfiges Team kombiniert dabei quantitative und qualitativen Analysemethoden entlang einer fundamentalen Bottom-Up-Philosophie.

Unser Entrepreneur-Anlageuniversum besteht aus über 800 Aktien, hinter denen eine Unternehmerfamilie oder ein Gründer mit mindestens 20% der Stimmrechte steht und eine aktive Rolle im Management oder Aufsichtsrat inne haben. Um nah am Puls des Geschehens zu bleiben führt das Entrepreneur-Team jährlich bis zu 400 Management Interviews durch, dies auch gerne direkt vor Ort. Ziel muss es sein, das Unternehmen fundamental in seiner Gesamtheit zu beleuchten. Fundamentaldaten wie Umsatzwachstum, Gewinndynamik, Cashflow-Potenzial und Wettbewerbsfähigkeit werden modelliert und darauf aufbauend formulieren wir ein Kursziel auf einem Anlagehorizont von 12 bis 24 Monaten. Unsere Fonds konzentrieren wir schlussendlich auf jeweils 30 bis 40 Werte mit dem attraktivsten Rendite-Risiko-Profil.

Eigenanalyse und gute Stock-Picking-Fähigkeiten sind heutzutage unerlässlich, denn die Sell-Side-Analystenabdeckung ist besonders bei Nebenwerten in den letzten Jahren strukturell stark zurückgegangen. Dies führt auch zu punktuellen Marktineffizienzen und attraktiven Einstiegsopportunitäten für Investoren.

 

Die Autorin
Birgitte Olsen ist seit 2008 verantwortlich für die Entrepreneur-Strategien von Bellevue Asset Management. Zuvor arbeitete die studierte Finanzwirtin als Portfolio Manager bei Generali Investments und Vontobel Asset Management.