Wie sich die Autobranche digital neu erfindet

Ein- und Ausparkassistenten, automatische Distanzregler, Blind-Spot-Sensoren und mehr. Wer möchte beim Autofahren auf all dies verzichten? Die digitale Revolution hat längst das Auto ergriffen – und Zulieferer beflügelt.
28.03.2017 10:39
Eric Blattmann, Leiter Public Distribution Financial Products Zürich, Bank Vontobel AG

Wie es zur Autovernetzung kam

Den Grundstein legte Mercedes 1978 mit seinem S-Klasse-Typ W116, der das erste elektronische Fahrsicherheitssystem ABS enthielt. Etwa gleichzeitig wurde der erste Bordcomputer entwickelt. In den Achtzigerjahren folgte die digitale Motorsteuerung. Meilensteine der Neunziger waren das Navigationssystem, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP und der Abstandsregeltempomat. Integrierte Multimedia-Systeme sind zum Standard geworden und bilden die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Der Begriff «Connected Cars» hat sich durch die fortschreitende Digitalisierung zum Schlagwort entwickelt. Vernetzte Autos verfügen über Systeme, dich sich fahrzeugintern untereinander und extern mit dem Internet verbinden.

Indexkonzept Solactive Smart Cars Performance-Index

«Connected Hardware»

Darunter fallen alle ins Auto integrierten Teleinformations-Systeme, die die externe Vernetzung sowie die Steuerung der Info-Dienste ermöglichen. Ebenfalls in das Segment fällt das E-Call-Notrufsystem. Entsprechend hoch ist die Ertragsstärke, die sich im Jahr 2016 auf eine geschätzte Summe von weltweit 15 Milliarden US-Dollar belief. Laut dem Statista Digital Market Outlook dürfte mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 37 % und 2021 mit einer globalen Ertragssumme von etwa 73 Milliarden US-Dollar zu rechnen sein.

«Infotainment Services»

Der Fahrerunterhaltung wird die Vernetzung zu Streaming-Diensten oder das Navigationssystem zugeschrieben. Dank der Möglichkeit zur Anbindung an das Internet führt das moderne Navigationssystem jedoch nicht nur von A nach B. In Echtzeit werden auch neue Informationen eingerechnet, Alternativrouten gewählt oder mithilfe von TripAdvisor das am besten bewertete Restaurant in der Nähe angesteuert. Eine weitere wichtige Komponente des Bereichs sind Komfort-Leistungen. Dazu zählt beispielsweise die Sprachsteuerung, die es erlaubt, während der Fahrt E-Mails zu diktieren. Im Jahr 2016 erwirtschafteten «Infotainment Services» laut dem Statista Digital Market Outlook etwa 1.1 Milliarden US-Dollar weltweit und für das Jahr 2021 wird dank jährlicher Wachstumsraten von etwa 50 % ein Umsatz von rund 8 Milliarden US-Dollar erwartet.

Auch Sicherheitsaspekte, Wartungsdienstleistungen und die Fehlerdiagnose wurden durch die Digitalisierung revolutioniert und werden es noch. Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie profitabel das Engagement im aufstrebenden Bereich «Connected Cars» sein kann, ist das Unternehmen STMicroelectronics, ein europäischer Halbleiterhersteller. Einer seiner grössten Investitions- und Wachstumsbereiche ist «Smart Driving»; hier werden Chips und Sensoren für die Automobilindustrie produziert. Bereits zum dritten Mal in Folge konnte das Unternehmen gemäss seiner Veröffentlichung der Ergebnisse des vierten Quartals 2016 zweistellige Umsatzwachstumszahlen ausweisen und mit höheren Gewinnen als erwartet überraschen. Auch für 2017 wird mit einem signifikanten Umsatzwachstum gerechnet.

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