Aktien-Hype um Trump - Ökonom Shiller erlebt ein Dot-Com-Déjà-vu

Derart euphorische Aussagen von Aktienmarkt-Investoren wie jetzt hat Robert Shiller zuletzt im Jahr 2000 gehört. Und damals hatte das alles kein gutes Ende für die Bullen.
19.03.2017 10:23
Der US-Ökonom Robert Shiller gewann 2013 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Der US-Ökonom Robert Shiller gewann 2013 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Bild: Bloomberg

Damals wurden nach Meinung des Nobelpreis-Gewinners viele Händler in den Bann einer “Neuen-Ära”-Story mit Blick auf technologischen Wandel gezogen. Das Internet habe amerikanische Unternehmen neu definiert und traditionelle Bewertungsmassstäbe am Aktienmarkt überflüssig gemacht. Heute ist der Impulsgeber dagegen politischer Natur: Donald Trump und dessen kühnen Pläne, die Regulierung zurückzufahren, Steuern zu senken und die Wirtschaft mit einem Billionen Dollar schweren Infrastruktur-Programm anzutreiben. 

“Beides sind revolutionäre Ideen”, sagt Shiller. Er hatte sich wegen seiner Warnungen zur Dot-Com-Manie und zur Schieflage am Häusermarkt, die zur globalen Finanzkrise führte, einen Namen gemacht. “Dieses Mal ist ein grosser Führer aufgetaucht. Die Idee ist, dass alles anders ist.” 

Für Shiller ist die Macht der “Neuen-Ära”-Story ein Erklärungsansatz dafür, warum Händler so fixiert sind auf die Aufwärts-Chancen einer Trump-Präsidentschaft - während die Abwärtsrisiken doch genauso umfangreich erscheinen. Der Konfrontationskurs des ehemaligen Reality-TV-Stars in der Aussenpolitik und sein willkürlicher Management-Stil schüren Unsicherheit - die eine Sache, die Investoren doch angeblich am meisten hassen.  “Ich sage vom Grundsatz her nicht, dass der gesamte Markt falsch liegt. Investoren sind kluge, hoch motivierte Menschen. Doch ich finde es schwierig, die Frage zu beantworten, warum es derzeit am Aktienmarkt so wenig Volatilität gibt”, meint auch Volkswirt Nicholas Bloom von der Stanford University.

Händler ignorieren Warnungen

Die einfachste Erklärung könnte sein, dass die Kurse weniger mit Trump zu tun haben, sondern viel mehr mit der Verbesserung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne.

Doch die Widerstandsfähigkeit des Marktes hat mehr Gründe als nur die Zahlen, meint Volkswirt Ethan Harris von Bank of America Merrill Lynch. Seinen Worten zufolge hatten pessimistische Strategen die Auswirkungen grosser Ereignisse wie der europäischen Staatsschuldenkrise oder des Brexit derart übertrieben dargestellt, dass Händler solche Warnungen nun schlichtweg ignorieren. 

“Es war eine Zeit wiederholter Schocks. Und ich denke, die Leute sind dagegen abgehärtet", erklärt Harris. “Es scheint so, als sei Unsicherheit jetzt die neue Norm. Und man lernt einfach, damit zu leben."

Aktien so teuer wie vor Markteinbruch 1929

Auf die Frage, ob sich der Aktienmarkt seinem Höhepunkt nähert, kann Shiller keine gesicherte Antwort geben. Er mag es nicht, kurzfristige Prognosen abzugeben.

Was er jedoch jetzt verrät, ist, dass er Abstand davon nimmt, seine eigenen US-Aktien-Positionen auszubauen. Stattdessen setzt er auf Märkte in Übersee. 

Ein Faktor, der ihn zu Vorsicht bei amerikanischen Aktien verleitet, ist das Zyklus-bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500. Der Massstab liegt zwar noch immer 30 Prozent unter dem Hoch des Jahres 2000. Doch er zeigt, dass Aktien derzeit so teuer sind wie am Abend vor dem Markteinbruch von 1929. “Der Markt ist deutlich überteuert", sagt er. “Das ist nicht so intellektuell wie Leute glauben wollen, oder wie Volkswirte es einen glauben machen wollen."

(Bloomberg)