Reverse Convertibles: Coupon ohne Barriere

Während der SMI und die Mehrheit der europäischen Aktienindizes nach einem turbulenten Start in das neue Börsenjahr aktuell auf den Levels von Mitte Januar notieren, stechen vor allem die US-Leitindizes positiv hervor.
08.08.2016 13:14
Dominik Gottet, Public Distribution, UBS Investment Bank

Sollten die Kurse von den jetzigen Levels moderat fallen oder seitwärts tendieren, können Anleger mit der Produktekategorie Reverse Convertibles ihre Stärken ausspielen.

Die Spannungen an den globalen Märkten nahmen auch in der zweiten Jahreshälfte nicht ab und sorgten für ein weiterhin volatiles Marktumfeld. Vermehrt sind wieder politische Risiken in den Fokus der Anleger gerückt und drückten zweitweise stark auf die Stimmung der Anleger. Nach dem Votum Grossbritanniens für einen Austritt aus der Europäischen Union, stehen im Oktober bereits die Verfassungsreform in Italien und im November die US-Präsidentschaftswahlen auf der Agenda. Diese politischen Verunsicherungen färben auch auf den heimischen Leitindex ab: In den vergangenen Monaten kam es mitunter zu heftigen Ausschlägen, per Saldo treten die 20 Blue Chips jedoch seit Mitte Januar auf der Stelle.

Klare Erwartungshaltung

Für Anleger die mit leicht fallenden Kursen oder Seitwärtsmärkten rechnen, können Strukturierte Produkte eine gute Alternative bieten. Vor allem Renditeoptimierungsprodukte können in solchen Marktlagen ihr volles Potenzial ausschöpfen. Der dominierende Vertreter dieses Segments in der Schweiz ist der Barriere Reverse Convertible (BRC). So sind an der Schweizer Börse für Strukturierte Produkte (SIX SP Exchange) aktuell mehr als 7'600 Varianten von BRCs kotiert. Im Vergleich dazu ist der Produkttyp der Reverse Convertibles weniger verbreitet. Anleger haben die Wahl zwischen knapp 200 Produkten, gleichwohl lohnt sich ein genauerer Blick auf das bestehende Angebot.

Im Mittelpunkt steht bei beiden Strukturen der garantierte Coupon. Dieser kommt unabhängig vom Verlauf der zugrunde liegenden Aktien zur Ausschüttung. Dagegen ist für die Rückzahlung des Nominals die Entwicklung der Basiswerte massgebend. An dieser Stelle kommt ein zentraler Unterschied zwischen den beiden Produktarten zum Tragen: Wie es der Name sagt, verfügt der BRC über eine Barriere. Diese steht in der Regel während der gesamten Laufzeit unter Beobachtung. Fällt ein Basiswert auf oder unter die entsprechende Barriere z.B. bei 70 Prozent, erlischt der Teilschutzmechanismus und das gesamte Nominal ist zum Verfalltermin dem Kursrisiko des schwächsten Titel ausgesetzt. Um diesen Verlust wieder gut zu machen, müsste der schwächste Titel per Verfall um satte 42.9 Prozent steigen und über dem ursprünglichen Strike-Level (in der Regel bei 100 Prozent) notieren.

Fokus auf den Verfalltermin

Beim Reverse Convertible sind dagegen die Schlusskurse am Laufzeitende entscheidend. Notieren die Basiswerte zu diesem Termin geschlossen auf oder über dem Strike-Level, erhalten Anleger das Nominal vollständig zurück und erzielen damit die Maximalrendite. Abschläge bei der Rückzahlung des Nominals erfolgen erst, wenn z.B. bei einem Strike-Level von 70 Prozent, der schwächste Basiswert mehr als 30 Prozent an Wert einbüsst. Im Unterschied zum BRC bei welchem das Strike-Level in der Regel bei 100 Prozent fixiert wird, findet beim RC jedoch die Wandlung in den Basiswert in diesem Fall auf einem reduzierten Niveau statt. Zu beachten gilt es auch, dass sowohl der BRC als auch der Reverse Convertible keine Partizipation an steigenden Kursen bieten. Seine Halter verzichten also auf ein mögliches Aufwärtspotenzial der Basiswerte.

Strukturell verbirgt sich hinter der dargestellten Funktionsweise der Verkauf von Put-Optionen auf die Basiswerte. Die Höhe der aus diesen Transaktionen erzielten Prämie ist für die Kondition des Reverse Convertible entscheidend. Bekanntlich hängen die Preise solcher Termingeschäfte – neben weiteren Parametern – vorwiegend von der impliziten Volatilität ab. In Bezug auf den Reverse Convertible gilt die folgende Faustformel: Je stärker die Kurse bei den zugrunde liegenden Basiswerten ausschlagen, desto höher ist die Prämieneinnahme der Put-Option und umso attraktiver fällt wiederum der Coupon aus.

Payoff-Profile: Reverse Convertible und Barrier Reverse Convertible

Quelle: Schweizerischer Verband für Strukturierte Produkte (SVSP), www.svsp-verband.ch

Frisch am Markt

Anschaulich lassen sich die Modalitäten an konkreten UBS-Produkten verdeutlichen die noch bis zum 10. August in Zeichnung stehen und danach im Sekundärmarkt handelbar sind. Die auf Schweizer Franken lautende Variante (Valor 33241822) basiert auf Credit Suisse, Roche, sowie Zurich Insurance und bringt einen garantierten Coupon von vier Prozent p.a. mit. Das Strike-Level liegt bei 75 Prozent der Anfangskurse. Solange das SMI-Trio am 10. August 2017 auf oder über dieser Marke aus dem Handel geht, erhalten Anleger das Nominal vollständig zurück. Sollte dagegen wenigstens eine Aktie in den kommenden zwölf Monaten um mehr als einen Viertel nachgeben, erlischt der Teilschutz. In diesem Fall liefert die Emittentin den Titel, der über die Laufzeit hinweg am schwächsten abgeschnitten hat. Für die Ermittlung der konkreten Stückzahl und damit auch des Verlustpotenzials ist das Strike-Level entscheidend. Angenommen, der «Worst Performer» beendet die Laufzeit bei 70 Prozent des anfänglichen Niveaus. Dann würde auf den Produktinhaber ein Verlust von 6.7 Prozent zukommen. Unter Berücksichtigung des garantierten Coupons fällt das Minus noch geringer aus.

Neu am Markt ist zudem ein in US-Dollar gehandelter Reverse Convertible (Valor 33241828). Bei dem auf den Technologieaktien Apple, Facebook und Twitter basierenden Zeichnungsprodukt liegt das Strike-Level mit 60 Prozent noch etwas tiefer. Massgebend für die Diskrepanz zur Franken-Variante sind die Unterschiede im Zinsniveau der beiden Währungsräume und in der Volatilität der Basiswerte. Bei diesem Produkt erfolgt in jedem Fall eine Abwicklung in bar. Sollte wenigstens ein Mitglied des Nasdaq-Trios zum Verfalltermin den Strike unterschreiten, wäre die Rückzahlung an den schwächsten Wert gekoppelt. Wobei auch hier die Rechnung erst ab dem Strike beginnt.

Die beiden Neuemissionen zeigen, dass der Reverse Convertible eine interessante Anlagealternative bietet. Diese und weitere Strukturierte Produkte finden Sie auf: ubs.com/inzeichnung