SMI im Branchencheck: Die Finanzkonzerne als Schlüsselsektor

Wer im SMI Geld anlegen möchte, kommt am weltgrössten Nahrungsmittelhersteller Nestlé nicht vorbei. Aber auch andere Konsumwünsche werden von den in diesem Blue-Chip-Index vertretenen Unternehmen befriedigt.
18.06.2014 13:36
Andreas Stocker, Public Distribution Derivatives & ETFs, Commerzbank Zürich

Wir durchleuchten in unserer SMI-Branchenanalyse die Big Player der Schweizer Finanzszene und zeigen ihre aktuellen Entwicklungen auf. Die passenden Anlagelösungen fehlen dabei nicht.

Vom «Lazarus-Effekt» spricht die Wissenschaft, wenn sie Arten entdeckt, die bereits als ausgestorben galten. Übertragen auf die Wirtschaft zeigt sich diese Wiederbelebung vor allem in der Finanzbranche. Denn die Dotcom-Blase zwischen 2000 und 2002 sowie die Finanz- und Schuldenkrise ab 2008 verpassten dem Sektor einen Dolchstoss. Während sich viele Branchen aus dem Tal der Tränen längst wieder herausgearbeitet und sich zu neuen Kurshöhen aufgemacht haben, notieren noch heute viele Finanz-Valoren weit unter den ehemaligen Kursniveaus. Der STOXX Europe 600 Financials steht derzeit nur rund halb so hoch, wie zu den Zeiten kurz vor Ausbruch der Krisen.

Tragendes Element der Gesamtwirtschaft

Doch mit Blick auf die Bedeutung des Sektors, insbesondere hierzulande, wird schnell klar, dass es ohne Banken und Versicherungen nicht geht. Die Geldversorgung würde zusammenbrechen und Schadensfälle eine existenzielle Bedrohung für die Betroffenen darstellen. Der Finanzsektor ist mit seinen Leistungen ein wichtiges und auch tragendes Element der Gesamtwirtschaft. In der Schweiz wird beispielsweise jeder neunte Wertschöpfungsfranken im Finanzsektor erwirtschaftet. Zudem ist mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz innerhalb der Branche zu finden.

Eine Untersuchung der BAK Basel Economics kommt zudem zu dem Ergebnis, dass der Finanzsektor in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Branchen der Schweizer Volkswirtschaft zählte. Der Sektor erzielte in diesem Zeitraum rund 18 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Wachstums und liegt damit hinter dem Gross- und Detailhandel auf Platz 2. Derzeit befinden sich die Banken und Versicherungen mit ihren Umstrukturierungsmassnahmen zwar in einer Übergangsphase, doch könnte die Branche schon bald die Früchte ihrer Anstrengungen ernten. Die Experten von BAK Basel Economics gehen davon aus, dass es mittelfristig zu einer starken Erholung kommen könnte. Den Banken trauen sie ein Wertschöpfungswachstum mit Raten oberhalb des langfristigen Trends zu. So könnte ihr Potenzialwachstumspfad mit rund 2,0 Prozent p.a. dynamischer ausfallen, als derjenige der Gesamtwirtschaft mit 1,7 Prozent p.a. erzielt. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Versicherungen, wobei kurzfristig den Rückversicherern die grösseren Chancen eingeräumt werden, da sie weniger stark unter den niedrigen Zinsen wie beispielsweise die Lebensversicherer leiden.

Der Bedeutung des Finanzsektors in der Schweiz wird auch im SMI Rechnung getragen. Ein Viertel der Mitglieder kommt aus dieser Branche. Zusammen sind Credit Suisse, Julius Bär, Swiss Re, UBS und Zurich Insurance für rund 17 Prozent der Marktkapitalisierung des Index verantwortlich. Schwergewicht ist die UBS mit einem Anteil von mehr als 6 Prozent, die sich damit gleichzeitig auf Rang 4 aller SMI-Angehörigen befindet.

Schweizer Banken-Trio

Credit Suisse, Julius Bär und UBS sind hierzulande die führenden Geldinstitute. Alle drei versuchen auf unterschiedliche Weise, ihr Schicksal nach der Finanzkrise zu bewältigen. Julius Bär hat beispielsweise 2012 mit der Übernahme des ausländischen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America die Flucht nach vorne angetreten. Die vollständige Integration des zugekauften Geschäfts soll in der ersten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen sein und ein Jahr später die Gewinne kräftig sprudeln lassen. Aber auch jetzt schon läuft es auf der Ergebnisseite rund. Das Institut steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr den bereinigten Gewinn um 19 Prozent auf rund 480 Millionen Schweizer Franken. Zur Übernahme von Merrill Lynchs internationaler Vermögensverwaltung (IWM) fand CEO Boris Collardi zudem optimistische Worte. Die Integration habe zu »beeindruckenden Zugewinnen bei Kunden, Vermögen und hochqualifiziertem Personal« geführt. Tatsächlich erhöhte sich das verwaltete Vermögen auch dank der IWM-Eingliederung um 34 Prozent auf 254 Milliarden Franken. In den ersten vier Monaten 2014 setzte sich der positive Trend fort. Das Institut sammelte bei vermögenden Privatkunden mehr neues Geld ein als im Vorjahr. Der Neugeldzufluss lag wieder klar innerhalb des mittelfristigen Ziels von 4 bis 6 Prozent. Als Wachstumsmotor stellten sich die Schwellenländer und Deutschland heraus.

Positiv überraschen konnte jüngst auch die UBS mit einem deutlichen Gewinnanstieg von mehr als 14 Prozent auf 1,05 Milliarden Franken zum Jahresauftakt. Damit übertraf die Grossbank auch klar die Markterwartungen, die von einem leichten Rückgang ausgegangen sind. Das Geschäft ist in allen Regionen und allen Sparten profitabel gewesen. In der Investmentsparte, in der die UBS gemäss ihrer Ende 2011 gefassten Strategie unprofitable und risikoreiche Sparten aussortiert, stieg der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorquartal sogar um knapp die Hälfte auf 425 Millionen Franken. Doch ist nicht alles eitel Sonnenschein. So sind Rechtsstreitigkeiten über mögliche unzulässige Absprachen bei der Festlegung von Wechselkursen weiterhin offen. Konzernchef Sergio Ermotti trat daher auf der Generalversammlung auf die Euphoriebremse: »Wir sind gut aufgestellt, wir tun das Richtige, doch die Altlasten sind noch nicht durchgestanden – sie werden
die Branche und uns noch Zeit und Aufwand kosten.«

Wie teuer Verstösse sein können, zeigte sich jüngst im Steuerstreit der Credit Suisse mit den USA. Mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar muss die zweitgrösste Bank des Landes nach der Einigung mit den US-Behörden auf den Tisch legen – die höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte. Credit Suisse hat für den Steuerstreit bisher nur 892 Millionen Franken beiseitegelegt. Folglich wird die Geldstrafe den Gewinn des zweiten Quartals mit rund 1,6 Milliarden Franken belasten.

Auch operativ läuft es derzeit bei dem Konzern nicht. Wegen schleppender Geschäfte mit Anleihen und Aktien ist der Gewinn im ersten Quartal eingebrochen. Damit zahlt sich die Strategie von Konzernchef Brady Dougan, an einem ausgebauten Investmentbanking festzuhalten, bislang nicht aus. In der Sparte schrumpfte das Ergebnis von Januar bis März um 36 Prozent auf 827 Millionen Franken. Gewöhnlich ist das erste Quartal für Investmentbanken im Jahresverlauf das stärkste, weil besonders viele Anleihen ausgegeben werden und Fonds das Geld ihrer Kunden in Aktien stecken. Trotzdem demonstriert Dougan Zuversicht: »Wir befinden uns auf Kurs, die langfristigen Ziele zu erreichen.«

Eines muss den Anlegern bewusst sein: Die Banken stecken in einem tiefen Umbauprozess, der noch längst nicht abgeschlossen ist. Hinzu kommen Rechtsstreitigkeiten und verschärfte Regulierungsvorschriften, welche die Branche immer wieder durchschütteln. Nach Berechnungen der Schweizer Bankenaufsicht FINMA muss zum Beispiel das systemrelevante Grossbanken-Duo UBS und Credit Suisse seine Eigenkapitalquote bis 2019 nochmals aufstocken.

Gut versichert

Die Versicherungsbranche steht derzeit ebenfalls vor grossen Herausforderungen. Dazu zählt insbesondere das anhaltende Niedrigzinsumfeld. Denn das überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren angelegte Kapital der Versicherungskunden wirft nur wenig Ertrag ab und macht es schwierig, die versprochenen Renditen zu erzielen. Dennoch machen die heimischen Branchengrössen Swiss Re und Zurich Insurance derzeit eine gute Figur. Letztgenannte überzeugte mit einem Anstieg des Quartalsgewinns um knapp ein Fünftel auf 1,27 Milliarden US-Dollar. »Wir können bereits einige erste positive Anzeichen bei der Umsetzung unserer strategischen Ziele für den Zeitraum von 2014 bis 2016 erkennen, wenngleich noch viel zu tun ist«, kommentierte Finanzchef George Quinn die Zahlen. Zurich hatte Ende 2013 ihre mittelfristigen Renditeziele wegen der niedrigen Zinsen zurückgeschraubt und im März Kostensenkungsmassnahmen angekündigt.

Die Erwartungen deutlich übertroffen hat auch Swiss Re. Allerdings reichte es bei dem weltweit zweitgrössten Rückversicherungskonzern aufgrund eines schwachen Lebensrückversicherungsgeschäfts zu keinem Wachstum zum Jahresauftakt. »Wir sind klar auf Kurs, unsere Finanzziele für 2015 zu erreichen, wie auch das Ergebnis der Erneuerungsrunde im April bestätigt«, erklärte Konzernchef Michael Lies. Zwar standen die Preise bei den Vertragserneuerungsrunden dieses Jahr erneut unter Druck, dennoch konnte Swiss Re zu »attraktiven Preisen« etwa gleich viel neues Geschäft zeichnen, wie ausgelaufen war. Die Prämien- und Gebühreneinnahmen legten insgesamt um 11 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu.

Vorteilhafte Produktstruktur

Die Faktenlage bei den heimischen Finanzkonzernen zeigt, dass es an Spannung in der Branche nicht fehlt. Tradingorientierte Anleger können mit Faktor-Zertifikaten effektiv auf steigende oder fallende Kurse der Valoren setzen. Die innovativen Hebelprodukte weisen gleich mehrere Vorzüge gegenüber klassischen Warrants oder Turbo-Scheinen auf. Bei Faktor-Zertifikaten sind keine Knock-Out-Barrieren zu finden, die Volatilität beeinflusst nicht die Preisstellung und zudem bleibt der gewählte Multiplikator immer konstant. Anleger können bei den fünf vorgestellten Finanztiteln – je nach Risikoneigung – zwischen Hebel 3 und 5 frei wählen. In der Wahl des Tradingzeitraums sowie der Handelsstrategie sind sie dabei völlig frei. Darüber hinaus sind Halter von Faktor-Zertifikaten keinem Barriere-Risiko ausgesetzt. Alle Faktor-Zertifikate besitzen eine Open-End-Struktur und sind als Long- und Short-Versionen erhältlich. Aufgrund eines eigens von der Commerzbank berechneten Strategie-Index auf den Basiswert ist diese vorteilhafte Struktur möglich. Dafür wird dem Anleger lediglich eine jährliche Gebühr von 0,7 Prozent berechnet. Diese wird anteilsmässig täglich in der Preisstellung berücksichtigt.

 

 

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