Kolumne

Zu riskante SNB-Wechselkurspolitik

Das Experiment mit der Franken-Euro-Kursuntergrenze ist gescheitert. Sollte die Schweizerische Nationalbank nun weiter Euros kaufen, verlieren wir doppelt.
09.02.2015 02:00
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Zu riskante SNB-Wechselkurspolitik
Bild: ZVG

Seit dem 15. Januar 2015 hat die Schweiz wieder ihre geldpolitische Unabhängigkeit zurückgewonnen. Diese Unabhängigkeit ging im Spätherbst 2011 verloren, als die Schweizerische Nationalbank die Abwertung des Euro stoppte, indem sie erklärte, in unbegrenzter Menge Euros zum Mindestkurs von 1,20 Franken zu kaufen.

Damals habe ich an dieser Stelle auf die Risiken der Mindestkurspolitik hingewiesen. Leider haben sich meine Befürchtungen bewahrheitet. Die Rechnung der Nationalbank ist nicht aufgegangen! Sie hatte spekuliert, dass der damalige Wechselkurs, der sich in Richtung Parität bewegte, nicht den "wahren" wirtschaftlichen Gegebenheiten entspricht. Den "wahren" Wechselkurs hatte man eher bei 1,50 Franken gesehen. Falls sich der Wechselkurs tatsächlich wieder in Richtung 1,50 Franken bewegt hätte, wäre die Spekulation der Nationalbank auch aufgegangen. Es kam jedoch ganz anders.

Die Verluste, die die Nationalbank im Zuge ihrer Mindestkurspolitik eingefahren hat, zeigen, wie gefährlich es ist zu glauben, man sei "schlauer" als der Markt und kenne die "wahren" Kurse besser. Aber noch mehr Sorgen als die Verluste der Nationalbank machen mir die Vermögensverluste, die in der Schweizer Bevölkerung entstanden sind. Alle, die in den letzten drei Jahren ausländische Wertpapiere, Immobilien, Dienstleistungen, Investitions- oder Konsumgüter gekauft haben, haben hierfür rund 20 Prozent zu viel bezahlt. Dies gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen, Stiftungen, den Staat und vor allem Pensionskassen.

Es ist bedenklich, wie wir mit unserem Geldvermögen, insbesondere auch unserer Altersvorsorge, den wechselkurspolitischen Entscheidungen der Nationalbank ausgeliefert sind. Wenn man sieht, wie diese Entscheidungen innert weniger Minuten derart hohe Vermögensveränderungen auslösen können, stellt sich zwangsläufig die Frage nach ihrer Rechtfertigung.

In meinen Augen heiligt in diesem Fall auch nicht der Zweck die Mittel. Um die Schweizer Tourismus- und Exportindustrie zu fördern, gibt es geeignetere Instrumente als eine unbegrenzte Mindestkursgarantie, die letztendlich zu hohen Vermögensverlusten führt.

Es bleibt abzuwarten, wie die Nationalbank ihre wiedergewonnene Unabhängigkeit nutzen wird. Falls sie weiter Euros kauft, verlieren wir doppelt. Erstens wird die Kaufkraft des Franken geschwächt und zweitens steigen die Verluste der Nationalbank. Aus dieser Perspektive wäre es vermutlich besser, wenn die Nationalbank keine Wechselkursziele verfolgen würde, sondern sich auf ihre Kernaufgabe, die Gewährleistung der Preisstabilität, konzentrieren würde.

 

Prof. Helmut Dietl

Helmut Dietl ist ordentlicher Professor für Services & Operations Management am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich.