Kolumne

Den inneren Schweinehund überlisten

Wieder nichts mit den guten Vorsätzen? Mit ein paar einfachen Tricks lässt sich der innere Schweinehund überlisten. Mindestens vorübergehend.
18.01.2016 01:00
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Den inneren Schweinehund überlisten
Bild: ZVG

Hatten Sie sich vorgenommen, im neuen Jahr vieles besser zu machen: öfters an die frische Luft zu gehen, weniger zu essen, mehr Sport zu treiben, nicht mehr zu rauchen oder die Hausarbeit nicht mehr so lange liegen zu lassen? Konnten Sie Ihre guten Vorsätze realisieren? Falls ja, gratuliere ich Ihnen herzlich! Falls nicht sollten Sie versuchen, mit Hilfe so genannter Verlockungsbündel ihren inneren Schweinehund zu überlisten.

Machen Sie hierfür zunächst eine Liste mit zwei Spalten. In die linke Spalte tragen Sie alle Aktivitäten ein, die Ihnen unmittelbar Freude und Spass bereiten, d.h. also alles, was Sie gerne tun wollen. In die rechte Spalte schreiben Sie bitte alle Aktivitäten, die Sie tun sollen, aber oft deshalb nicht ausführen, weil Sie Ihren inneren Schweinehund nicht überwinden können.

Die Aktivitäten in der Wollen-Liste sind Verlockungen. Diese Aktivitäten machen Sie kurzfristig glücklich, haben aber langfristig teilwiese negative Auswirkungen. Wenn Sie beispielsweise gerne Alkohol trinken oder Fast Food essen, haben Sie kurzfristig Spass, langfristig kann dies jedoch ihre Gesundheit gefährden, wenn Sie diesen Verlockungen zu häufig nachgeben.

Bei den Sollen-Aktivitäten ist es genau umgekehrt. Sie verursachen unmittelbare Kosten, bringen Ihnen dafür aber einen langfristigen Nutzen. Beispiele hierfür sind Hausaufgaben machen, zur Dentalhygiene gehen oder fasten.

Verlockungsbündel schnüren

Als nächstes bündeln Sie jeweils eine Sollen- mit einer Wollen-Aktivität. Damit machen Sie die Sollen-Aktivitäten verlockender. Wenn Sie beispielsweise erreichen möchten, öfter spazieren zu gehen (sollen), dieser Vorsatz aber häufig daran scheitert, dass Sie nach einem anstrengenden Tag bevorzugen, sich aufs Sofa zu legen und Ihre Lieblingsmusik zu hören (wollen), bündeln Sie einfach Spazierengehen und Lieblingsmusikhören zu einem solchen Verlockungsbündel. Das bedeutet, Sie dürfen Ihre Lieblingsmusik nur beim Spazierengehen mit einem Kopfhörer hören. Jetzt fällt es Ihnen sicherlich leichter, öfter spazieren zu gehen, da Sie nun nicht nur in der Zukunft durch eine bessere Gesundheit, sondern bereits in der Gegenwart durch das Hören Ihrer Lieblingsmusik belohnt werden.

Katerine L. Milkman und Kevin G.M. Volpp von der Universität Pennsylvania sowie Julia A. Minson von der Harvard Universität haben die Wirkungen solcher Verlockungsbündel in einer Studie empirisch untersucht, die 2014 in der Fachzeitschrift Management Science erschienen ist. Dabei konnten sie feststellen, dass Personen, die ihre Lieblingshörbücher nur im Fitnessstudio hörten, bis zu 51 Prozent häufiger ins Fitnessstudio gingen, als Personen, die kein entsprechendes Verlockungsbündel machten.

Mit derartigen Verlockungsbündeln erreichen Sie letztendlich sogar zwei Ziele gleichzeitig. Erstens erhöhen Sie die Anreize, Sollen-Aktivitäten auszuführen, die Ihnen einen langfristigen Nutzen bringen. Zweitens schränken Sie die Zeit ein, die Sie für Wollen-Aktivitäten aufbringen können, da Sie beispielsweise nur während Sie Hausaufgaben machen Schoggi essen dürfen. Damit können Sie sicherstellen, dass Sie Ihren Schoggikonsum nicht übertreiben.

Leider haben die Forscher auch herausgefunden, dass die positiven Wirkungen derartiger Verlockungsbündel im Zeitverlauf rasch abnehmen. Offenbar wird auch der innere Schweinehund immer schlauer und es wird immer schwieriger ihn zu überlisten.

Prof. Helmut Dietl

Helmut Dietl ist ordentlicher Professor für Services & Operations Management am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich.