Am Bahnunfall in Andermatt war eine falsch eingestellte Weiche schuld

Die Kollision einer Lokomotive mit einer abgestellten Zugkomposition im Bahnhof Andermatt im September ist auf eine falsch eingestellte Weiche zurückzuführen. 35 Personen waren leicht verletzt worden, darunter Jugendliche, die mit ihren Schulklassen unterwegs waren.
12.10.2017 12:37

Am Vorfall beteiligte Personen hätten mehrere bestehende Vorgaben, die der Sicherung des Rangierablaufs dienen, nicht angewendet. Dies schreibt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) in ihrem am Donnerstag veröffentlichten summarischen Bericht.

Der Unfall ereignete sich am 11. September kurz nach 11.30 Uhr. Ein Regionalzug der Matterhorn Gotthard Bahn fuhr von Disentis GR in den Bahnhof Andermatt UR ein. Derselbe Zug sollte etwas später wieder zurück nach Disentis fahren. Dafür hätte die Lokomotive über ein Parallelgleis vom hinteren Ende zum vorderen Ende des Zuges geführt werden sollen.

Die Lokomotive wich dann aber nicht wie vorgesehen auf das Parallelgleis aus, sondern prallte retour gegen die Zugkomposition, von der sie kurz zuvor gelöst worden war. 35 Personen wurden leicht verletzt - auch mehrere Jugendliche, die mit ihren Schulklassen unterwegs waren.

Wie die SUST in ihrem Bericht schreibt, stellte der Lokführer während der Rückwärtsfahrt mit rund 22 km/h zwar fest, dass die Lokomotive über die gleichen Gleise geleitet wurde wie beim Wegfahren und dass die Fahrt gegen die abgestellten Wagen erfolgte. Er leitete etwa 25 bis 30 Meter vor der Kollision dann auch eine maximale Bremswirkung ein. Die Kollision verhindern konnte er aber nicht: Die Lokomotive prallte mit einer Geschwindigkeit von 17 km/h auf die abgestellten Wagen.

In Andermatt werden die Weichen für Rangierfahrten jeweils vom Fahrdienstleiter einzeln umgesteuert. Die ausgewerteten Aufzeichnungen liessen nicht darauf schliessen, dass beim Stellwerk ein technisches Problem vorlag, schreibt die SUST.

Es sei aber zu erkennen, dass nach dem Anhalten des Zuges wohl die Weichen hinter den Wagen für das geplante Rangiermanöver bedient wurden. Jene hinter der abgehängten Lokomotive jedoch nicht.

Ein systematisches Sicherheitsdefizit erkennt die SUST nicht und verzichtet deshalb auf weitere Untersuchungen. Sie schliesst den Fall mit diesem summarischen Bericht ab.

(SDA)