Weihnachtsaktien: Rendite auf dem Gabentisch

Der altbewährte Investmentansatz »Aktien kaufen und liegen lassen« führt in der gegenwärtigen Zeit nicht unbedingt zum gewünschten Anlageerfolg. Die Börsen zeigen sich angesichts zahlreicher Unsicherheiten eher launisch.
15.12.2016 10:32
Andreas Stocker, Derivatives & ETFs Public Distributions, Commerzbank

Insofern könnten diese Unternehmen in den kommenden Wochen auch an der Börse in den Fokus rücken. Wir stellen mehrere namhafte »Weihnachtsaktien« vor. Genau einen Monat vor Heiligabend läutet Zürich in diesem Jahr die Adventszeit ein. Am 24. November beginnt im Niederdorf der älteste Weihnachtsmarkt der Stadt. Gleichzeitig öffnet das »Wienachtsdorf« am Bellevue seine Pforten. Doch damit nicht genug: Im Hauptbahnhof können die »Xmas-Fans« ihre Vorfreude auf einem der grössten Indoor-Weihnachtsmärkte Europas ausleben. Neben 150 Ständen wartet dort ein 15 Meter hoher Baum auf die Besucher, welchen 7.000 Swarovski-Kristalle hell erleuchten lassen.

Wenn an der Limmat und in der gesamten Schweiz die beliebten Christkindlimärkte starten, hat so mancher Verbraucher seine Geschenke bereits besorgt. Das zeigt eine im Oktober 2015 im Auftrag des Beratungsunternehmens EY durchgeführte repräsentative Befragung. Demnach kaufen immerhin 41 Prozent der Konsumenten in der Schweiz ihre Geschenke bereits im Oktober und November. Drei Wochen vor dem Fest haben knapp 80 Prozent der Befragten die Anschaffung sämtlicher Präsente abgeschlossen. Nur etwas mehr als jeder Fünfte lässt sich bis zum berüchtigten Endspurt in Richtung der Festtage Zeit.

Gutscheine gehen immer
Aus der interessanten EY-Studie »Weihnachtsgeschenke 2015 – Schweiz« geht zudem hervor, wie viel sich die Schweizer die Beglückung ihrer Liebsten kosten lassen und welchen Produkten sie dabei den Vorzug geben. Demnach lag das durchschnittliche Budget für Weihnachtsgeschenke 2015 bei 275 Schweizer Franken. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2010 machten die heimischen Konsumenten im Schnitt 301 Schweizer Franken locker. Sonderlich einfallsreich sind sie dabei häufig nicht. Laut EY fliessen von der genannten Summe 51 Schweizer Franken in Gutscheine respektive Geldgeschenke. Auf Platz zwei der beliebtesten Präsente rangieren Bücher. Ganz klassisch liegen zudem Kleidung, Spielwaren sowie Lebensmittel/Süsswaren besonders häufig unter dem Weihnachtsbaum.

Grafik 1 zeigt, dass neben dem Detailhandel zahlreichen weiteren Wirtschaftszweigen eine besonders wichtige Phase ins Haus steht. Vor Weihnachten erzielen diese Unternehmen mitunter signifikante Umsatzanteile. Entsprechend könnten ihre Aktien auf der Zielgeraden des Börsenjahres in den Fokus rücken. Allein an der SIX tummelt sich eine Vielzahl von Gesellschaften mit einem direkten Bezug zum Weihnachtsgeschäft. Mit am besten passt Lindt & Sprüngli in dieses Auswahlmuster. Zwar gibt der Schoggi-Riese keine Details bekannt. Die semesterweise Umsatzaufteilung lässt jedoch erahnen, wie sehr der Konzern vom vorweihnachtlichen Kaufrausch abhängig ist. 2015 erzielte das Unternehmen mehr als 60 Prozent seiner Erlöse im zweiten Halbjahr.

Grafik 1: Was auf dem Gabentisch landet

Ausgaben der Schweizer Verbraucher für Weihnachtsgeschenke

Stand: November 2015; Quelle: EY, »Weihnachtsgeschenke 2015 – Schweiz«

Lindt & Sprüngli: Schoggi für die Welt
Lindt & Sprüngli buhlt mit einer Vielzahl an speziellen Produkten um die Konsumenten. Das Angebot reicht vom klassischen Schoggi-Weihnachtsmann über mit verschiedenen Leckereien bestückte Adventskalender bis zu edlen Pralinés. Mit dieser Palette reüssiert der Konzern nicht nur auf dem Heimatmarkt. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in Deutschland Marktführer auf dem Gebiet weihnachtlicher Schokoladen- und Pralinen-Geschenkboxen. In New York nahmen die Maîtres Chocolatiers schon mehrmals mit einem eigenen Wagen an der Macy’s Parade teil. Dieser Anlass läutet in der US-Metropole traditionell die Weihnachtszeit ein und erreicht vor Ort sowie an den Fernsehschirmen ein Millionenpublikum.

Kurz bevor der Konzern 2016 in die wichtigste Phase des Geschäftsjahres startet, kam es zu einem Führungswechsel. Zum 1. Oktober gab Ernst Tanner den Posten als CEO ab. Er konzentriert sich seither auf die Aufgabe als exekutiver Verwaltungsratspräsident. Den Chefsessel übernahm Dieter Weisskopf. Der bisherige CFO kennt Lindt & Sprüngli bestens, er ist bereits seit 1995 für das Traditionshaus tätig. Weisskopf tritt dennoch kein leichtes Erbe an. Allein in den vergangenen fünf Jahren steigerte das Unternehmen den Umsatz um knapp die Hälfte. Gleichzeitig dehnte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) überproportional um 57 Prozent aus. An der Börse ging diese operative Erfolgsstory mit einer immensen Kursrallye einher. Auf Sicht von fünf Jahren steht für den Partizipationsschein ein Plus von 94 Prozent zu Buche. Zuletzt stockte der Höhenflug allerdings etwas (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Süsse Versuchung aus dem SMIM – Lindt & Sprüngli AG

Stand: 24. Oktober 2016; Quelle: Reuters; Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Um die Investoren wieder auf den Geschmack zu bringen, dürfte Weisskopf die Expansion forcieren. Bereits bei seinem Vorgänger spielte dabei der Ausbau des internationalen Ladengeschäfts eine zentrale Rolle. Allein im vergangenen Jahr eröffnete der Konzern rund um den Globus 50 neue Shops und verfügte damit Ende 2015 über insgesamt 325 Läden. Das Ziel ist klar: Bis 2020 möchte Lindt & Sprüngli zum weltweit grössten Einzelhändler von Premium-Schokolade aufsteigen.

Logitech: Stark im Retailgeschäft
Ehrgeizige Pläne verfolgt auch Logitech. Ende Juli schraubte CEO Bracken Darrell die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Fiskaljahr 2017 (per 31. März) nach oben. Gleichzeitig präsentierte der Konzernlenker überzeugende Quartalszahlen. Aufhorchen liess vor allem der Retailbereich. Hier legten die Umsätze von April bis Juni 2016 wechselkursbereinigt um 13 Prozent zu – das stärkste Wachstum seit mehr als fünf Jahren. »Unsere Strategie greift«, kommentierte Darrell das jüngste Zahlenwerk.

Punkten kann Logitech beim Verbraucher vor allem mit innovativen Techprodukten. Beispielsweise steigerte der Konzern den Umsatz im Bereich mobile Lautsprecher im ersten Quartal um 41 Prozent. Dieses Geschäftsfeld wurde kürzlich mit einer Übernahme gestärkt. Im April kaufte das Unternehmen Jaybird, einen Spezialisten für sogenannte Wireless Audio Wearables. Mitte September schlug das Management erneut zu. Für 13 Millionen US-Dollar in bar akquirierte Logitech die Marke Saitek vom US-Spielhersteller Mad Catz Interactive. Damit sicherten sich die Waadtländer auch eine Produktionslinie mit Zubehör für Luft- und Raumfahrtsimulationsspiele.

Für Technikfreaks hat Logitech im anstehenden Weihnachtsgeschäft von der klassischen PC-Maus und PC-Tastatur über den Bluetooth-Lautsprecher bis zum Gaming-Controller also einiges zu bieten. Bei den Aktionären herrscht ohnehin Festtagsstimmung. Im bisherigen Jahresverlauf verteuerte sich der Mid Cap um knapp 40 Prozent und brach damit nach oben aus einer zähen Seitwärtsbewegung aus (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Logitech – Aktionäre in Festtagsstimmung

Stand : 24. Oktober 2016; Quelle: Reuters; Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Richemont/Swatch: Neuer Mut im Luxussektor
Dagegen dürfte sich die Vorfreude bei den Anteilseignern der heimischen Luxusgüterkonzerne in Grenzen halten. Sowohl Richemont als auch Swatch mussten 2016 bis dato Federn lassen. Immerhin machte das SMI-Duo zuletzt etwas Boden gut. Gegenüber ihren zwischenzeitlichen Tiefstständen legten beide Aktien um annähernd ein Viertel zu. Hoffnung schürte unter anderem Swatch-CEO Nick Hayek. In einem Interview mit der »Handelszeitung« gab er sich zuversichtlich für den wichtigen Markt China. »Seit Juli sehen wir wieder Wachstum, jeden Monat etwas mehr«, erklärte der Top-Manager. Zudem würde dem Uhrenhersteller in Grossbritannien das schwache Pfund in die Hände spielen. »Blancpain, Omega, Longines, Tissot, auch Swatch verkaufen massiv mehr«, sagte Hayek.

Schon zuvor hatte LVMH für Optimismus in dem nicht zuletzt durch die latente Terrorgefahr gebeutelten Sektor gesorgt. Der Luxusgüterkonzern meldete für das dritte Quartal ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 9,14 Milliarden Euro. Analysten hatten den Franzosen lediglich 8,91 Milliarden Euro zugetraut. Vor allem kauffreudige Chinesen und Amerikaner griffen zu bekannten Marken des Konzerns wie Louis Vuitton, TAG Heuer oder Moët & Chandon. Bekanntlich sind Taschen, Uhren und Spirituosen weltweit auf den Gabentischen zu finden. Insofern überrascht es nicht, dass LVMH knapp 30 Prozent seiner Umsätze im Weihnachtsquartal erwirtschaftet.

Apple: Neues iPhone sorgt für Schwung
Bei Apple fällt die »Xmas-Quote« noch einen Tick höher aus. Im Geschäftsjahr 2015 (per Ende September) fuhr der Technologieriese 31 Prozent der Gesamterlöse in den Monaten Oktober bis Dezember ein. Zuletzt brachen die Kalifornier dabei sämtliche Rekorde. Im ersten Quartal der Periode 2016 lag der Umsatz bei knapp 76 Milliarden US-Dollar. Davon blieben mehr als 18 Milliarden US-Dollar als Überschuss übrig. Gefragt ist in der Weihnachtszeit vor allem das iPhone. Von Oktober bis Dezember 2015 verkaufte Apple weltweit mehr als 75 Millionen Stück.

Allerdings zeigt das Geschäft eine gewisse Sättigung. Für die ersten drei Quartale des gerade zu Ende gegangenen Fiskaljahres meldeten die Kalifornier einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang. Die Apple-Aktie machte zuletzt dennoch Boden gut (siehe Grafik 4). Zum einen scheinen die Investoren immer besser mit der neuen Realität des Branchengiganten zurechtzukommen. Zumal das Unternehmen nach wie vor prächtig verdient und auf einem gigantischen Geldberg sitzt. Darüber hinaus sorgt im diesjährigen Weihnachtsgeschäft das neue iPhone für Rückenwind. Vor kurzem präsentierte Apple die siebte Generation des Verkaufsschlagers. Beim Absatz des Edelgeräts könnte der Konzern zusätzlich von den Problemen beim Erzrivalen Samsung profitieren. Anfang September mussten die Südkoreaner den Verkauf ihres neuen Flaggschiffs Galaxy Note 7 wegen Akku-Problemen stoppen.

Grafik 4: Branchengigant Apple mit neuem Schwung

Stand: 24. Oktober 2016; Quelle: Reuters; Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

In der Vorweihnachtszeit 2016 könnte der Andrang in den Apple Stores vor allem auf dem Heimatmarkt besonders gross sein. Schliesslich läuft die US-Wirtschaft, der Arbeitsmarkt brummt und das Verbrauchervertrauen ist positiv. Entsprechend optimistisch gibt sich der US-Einzelhandelsverband. Er erwartet bei den klassischen Detailhändlern einen Anstieg der Umsätze im wichtigen Weihnachtsgeschäft um 3,6 Prozent. Für das Online-Segment sagt der Verband sogar eine Steigerung von 7 bis 10 Prozent voraus.

Amazon: Weihnachten kann kommen
Ein weiteres Argument für einen vorweihnachtlichen Shopping-Boom in den Staaten liefert Amazon: Der Internethändler kündigte an, für das US-Weihnachtsgeschäft 120.000 Saisonarbeiter und damit ein Fünftel mehr als im vergangenen Jahr anzustellen. Schon jetzt wächst der Konzern kräftig: Von Herbst 2015 bis Mitte 2016 verbuchte Amazon drei Quartale in Folge einen Rekordgewinn. Erfolgreich ist das Unternehmen vor allem im US-Handelsgeschäft, wo es mit seinem Prime-Service punktet. Nutzer dieses Angebots haben Zugriff auf Musik- und Video-Streaming und erhalten einen kostenfreien Versand. Hochprofitabel arbeitet zudem die Cloud-Sparte. Hier bietet der Nasdaq-Konzern Rechenleistung aus dem Netz an.

 

Übrigens: Einen Tag nach dem Auftakt der Zürcher Weihnachtsmärkte fällt im US-Konsumsektor der Startschuss für die wichtigste Phase des Jahres. Am 25. November, dem »Black Friday«, locken die Detailhändler ihre Kunden mit umfangreichen Schnäppchenangeboten. Analysten und Investoren warten gespannt auf den Brückentag nach Thanksgiving. Gibt er doch wichtige Indikationen, wie es um die Kauflust und damit auch die Aussichten der Weihnachtsaktien bestellt ist.