Rohstoffe im Fahrwasser der Weltkonjunktur

Die Wertentwicklung der verschiedenen Rohstoffsektoren in 2013 war bislang überwiegend ernüchternd. Was sind die Gründe und was muss sich ändern, damit sich das Bild trotz dieses schwachen Jahresstarts aufheitert? So viel vorweg: Viel hängt von China ab.
20.12.2013 15:35
Jérôme Allet, Public Distribution Derivatives Schweiz, UBS

Die meisten Rohstoffe sind äusserst konjunkturabhängig. Wenn die Konjunktur auf Hochtouren läuft, werden Rohstoffe in verstärktem Mass nachgefragt. Fängt der Motor der Weltwirtschaft jedoch zu stottern an, geht die Zusatznachfrage  und manchmal auch die Gesamtnachfrage der globalen Industrie nach Rohstoffen zurück und Preise kommen ins Rutschen. Genau das ist seit Jahresanfang 2013 passiert: Enttäuschende Konjunkturdaten sorgten bei Rohstoffen für gehörigen Preisdruck. Der UBS Bloomberg CMCI Composite TR Index, der die Preisentwicklung von 27 Rohstoffen wiedergibt, verschlechterte sich in den vergangenen rund vier Monaten von knapp 1.350 auf zuletzt 1.241 Punkte ab. (Stand: 05.06.2013)

Sorgen macht Anlegern vor allem Chinas Wirtschaftswachstum. Der von HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für den chinesischen Produktionssektor zum Beispiel rutschte im Mai 2013 auf 49,6 Punkte ab. Werte von unter 50 Zählern signalisieren ein Schrumpfen der Wirtschaft und im Fall von China ein abschwächendes Industriewachstum. Diese Entwicklung wird deswegen so kritisch beäugt, weil Schwellenländer die grössten Abnehmer von Rohstoffen sind. China gilt mittlerweile nicht nur als Musterschüler unter den Schwellenländern, sondern auch als Lokomotive der Weltwirtschaft. Seit 2009 wird die Volksrepublik bei der Welthandelsorganisation WTO als Export-Weltmeister geführt. Derweil hat Europa nach wie vor die Eurokrise zu verdauen und auch die USA sendet gemischte Signale aus.

Allerdings sind die Experten von UBS CIO WM Research guter Dinge, dass sich das Weltkonjunkturbild im zweiten Halbjahr 2013 aufhellen könnte. Bei dieser Einschätzung spielt, wie könnte es anders sein, China eine Schlüsselrolle. Nachdem die Regierung in Peking im vergangenen Jahr darauf abgezielt hat, Überhitzungserscheinungen im Immobiliensektor zu dämpfen, zeigt sie seit einigen Monaten den Willen, die Wirtschaft im Land vermehrt zu unterstützen. Hierzu wurden Ende 2012 grössere Infrastrukturprojekte angeschoben, fiskalpolitische Anreize geschaffen und Urbanisierungsprogramme intensiviert. Auch registrierten die UBS-Analysten wieder eine deutlich verstärkte Aktivität der Fremdfinanzierung in China.

Energiesektor

Die globale Versorgung mit Rohöl ist kurzfristig mehr als gesichert. Stabile Produktionsraten und eine nur leicht steigende Nachfrage können keinen Grund für deutliche Preisanstiege liefern. Abklingende geopolitische Risiken sorgten zudem für eine geringere Risikoprämie, die wiederum für einen tieferen Rohölpreis sorgte. Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einer der globalen Brennpunkte wieder verstärkt aufflammt. So ist eine militärische Intervention in Syrien nicht vollständig ausgeschlossen, ebenso wie striktere Sanktionen gegen den Iran oder eine Verschlechterung der Sicherheitslage in Libyen. Nach Einschätzung von UBS CIO WM Research könnte ein grösserer Produktionsrückgang in den genannten Länder dafür sorgen, dass der Preis der Rohölsorte Brent schnell in Richtung 115 bis 120 US-Dollar je Barrel befördert wird. Die UBS-Experten sehen daher Preise von weniger als 100 US-Dollar je Barrel als mögliche Einstiegsgelegenheit mit einem Zeithorizont von sechs bis zwölf Monaten.

Edelmetalle

Bislang haben sich die Inflationsängste angesichts der Liquiditätsausweitung vieler Notenbanken als unbegründet herausgestellt. Diese Einsicht lässt sich teilweise an der Entwicklung des Goldpreises ablesen. Das gelbe Edelmetall fiel seit Oktober von mehr als 1.750 US-Dollar je Feinunze zuletzt unter die Marke von 1.400 US-Dollar je Feinunze. Nichtsdestotrotz gilt Gold nach wie vor als Krisenwährung. Dank dieses Nimbus in den Schwellenländern kletterte die Nachfrage nach physischem Gold im Anschluss an den beschleunigten Preisverfall: Am 22. April 2013 wurde an der Shanghai Gold Exchange ein rekordhoher Tagesumsatz von 57,5 Tonnen gehandelt. Gemäss UBS-Experten bleibt Gold bei den Edelmetallen aber weiterhin die dritte Wahl hinter Platin und Palladium. Nur Silber sehen die UBS-Experten noch weniger attraktiv.

Agrarrohstoffe

Ungünstige Wetterbedingungen in den USA seit März 2013 sorgten in den vergangenen Wochen für eine Stabilisierung und teilweises Anziehen bei den Getreidepreisen. Kalte Temperaturen und Regen verzögerten den Zeitpunkt für die Aussaat, so dass es für eine üppige Ernte knapp werden könnte in diesem Jahr. Sollten sich die Wetterverhältnisse jedoch normalisieren, könnte es erneut zu einem Preisdruck bei Mais kommen. Ein grösseres Risiko für einen Preisrückgang weisen nach Meinung der UBS-Analysten Sojabohnen auf, der sich vor allem gegen Ende des Jahres materialisieren könnte. Eine Kombination mit rekordhohen Exportvolumina aus Brasilien und mehr Angebot aus Argentinien und den USA könnte sich ein entsprechender Preisabwärtsdruck bei Sojabohnen ergeben. Auch beim Zucker kann nach Ansicht von UBS CIO WM Research ein anhaltender Preisrückgang erwartet werden, da der Angebotsüberhang weiterhin fünf bis sieben Prozent der Nachfrage entspricht. Nur beim Kaffee sollte sich ein besseres Bild ergeben. Grund: Brasilien kündigte an, einen Mindestpreis von 307 Brasilianischen Real je 60 kg-Sack einführen zu wollen. Zudem sind gegenwärtige Preise von einer Produktionskostenperspektive aus nicht nachhaltig.

Industriemetalle

Industriemetalle gehören zu den konjunktursensibelsten Rohstoffen. Sollte China tatsächlich volkswirtschaftlich wieder auf einen zyklischen stärkeren Wachstumspfad einschwenken, dürften industriell genutzte Metalle hiervon besonders profitieren. Aufgrund eines Überangebots liegen die Marktpreise von Industriemetallen aktuell in der Nähe ihrer Produktionskosten oder wo die Altmetallverfügbarkeit deutlich abgenommen hat. UBS CIO WM Research hält es für möglich, dass Chinas Industrieproduktion temporär im zweiten Halbjahr 2013 um 12 Prozent wachsen kann, die US-Wirtschaft moderat zulegen und Europa sich aus der Rezession befreien könnte. In diesem Szenario wäre ein Preisanstieg von 10 bis 15 Prozent möglich. Dabei sind Zink, Blei, Nickel gegenüber Kupfer und Aluminium zu bevorzugen. Die Nachfrage nach Zink und Nickel sollte demnach stärker steigen als das Angebot.

Fazit: Silberstreifen am Horizont?

In den nächsten 1-2 Monaten dürften Rohstoffpreise weiterhin unter Druck bleiben. Trotzdem zeichnen sich mancherorts Silberstreifen am Horizont ab, die bei einer globalen Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte positivere Signale aus dem Rohstoffsektor erwarten lassen. Informationen zu Anlagelösungen finden Sie unter www.ubs.com/cmci.