SMI-Methodologie: Der Leitindex bekommt ein neues Gesicht

In wenigen Wochen beginnt an der SIX Swiss Exchange eine neue Zeitrechnung. Am 18. September tritt eine weitreichende Veränderung der Indexreglemente in Kraft. Von diesem Tag an erhält der Swiss Market Index (SMI) eine Kappung.
28.08.2017 14:20
Simon Przibylla, Director Public Solutions, Leonteq Securities AG

Das heisst, die Gewichtung der grössten SMI-Mitglieder wird auf 18% begrenzt. Allerdings setzt die SIX die Reform nicht per sofort vollumfänglich um. Vielmehr gelten Übergangsregelungen – der Anteil der Schwergewichte wird nach und nach reduziert. Mit der überarbeiteten Methodologie legt die SIX Hand an der stark einseitigen Ausrichtung des wichtigsten Börsenbarometers der Schweiz an. Auf diese Weise sorgt sie dafür, dass der Index in Zukunft im Einklang mit den Diversifizierungsgrenzen der ESMA-UCITS-Richtlinie steht. Dadurch kann er auch in der Europäischen Union als Referenzindex für den Schweizer Aktienmarkt genutzt werden und dürfte dadurch auf grosses Interesse von eben solchen UCITS Funds stossen. Insbesondere auch bei passiven ETF-Strategien könnte der neue SMI im Anlageuniversum eine gewichtigere Rolle spielen.

Produktanbieter haben die Wahl

Der Anstoss für die Reform kam aus der Finanzindustrie. Nach eigenen Angaben hat die SIX Swiss Exchange eine Marktkonsultation zum Indexregelwerk durchgeführt. «Insbesondere Emittenten von Finanzprodukten und Nutzer von Indexderivaten regten einen Wechsel der Methodologie des SMI an, bei der das Gewicht der grossen Titel gekappt wird», schreibt die Börse in einer am 4. Mai 2017 publizierten Medienmitteilung. Der eine oder andere Finanzdienstleister möchte auch in Zukunft an der bisherigen Konzeption festhalten. Aus diesem Grund wird die SIX parallel zur Regeländerung einen neuen Index lancieren. Er soll in puncto Zusammensetzung dem SMI entsprechen, ohne dass dabei eine Kappung erfolgt. Insofern haben die Anbieter von strukturierten Produkten und Exchange Traded Funds in Zukunft die Wahl zwischen dem traditionellen Modell und der an die internationalen Gegebenheiten angepassten Indexzusammenstellung. Je nachdem, wofür sich die verschiedenen Emittenten entscheiden, könnte es zu mehr oder weniger grossen Umschichtungen bei den heimischen Large Caps kommen. Hier geht es direkt zu Anlagelösungen passend zum Thema «SMI-Methodologie: Der Leitindex bekommt ein neues Gesicht».

Im Schatten der Indexkolosse

Fest steht, dass der SMI in seiner bisherigen Form stark von den drei Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche abhängt. Das Trio steuert zusammen annähernd 60% zum Leitindex bei. Insofern lässt sich ein gewisses Klumpenrisiko nur schwer von der Hand weisen – zumal es sich bei diesen Aktien um traditionell defensive Titel mit stabilen Ergebnissen und attraktiven Ausschüttungen handelt. Das heisst, Nestlé, Novartis und Roche sind vor allem in unsicheren Börsenzeiten gefragt. Dieser Umstand brachte dem SMI zwar im internationalen Kontext den Ruf als substanzstarke Benchmark ein. Allein aus Diversifikationserwägungen heraus ist eine derart einseitige Ausrichtung dennoch nicht optimal, zumal der heimische Leitindex eine Reihe von international erfolgreichen Unternehmen enthält. Beispiel Sika: Der Bauchemiekonzern schreibt seit Jahren eine imposante Wachstumsstory und läuft dem SMI daher davon. Aufgrund der tiefen Gewichtung von 1.46% schlägt die starke Performance kaum auf den Index durch.

Schrittweise Umsetzung

Natürlich wird Sika auch unter dem neuen Reglement nicht zu den Indexschwergewichten zählen. Ein etwas grösserer Anteil ist jedoch durchaus möglich. Zunächst steht die Übergangsphase an. Die SIX wird die Gewichtung der Schwergewichte – aus heutiger Sicht wären Nestlé und Novartis betroffen – pro Quartal um 3% reduzieren, bis der maximal mögliche Anteil von 18% erreicht ist. Anschliessend erfolgt die Kappung, falls erforderlich, jeweils zum vierteljährlichen Indexreview, wobei die SIX auch zwischen den regulären Überprüfungsterminen aktiv werden kann. Sobald zwei Titel im Index das Gewicht von 20% übersteigen, erfolgt eine Kürzung auf die 18%-Grenze. Fazit: Sowohl am Schweizer Aktienmarkt als auch im Handel mit passiven Indexprodukten steht eine spannende Phase an. Die Umsetzung der neuen Kappungsregel beim wichtigsten Börsengradmesser des Landes könnte auf beiden Seiten zu Verschiebungen führen. Ein sprichwörtlicher «frischer Wind» käme für den SMI gerade recht: Seit Monaten mühen sich die 20 Large Caps vergeblich, die runde 9'000 Punkte-Marke zu überwinden.

SMI: Aktuelle Gewichtung

In dieser Grafik kommt die Dominanz von Nestlé, Novartis und Roche deutlich zum Ausdruck. Das Trio steuert zusammen annähernd 60% zum SMI bei.


Leonteq, 22.08.2017

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