Kolumne

Wie gewonnen, so zerronnen

Viele Spitzensportler werden schnell reich. Und nach dem Karrière-Ende ebenso schnell wieder arm. Die Gesamtsumme des erzielten Einkommens spielt dabei keine Rolle.
26.10.2015 01:00
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Wie gewonnen, so zerronnen
Bild: ZVG

Am 13. Oktober 2015 kollabierte Lamar Odom in einer Love-Ranch im US-Bundesstaat Nevada. Offenbar hatte der ehemalige Basketball-Star und Noch-Ehemann der Gossip-Prinzessin Khloé Kardashian in dem Bordell nicht nur viel Geld ausgegeben, sondern auch grössere Mengen an Medikamenten bzw. Drogen konsumiert.

Dieser Fall ist zwar aufgrund der Begleitumstände sehr spektakulär, aber es handelt sich hierbei um keinen Einzelfall. Immer wieder sind ehemalige Profisportler in Exzesse und Eskapaden verwickelt, die ihre Gesundheit gefährden und ihren sozialen Abstieg beschleunigen. Nicht wenige von ihnen werden Sozialfälle, landen in Pflegeheimen oder sterben früher als erwartet.

Viel Geld in kurzer Zeit

Kyle Carlson, Joshua Kim, Annamaria Lusardi und Colin Camerer sind diesem Phänomen nachgegangen und haben die Insolvenzraten von über 2000 professionellen Footballspielern untersucht. Die Medianwerte aller untersuchten Spieler lagen bei 6 Jahren für die mittlere Karrieredauer und 3.2 Millionen Dollar für das mittlere Gesamtsalär. Wie für viele Profisportler typisch, verdienten die untersuchten Spieler ein sehr hohes Einkommen in einer sehr kurzen Zeit. Die meisten wurden mit ihrem ersten Profivertrag quasi „über Nacht“ zum Millionär.

Da die Profikarriere aber relativ kurz ist, müssten die Spieler während ihrer aktiven Laufbahn den Grossteil ihres Einkommens sparen, um für die Zeit danach finanziell vorzusorgen. Dies tun aber nur wenige. Die Mehrzahl führt ein luxuriöses Leben und denkt nicht an die Zukunft. Die Konsequenzen sind unausweichlich, wie die Forscher nachweisen. Zwölf Jahre nach Karriereende sind bis zu 40 Prozent der Spieler insolvent.

Interessanterweise ist die Insolvenzrate weitgehend unabhängig von der Karrieredauer und dem Karriereeinkommen des Spielers. Weder eine lange Karrieredauer noch ein hohes Karriereeinkommen schützen einen Spieler wirksam vor Insolvenz.

"Altersfonds" statt Lohnzahlung

Vor dem Hintergrund dieser Forschungsergebnisse dürfte man Profisportlern nur einen Bruchteil ihres monatlichen Einkommens ausbezahlen und müsste den Löwenanteil ihres Salärs einem „Altersfond“ zuführen, der sie auch nach ihrem Karriereende finanziell absichert.

Solange dies nicht funktioniert, wird es noch vielen erfolgreichen Profis nach ihrer Karriere so ergehen wie dem legendären nordirischen Fussballspieler George Best, der einmal auf die Frage, wo sein ganzes Vermögen geblieben sei, antwortete: Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.