Kolumne

Die jüngste Schweizer Realsatire

Stritti legt die neue 50-Franken-Note für eine Viertelstunde in ein Glas etwa 20 Grad warmen Wassers. Er kommt dabei zu erhellenden Erkenntnissen.
25.04.2016 10:43
Hermann Strittmatter, VR-Präsident GGK Zürich
Die jüngste Schweizer Realsatire
Bild: ZVG

Kaum hatten wir uns an die bisherige, grüne 50-Franken-Banknote mit der schelmischen Dame und ihrem herzigen Käppchen gewöhnt, hat uns die Nationalbank nach nur 9 bis 11 Jahren Planung plötzlich eine neue 50-Franken–Banknote beschert.

Sie kostet leider nach wie vor 50 Franken, sieht bunt und fröhlich aus, wie aus einer Botanisierbüchse gepellt, und ist mit einigen originellen Details ausgestattet, wie man erfährt.

Sehr originell sei zum Beispiel die Möglichkeit, mit einem nassen Fingernagel ganze Wörter abzukratzen. Nicht minder kreativ sei der Einfall, bei längsseitigem Falten das dreischichtige Plastik-Kunstwerk aufbrechen zu können. Inspirierend auch das Angebot, die Note mit feuchtem Finger anzureiben und so gewissermassen als Farbpalette verwenden zu können.

Bei einem Selbstversuch, der sich bald als Recherche unter Lebensgefahr erwies, kann ich diese Vermutungen bei dem mir zur Verfügung stehenden Exemplar weitgehend bestätigen. Ich wollte es nämlich genau wissen und legte die Note für eine Viertelstunde in ein Glas etwa 20 Grad warmen Wassers.

Als zusätzliche Originalität stellte ich alsdann fest, dass die Note und auch das Wasser nach dem Bad sehr streng nach irgend einem ätzendem Lack roch und schmeckte, als ich investigativ davon ein Schlücklein degustierte. Den Verdacht, die Nationalbank wolle uns vergiften, schloss ich dann aber doch als reine persönliche, psychisch bedingte autoimmunologische Überreaktion aus.

Es kann sich aufgrund dieser Eigenheiten beim genialen Projekt "Chrottepösche" nur um ein tragikomisches Gesamtkunstwerk handeln, meine ich, sonst würde es der Staat ja gar nicht sponsern.

Genau, ein perfektes, koordiniertes Timing: Wir feiern ja derzeit 100 Jahre Dada. Eine nihilistische Bewegung mit der Absicht, gefestigte Normen und Ideale zu zerstören, alles in Frage zu stellen, Kreti und Pleti purlimunter zu provozieren.

Diesen kulturhistorischen Zusammenhang bestätigen denn auch verschiedene Plakate, Inserate und sogar Fernsehspots, in denen die neue Note in allem Ernst vorgestellt wird. Wenn man all die Sachen näher anschaut, kann man den hellgrauen Text auf weissem Hintergrund sogar lesen: "Das jüngste Schweizer Original." Es ist echt gaga, darum wahr!

Immerhin wissen wir jetzt offiziell: Schweizer Geld kann man jetzt legal waschen, aber es stinkt trotzdem. 

 

Hermann Strittmatter

Hermann Strittmatter ist aktiver VR-Präsident der von ihm gegründeten Werbeagentur GGK in Zürich. Betriebswirtschafter, Swissair-Werber, Weinbauer, Gastrokritiker und Kommunikationsberater für Wirtschaft und Politik. Schreiben Sie Ihre Meinung Hermann Strittmatter direkt stritti2@bluewin.ch oder an die Redaktion.