ABB schliesst Einkaufstour mit zweiter Grossübernahme vorerst ab

Der Industrie- und Automationskonzern ABB will mit der Übernahme von GE Industrial Solutions für 2,6 Milliarden Dollar seine Marktposition in den USA deutlich ausbauen. Die Einkaufstour von ABB sei damit vorerst beendet, sagte ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer.
25.09.2017 11:20

Die GE-Sparte ist bereits die zweite Grossübernahme von ABB in diesem Jahr, das für ABB ein Übergangsjahr sein soll. GE wollte diese nicht zum Kerngeschäft gehörende Sparte bereits letzten Dezember verkaufen, war sich aber mit ABB nicht einig über den Preis.

ABB plant GE Industrial Solutions, die mit 13'500 Mitarbeitern rund 2,7 Milliarden Dollar Umsatz (2016) erzielt, in seine zweitgrösste Division, die Elektrifizierungssparte, zu integrieren. Industrial Solutions stellt Elektrobauteile und Stromaggregate her. In der Elektrifizierung erzielt ABB mit GE zusammen künftig rund 12,3 Milliarden Jahresumsatz. Sie baut damit die Marktposition als Nummer 2 hinter Konkurrent Schneider deutlich aus.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer räumte an einer Telefonkonferenz ein, dass die GE-Tochter aus Atlanta (Georgia) die letzten Jahre Marktanteile verloren habe. "Aber wir bringen mit unseren Produkten und Forschung Sauerstoff in das Geschäft von GE Industrial Solutions", betonte er.

Die GE-Tochter wiederum verfüge über ein grosses Kundennetzwerk und Produktionskapazitäten. Er sehe grosses Wertsteigerungspotenzial. Es sei der US-Markt, wo die Musik spiele. Der US-Elektrifizierungsmarkt verfüge über ein Jahresvolumen von 32 Milliarden Dollar und wachse jährlich 2 Prozent. Die Elektrifizierungssparte profitiert weltweit vom steigenden Stromverbrauch und der schnellen Verbreitung von Elektrofahrzeugen sowie der Digitalisierung.

Ein wichtiger Teil des Deals für ABB ist die Vereinbarung einer langjährigen Lieferbeziehung zwischen ABB und dem GE-Konzern. "GE wird mehr ABB-Produkte kaufen - nicht nur für die Elektrifizierung, sondern das ganze Portfolio", so Spiesshofer.

Die einmaligen Kosten für die Integration belaufen sich laut ABB auf rund 400 Millionen Dollar. Nach 5 Jahren sollen jährlich rund 200 Millionen Dollar Einsparungen erzielt werden. Allerdings rechnet Spiesshofer mit Restrukturierungen und einem Stellenabbau. Letzterer soll aber durch den Ausbau anderer Bereiche gedämpft werden.

Der Abschluss der Übernahme wird in der ersten Jahreshälfte 2018 erwartet. Ebenfalls in dem Deal enthalten ist das Recht für ABB, die GE-Marke zu nutzen.

ABB hatte bereits im April eine Milliardenübernahme von 1 bis 2 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um den österreichischen Steuerungshersteller B&R. ABB befindet sich derzeit im Umbau. Dem Druck des schwedischen Grossaktionärs Cevian, der den Verkauf der Stromnetz-Sparte forderte, hatte ABB bisher Stand gehalten.

(SDA)