Smart Beta: Neue Indizes für den ETF-Markt

Aktienindizes auf Smart-Beta-Basis versprechen niedrigere Volatilitäten und höhere Renditen als klassische Indexfonds. Smart Beta gehört im Bereich der Exchange Traded Funds ETF die Zukunft.
20.12.2013 15:36
Roland Fischer, Head of Lyxor ETF Switzerland & Liechtenstein

Aktienschwergewichte
Klassische Aktienindizes wie der Swiss Market Index SMI, S&P Composite Index oder der Dax haben eines gemeinsam: Wenige Aktienschwergewichte beeinflussen den Indexverlauf in grossem Ausmass. Das kann zu Indexschwankungen führen, die dem Verlauf des Gesamtmarktes kaum entsprechen. Ergebnis: Die Indizes haben eine zu hohe Volatilität. Das erhöht in den Portfolios das Risiko.

Chance-Risiko-Profil verbessern
In den USA werden Indexprodukte wie die Exchange Traded Funds ETF stark für die Altersvorsorge eingesetzt. Da stören hohe Kursschwankungen. Deshalb wird dort seit Jahren nach intelligenten Indexkonzepten gesucht, die das Chancen-Risiko-Profil der Portfolios verbessern. Daraus entstanden Indizes aufgrund des Smart-Beta-Ansatzes. Dabei werden Risikoparameter direkt in den Index aufgenommen, zum Beispiel die Volatilität oder die Korrelation zwischen Indexbestandteilen.

Harry M. Markowitz als Ideenlieferant
Die Ideen zu Smart-Beta stammen von Nobelpreiseträger Harry M. Markowitz. Mittels intelligenter Diversifikation werden das Risiko und die Erträge optimiert. Im Portfolio werden Titel mit unterschiedlichen gegenseitigen Abhängigkeiten oder Kursschwankungen kombiniert. Ein Beispiel dafür sind die Minimum-Variance-Indizes. Bei diesen werden aus einer definierten Zahl von Aktien diejenigen berücksichtigt, welche die geringsten Schwankungen aufweisen und damit das geringste Risiko ergeben.

Euro iSTOXX 50 Equal Risk-Index
Die Minimum-Variance-Indizes haben einen Nachteil: Das Risiko wird oft auf nur wenige Einzeltitel verteilt. Das führt zu Klumpenrisiken und einer ungenügenden Abbildung des Marktes. Der Nachteil lässt sich umgehen. Der als Exchange Trade Fund ETF handelbare Euro iSTOXX 50 Equal Risk-Index zum Beispiel spiegelt die Wertentwicklung eines risikogewichteten Euro STOXX-50-Index. Der Index wird durch die Equal-Risk-Contribution-Methode (ERC) optimiert. Dabei wird sowohl die gegenseitige Abhängigkeit der Titel untereinander als auch der Einfluss des Risikobeitrags jedes einzelnen Indexwerts auf das Gesamtportfolio analysiert. Ergebnis: Das Portfolio ist ausgewogener als ein klassischer marktkapitalisierter Index und auch als ein Minimum-Variance-Index. Laut einer Analyse zwischen 1993 und 2011 hat der ERC-Index den „gewöhnlichen“ Euro STOXX 50-Index jährlich um drei Prozentpunkte outperformt. Das gelang mit einem tieferen Risiko: Die Volatilität lag pro Jahr durchschnittlich zwei Prozent tiefer.

MSCI World Risk Weighted Index
Der Weltaktienindex MSCI World umfasst 1600 Titel. Der risikosenkende MSCI World Risk Weighted Index senkt das Gesamtrisiko, indem jede Aktie mit ihrem Kehrwert zu ihrem Risikobetrag gewichtet wird, oder: Je höher die Volatilität einer Aktien, desto niedriger wird sie im Index gewichtet. Grundlage der Volatilitätsberechnung sind die wöchentlichen Aktienrenditen, die über einen Dreijahreszeitraum erhoben werden. Die Anpassung und die Neugewichtung erfolgen zweimal jährlich. Seit 1993 hat der als ETF handelbare MSCI World Risk Weighted Index den klassischen MSCI World Index jährlich um 2,5 Prozentpunkte übertroffen, und zwar bei einer um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Volatilität.