Kolumne

«Sport» ist Mord

Sport ist ein gutes Geschäft. Auch Unterhaltungssport, wie etwa das World Wrestling Entertainment: Es geht um grosse Summen, zuweilen auch um Leben und Tod.
22.04.2014 01:05
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
«Sport» ist Mord
Bild: ZVG

Am 8. April 2014 brach der als James Brian Hellwig geborene ehemalige Profiringer The Ultimate Warrior auf dem Weg zu seinem Auto zusammen. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo nur noch sein Tod festgestellt werden konnte. Als Todesursache wurde bei der Autopsie ein Herzinfarkt festgestellt. Der Warrior wurde 54 Jahre alt.

Der unerwartete Tod des Warrior ist kein Einzelfall. Es gibt eine lange Liste von Profiringern, die frühzeitig verstorben sind. Dies wirft ein schlechtes Licht auf das 1952 gegründete Unternehmen World Wrestling Entertainment (WWE), das die  meisten grossen Veranstaltungen durchführt.

Die Shows der WWE unterscheiden sich von anderen Sportveranstaltungen dadurch, dass die „Wettkämpfe“ ausschliesslich unterhaltungsorientiert sind und einem Drehbuch folgen. Die Ringkämpfer sind austrainierte und hochgradig motivierte Sportler bzw. Stuntmen, die als selbständige Unternehmer anreizbasierte Verträge mit der WWE abgeschlossen haben. Dabei hängt die Vergütung der Ringkämpfer von der Popularität des Charakters, den sie verkörpern, und dem Umsatz der Merchandising-Produkte dieses Charakters ab.

Ein gutes Geschäft

Die WWE ist an der New Yorker Börse kotiert und weist derzeit eine Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden Dollar auf. Im Geschäftsjahr 2013 erzielte die WWE einen Jahresumsatz in Höhe von 508 Millionen Dollar. Der Löwenanteil entfiel dabei mit 161 Millionen auf die Vermarktung von Fernsehrechten. Weitere 82 Millionen wurden im Pay-per-View-Geschäft verdient. Mit den weltweit 321 Live-Veranstaltungen, die von rund 2 Millionen Zuschauern besucht wurden, wurden Ticket- und Stadionumsätze in Höhe von 131 Millionen erzielt. Hinzu kommen die Erlöse aus dem Merchandising (76 Millionen), aus den digitalen Rechten (39 Millionen), aus den unternehmenseigenen Studios (11 Millionen) sowie sonstige Erlöse (8 Millionen).

Seit 30 Jahren ist Wrestlemania die grösste und wichtigste Veranstaltung der WWE. Sie findet einmal jährlich statt, füllt die grössten Stadien und wird weltweit von Millionen TV-Zuschauern verfolgt. Dieses Jahr fand die 30. Ausgabe im Mercedes-Benz Superdome von New Orleans vor über 75 000 Zuschauern statt.

Bei Wrestlemania VI vor 24 Jahren „besiegte“ der Ultimate Warrior im Skydome von Toronto vor über 67 000 Zuschauern Hulk Hogan und wurde Weltmeister. Damals wog er 118 kg bei einer Körpergrösse von 188 cm und einem minimalen Fettanteil. Jetzt ist er vermutlich an den Spätfolgen seines Steroidkonsums gestorben.

Das Schicksal des Warrior ereilte auch zahlreiche andere Profiringer. Beispielsweise ist von den Wrestlerinnen und Wrestlern, die 1994 im Madison Square Garden an Wrestlemania X teilnahmen, bereits mehr als ein Drittel verstorben:

Owen Hart starb 1999 im Alter von 34 Jahren, nachdem sich die Sicherung löste als er von der Decke der Kemper Arena in Kansas City in den Ring hätte schweben sollen. Hart fiel aus 24 Meter Höhe direkt auf den Ringboden und erlag nach wenigen Minuten seinen inneren Verletzungen.

Bam Bam Bigelow starb 2007 im Alter von 45 Jahren an einer Überdosis Kokain und Benzodiazepin. Zudem litt er an Herz- und Rückenproblemen.

Luna Vachon starb 2010 im Alter von 48 Jahren nach ihrer langjährigen Medikamentenabhängigkeit an einer Überdosis Oxycodon and Benzodiazepin.

Doink the Clown (Matt Osborne) starb 2013 im Alter von 55 Jahren an einer Überdosis  Morphin und Hydrocodon. Zu seinem Tod trugen auch seine Herzprobleme bei.

Randy „The Macho Man“ Savage (Randall Poffo) starb 2011 im Alter von 48 Jahren, nachdem er am Steuer seines Autos einen Herzinfarkt erlitt und gegen einen Baum prallte. Der Herzinfarkt wurde laut Autopsiebericht durch eine Herzvergrösserung und eine starke Arterienverengung ausgelöst.

Crush (Brian Adams) starb 2007 im Alter von 43 Jahren an einer Überdosis Analgetika und Anti-Depressiva. Zudem wird spekuliert, dass er Nandrolon, Testosteron und Somatotropin eingenommen hatte.

Mabel (Nelson Frazier) starb 2014 im Alter von 43 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Yokozuna (Rodney Anoa) starb 2000 im Alter von 34 Jahren an einem Lungenödem, nachdem zuvor fälschlicherweise ein Herzinfarkt als Todesursache identifiziert wurde.

Mr. Perfect (Curt Hennig) starb 2003 im Alter von 44 Jahren an einer Überdosis Kokain. Sein Vater machte zudem Steroide und Schmerzmittel für den Tod seines Sohnes verantwortlich.

Earthquake (John Tenta) starb 2006 im Alter von 42 Jahren an Blasenkrebs.

Prof. Helmut Dietl

Helmut Dietl ist ordentlicher Professor für Services & Operations Management am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich.