50'000 Menschen in Florida in Notunterkünften wegen Sturm "Irma"

Peitschende Winde, Sturmfluten, Überschwemmungen: Die Menschen im US-Bundesstaat Florida bereiten sich wegen des Hurrikans "Irma" auf ein Katastrophenszenario vor. Der Sturm verlor bei seinem Zug über den Norden Kubas zwar etwas an Kraft, blieb aber extrem gefährlich.
09.09.2017 21:36

Der US-Wetterdienst warnte vor sintflutartigen Regenfällen, Sturzfluten und Tornados in Florida. Rund 6,3 Millionen Menschen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates.

Floridas Gouverneur Rick Scott rief alle Menschen in den Evakuierungszonen am Samstag erneut eindringlich dazu auf, sich in Schutzräume zu begeben. Bis zum Nachmittag hatten bereits mehr als 50'000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften gesucht. Hunderttausende weitere Menschen hatten sich selbst um eine Notunterkunft gekümmert.

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte den Sturm zwar in die Kategorie 3 der fünfstufigen Skala hinab. Die Meteorologen warnten aber davor, dass der Hurrikan wieder an Stärke gewinnen könne, bevor er am frühen Sonntagmorgen Ortszeit (Sonntagmittag MESZ) auf die Inselgruppe der Florida Keys trifft. Es wurde damit gerechnet, dass er dort mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde aufschlägt.

Auf der Inselgruppe leben rund 70'000 Menschen. Die Sicherheitsbehörden verlegten 460 Gefängnisinsassen auf das Festland. Nach Angaben des Bezirks wurden alle Spitäler und Notaufnahmen auf den Inseln geschlossen. Richtige Notunterkünfte gibt es dort nicht. Die Behörden richteten aber vorübergehende Zufluchtstätten ein.

Das Festland sollte "Irma" im Laufe des Sonntags erreichen. Den Prognosen zufolge könnte der Sturm nach Nordwesten abschwenken und dann an der Westküste entlangziehen. Auch in den benachbarten Bundesstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen.

Miami Beach mit seinen normalerweise 100'000 Einwohnern wurde zur "Geisterstadt", wie Bürgermeister Phil Levine sagte. Nach aktualisierten Berechnungen musste auch in Fort Myers an der Westküste mit höchster Gefahr gerechnet werden.

Dem US-Verteidigungsministerium zufolge wurden insgesamt fast 14'000 Angehörige der Nationalgarde in Alarmbereitschaft versetzt. Damit sollten Such- und Rettungsmissionen sowie Evakuierungen unterstützt werden. Mehrere grosse Marineschiffe bereiteten sich auf Hilfseinsätze vor.

In der Nacht zu Samstag war das Zentrum von "Irma" auf das Camagüey-Archipel an der Nordküste Kubas getroffen. Dabei legte der Hurrikan noch einmal an Stärke zu und wurde vom Warnzentrum vorübergehend auf die höchste Kategorie 5 hinaufgestuft. Danach zog "Irma" als Sturm der Kategorie 4 an Kuba entlang.

Auf Fernsehbildern waren hohe Wellen, starke Regengüsse, umgestürzte Bäume und beschädigte Gebäude zu sehen. Die Parteizeitung "Granma" berichtete von Überschwemmungen und Sachschäden. Meldungen über Tote lagen nicht vor. Zehntausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

In der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Havanna wurde mit den stärksten Hurrikan-Schäden seit 1932 gerechnet. Der Meteorologe José Rubiera erklärte im Staatsfernsehen, mit den heftigsten Überschwemmungen sei am Samstag und zum Teil noch am Sonntag zu rechnen. An der berühmten Uferpromenade Malecon in Havanna wurden Wellen bis zu acht Meter Höhe befürchtet.

Auf den betroffenen Inseln in der Karibik hatte der Sturm inoffiziellen Schätzungen zufolge insgesamt mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Allein auf den britischen Jungferninseln starben vier Menschen, auf Anguilla gab es einen Todesfall, wie britische Medien am Samstag berichteten.

In den von "Irma" schwer verwüsteten französischen Überseegebieten Saint-Martin und Saint-Barthélémy in der Karibik galt wegen eines weiteren Hurrikans die höchste Gefahrenstufe. Der französische Wetterdienst rief am Samstag die Alarmstufe Violett aus. Die Meteorologen rechneten damit, dass der Tropensturm "José" etwa 100 Kilometer nördlich der Inseln vorbeiziehen könnte.

Das US-Hurrikanzentrum in Miami stufte den Sturm am Samstag als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie 4 ein. "José" erreichte demnach Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde.

Die Bewohner der Inseln Antigua und Barbuda konnten dagegen vorerst aufatmen: Laut der Prognose sollte der Sturm die Inseln voraussichtlich nicht direkt treffen. "Irma" war vor einigen Tagen direkt über Barbuda hinweggezogen und hatte die kleine Insel verwüstet.

Die Regierung von Antigua hob die Hurrikan-Warnung für die Inseln auf, eine Warnung vor einem Tropensturm blieb in Kraft.

(SDA)