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Wer verdient Geld mit Covid-19-Impfstoffen?

Die Covid-19-Impfstoffe sind eine grosse Erfolgsgeschichte. Dies spiegelt sich jedoch nicht unbedingt in den Aktienkursen der Unternehmen wider. John Bowler, Spezialist für Investitionen in das Gesundheitswesen, gibt eine Erklärung.
20.05.2021 17:00
John Bowler, Fondsmanager Gesundheitssektor, Schroders

Die Verteilung von Covid-19-Impfstoffen nimmt weltweit Fahrt auf. US-Präsident Joe Biden hat im vergangenen Monat ein neues Ziel von 200 Millionen Impfdosen festgelegt, die in seinen ersten 100 Tagen im Amt verabreicht werden sollen. Das ursprüngliche Ziel von 100 Millionen wurde vor seinem sechzigsten Tag im Amt erreicht.

Die Geschwindigkeit, mit der Arzneimittelhersteller Impfstoffe entwickeln, klinische Studien durchführen und die Impfstoffe in grossen Mengen auf den Markt bringen konnten, ist ein Beweis für den Einfallsreichtum und die Innovation in der Pharma- und Biotechnologiebranche.

Es zeigt, was erreicht werden kann, wenn alle Akteure – Regierungen und Unternehmen – zusammenarbeiten.

Begrenzter Auftrieb für Aktienkurse

Anleger wollen aber wissen, ob die Impfstoffe den Unternehmen, die sie entwickelt haben, und ihren Aktionären Geld einbringen werden. Bisher hat sich der aus Sicht der öffentlichen Gesundheit herausragende Erfolg der Impfstoffe nicht in der Kursentwicklung der beteiligten Unternehmen niedergeschlagen.

Die folgende Grafik zeigt einen Kursanstieg für Moderna im Anschluss an die Ankündigung seines Impfstoffs im November. BioNTech verzeichnete einen ähnlichen Anstieg, wobei die Aktien seines Impfstoffpartners Pfizer geringere Gewinne erzielten. Die Aktien von AstraZeneca haben hingegen in den vergangenen sechs Monaten an Wert verloren.

Versorgungsprobleme und Bedenken hinsichtlich möglicher Blutgerinnsel könnten diese Kursbewegungen (neben Faktoren, die nicht mit den Impfstoffen zusammenhängen) beeinflusst haben.

Einige der Unterschiede bei der Kursentwicklung der vier Unternehmen lassen sich jedoch zum Teil auf die Technologie zurückführen, die hinter den Impfstoffen steckt.

BioNTech und Moderna sind Biotech-Spezialisten. Der Erfolg ihrer Impfstoffe hat die Investitionen dieser Unternehmen in die neuartige mRNA-Technologie gerechtfertigt. Wie wertvoll diese Technologie ist, die den genetischen Code des Virus verwendet, zeigt sich in der Geschwindigkeit, mit der die Covid-19-Impfstoffkandidaten hergestellt wurden. Die mRNA-Technologie wird neben Covid-19 noch viele andere Anwendungen haben.

Eine Interpretation ist daher, dass die Kursgewinne von Moderna und BioNTech eher das zukünftige Potenzial der mRNA-Technologie widerspiegeln als die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs.

Eine weitere Überlegung ist, dass für die Unternehmen, die für die Impfstoffe verantwortlich sind, das Gemeinwohl und nicht der Profit im Vordergrund steht. 

Gemeinwohl vor Gewinnen

Als Anleger müssen wir zwischen Unternehmen, die Impfstoffe entwickeln, und solchen, die Teil der Lieferkette für die Impfstoffproduktion sind, unterscheiden.

Die Entwickler – wie Pfizer, Moderna und AstraZeneca – sehen diese erste Phase des Impfprozesses weitgehend als einen Akt zum Wohle der Allgemeinheit. Es ist Teil des gesellschaftlichen Vertrages, den diese Unternehmen haben: Sie wollen zeigen, wie wertvoll Biotech für die Gesellschaft sein kann und demonstrieren, wie sie ihre Expertise bei einer Gesundheitskrise einsetzen können.

AstraZeneca ist das beste Beispiel, da das Unternehmen seinen Impfstoff explizit auf gemeinnütziger Basis herstellt. Aber auch Pfizer/BioNTech und Moderna verlangen keine echten Handelspreise für ihre Impfstoffe und erzielen daher in dieser ersten Welle keine wesentlichen Gewinne.

Dies steht im Gegensatz zu den an der Impfstoffproduktion beteiligten Unternehmen. Sie beteiligen sich auf einer viel kommerzielleren Ebene und verlangen entsprechende Preise für ihre Produkte (Glasfläschchen usw.). Sie werden somit von dieser aktuellen Phase der Impfstoffeinführung finanziell profitieren.

Pfizer und BioNTech berechnen für ihren Zwei-Dosen-Impfstoff in den USA ca. 39 US-Dollar. AstraZeneca berechnet für seinen Zwei-Dosen-Impfstoff 4,30 bis 10 US-Dollar.

Impfstoffentwickler haben ausserdem zugestimmt, COVAX Dosen zu einem nicht gewinnorientierten Preis zur Verfügung zu stellen. COVAX ist eine globale Initiative, die sicherstellt, dass Länder mit niedrigem Einkommen Zugang zu Covid-19-Impfstoffen haben. Pfizer und BioNTech haben COVAX beispielsweise 40 Millionen Dosen in diesem Jahr versprochen, während AstraZeneca mindestens 170 Millionen Dosen bereitstellen wird.

Mehr Gewinne in der nächsten Phase

Es ist unwahrscheinlich, dass die derzeitige Kohorte verfügbarer Impfstoffe die letzte ist. Neue Covid-19-Varianten sind aufgetaucht, und die Wirksamkeit aktueller Impfstoffe muss für sie getestet werden.

In Zukunft könnten weitere Varianten auftreten. Wenn ein grösserer Teil der Weltbevölkerung geimpft wird, könnte das Virus zur Mutation gezwungen werden, um sich weiter auszubreiten. Dies könnte zu einer neuen Phase bei der Herstellung und der Verteilung von Impfstoffen führen.

Klinische Studien mit Covid-19-Impfstoffen der nächsten Generation, die gegen neue Varianten wirksam sein könnten, werden bereits begonnen.

Letztendlich könnte es sein, dass die Covid-19-Impfstoffe in das bestehende Impfprogramm für die Wintersaison integriert werden. Es ist durchaus möglich, dass ein kombinierter Grippe-/Covid-19-Impfstoff als Einmaldosis verfügbar wird. Unternehmen arbeiten bereits daran.

In dieser nächsten Phase werden Entwickler wie Pfizer/BioNTech und AstraZeneca – wie die Hersteller von Grippeimpfstoffen – über den kommerziellen Wert dieser Impfstoffe nachdenken, um langfristigen Wert zu generieren. Auch die Unternehmen in der Lieferkette werden weiterhin vom Impfprozess profitieren.

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