4149 Flüchtlinge im Juli an Schweizer Grenze abgewiesen

In der Schweiz sind bis Ende Juli 22'181 rechtswidrig eingereiste Menschen aufgegriffen worden, 7582 allein im Juli. Angespannt ist die Lage an der Grenze zu Italien. Insgesamt haben Schweizer Grenzwächter im Juli 4149 Menschen an den Grenzen abgewiesen.
10.08.2016 12:00

Allein im Tessin wurden im Juli 3560 Menschen umgehend wieder nach Italien zurückgeschickt. Seit Anfang Jahr waren es 8298 Personen, die von Schweizer Grenzwächterinnen und Grenzwächtern an den Landesgrenzen zurückgehalten wurden, wie aus am Mittwoch vom Grenzwachtkorps veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

Im gleichen Zeitraum des vergangen Jahres wiesen Schweizer Grenzer 3526 Personen zurück. Angehalten wurden zwischen Januar und Juli 2015 nur 13'213 Menschen, die rechtswidrig in die Schweiz eingereist waren.

Die meisten dieser Menschen stammten aus Eritrea. Auch aus Gambia, Afghanistan, Nigeria und Somalia kamen viele der illegal eingereisten und an der Grenze aufgehaltenen Menschen.

Bei 1284 Menschen machten die Grenzwächter ein Kreuz auf dem Formular: Nationalität unbekannt. Bei diesen Menschen gingen die Papiere in Kriegen und Konflikten, auf der langen und riskanten Flucht verloren, oder sie warfen ihre Ausweise weg oder versteckten sie vor den Repräsentanten der Staatsmacht.

In diesem Jahr versuchten besonders viele Menschen an der Südgrenze in die Schweiz einzureisen: Mit insgesamt 13'467 bis Ende Juli Aufgegriffenen ist die Region IV des Grenzwachtkorps, das Tessin, ganz klar der Ausreisser in der Statistik.

An der Südgrenze stieg die Zahl der illegal Eingereisten seit Mitte Mai sprunghaft an - wenn das Wetter im Mittelmeerraum wärmer ist, wagen mehr Menschen von der nordafrikanischen Küste aus die riskante Überfahrt nach Europa. Von Italien aus reisen sie nach Norden weiter.

Ihr Ziel ist meistens Deutschland oder Skandinavien. Die Schweiz liegt auf ihrem Weg. Für wie viele der von den Grenzwächtern aufgegriffenen Menschen die Schweiz nur Transitland ist und nicht Ziel, darüber geben die Zahlen des Grenzwachtkorps keine Auskunft.

Auffallend ist, wie viele Menschen die Grenzwächterinnen und Grenzwächter in Zügen aufgriffen: 18'774. Nur ein geringer Teil der Menschen kam auf der Strasse (2893) und noch weniger per Flugzeug (496). 18 Menschen versuchten einen Weg in die Schweiz via Boot zu finden.

In den anderen Grenzregionen war die Lage, seit die Balkanroute für Flüchtlinge von den Staaten Ost- und Südosteuropas sowie Österreichs dicht gemacht wurde, ruhig. So wurden in der Grenzwachtregion Schaffhausen in den ersten sieben Monaten 857 Aufgegriffene gezählt und in der Region Chur 1898.

Diejenigen, die in der Schweiz um Asyl bitten, werden an die Empfangszentren des Bundes verwiesen. Dort wird dann in einem Asylverfahren geprüft, wer gemäss der Genfer Flüchtlingskonvention ein politischer Flüchtling ist. Nur ein politischer Flüchtling erhält auch Asyl.

Doch auch die Menschen, die derzeit in grosser Zahl aus den Kriegsgebieten in Syrien und Irak fliehen und in der Schweiz um Asyl bitten, können in der Schweiz bleiben. Sie werden vorläufig aufgenommen. Geprüft wird aber auch, ob jemand nicht schon in einem anderen EU-Land einen Asylantrag gestellt hat. Ein solcher Flüchtling wird als Dublin-Fall an das Erst-Antragsland abgeschoben.

(SDA)