Anti-IS-Kämpfer dringen erstmals in Altstadt von Al-Rakka ein

Die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sind nach monatelangen Kämpfen erstmals in die Altstadt der IS-Hochburg Al-Rakka vorgedrungen. Einheiten hätten zwei Lücken in der Stadtmauer geöffnet und die Verteidigungslinie überwunden.
04.07.2017 14:23

Die Stellen seien jeweils rund 25 Meter breit, erklärte das zuständige US-Zentralkommando (Centcom) in der Nacht zum Dienstag. Es habe starken Widerstand von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegeben. Die Terrormiliz nutze die historische Stadtmauer zur Verteidigung und habe bereits bestehende Durchgänge vermint.

Mit Hilfe der neuen Durchgänge könnten die Soldaten der Koalition die IS-Kämpfer umgehen und den Rest der Mauer vor der Zerstörung bewahren, teilte das US-Militär mit. Zudem sei es so weniger wahrscheinlich, dass die Einheiten von Scharfschützen oder Maschinengewehren ins Visier genommen würden.

Die SDF bestätigten den Etappensieg in einer Mitteilung. Bei heftigen Kämpfen seien 34 Dschihadisten getötet worden. Die Zahl der Opfer auf Seite der Anti-IS-Koalition wurde nicht genannt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezeichnete das Vorrücken als "grossen Fortschritt", weil die Kämpfe nun in die Stadt selbst getragen worden seien.

Das Institute for the Study of War schätzt, dass sich noch bis zu 100'000 Zivilisten in Al-Rakka aufhalten. In der Stadt sollen auch noch Tausende IS-Kämpfer sein. Dort ist noch ein Gebiet von mehreren Kilometern Durchmesser unter der Kontrolle der Terrormiliz IS. Die vollständige Eroberung könnte Beobachtern zufolge Wochen, vielleicht auch Monate dauern.

Am Sonntag hiess es die kurdisch-arabischen SDF-Kämpfer seien zum ersten Mal in den Süden von Al-Rakka eingedrungen. SDF-Kämpfer waren am 6. Juni in die nordsyrische Stadt einmarschiert. Seitdem eroberten sie einige Viertel im Osten und Westen der Stadt. Als sie weiter ins Zentrum vordrangen, stiessen sie allerdings auf erbitterten Widerstand. Am Donnerstag hatten die SDF-Kämpfer dem IS den letzten Fluchtweg aus der Stadt abgeschnitten.

Neben dem fast komplett eroberten Mossul im Irak gilt Al-Rakka am Fluss Euphrat als wichtigste Stadt in den Händen des IS. Der Ort wird seit 2014 von den Extremisten beherrscht.

Im November hatte die von den USA geführte Operation zur Befreiung der Stadt aus den Händen der Terrormiliz begonnen. Das Bündnis wird von den kurdischen Volksschutzeinheiten YPG geführt, ihm gehören aber auch arabische Kämpfer an.

Die Terrormiliz steht drei Jahre nach der Verkündung ihres sogenannten Kalifats in Syrien und dem Irak militärisch mit dem Rücken zur Wand. In der einstigen Hochburg Mossul wird nur noch ein kleiner Teil von den Dschihadisten kontrolliert.

Zudem hat sich die Terrormiliz komplett aus der syrischen Provinz Aleppo zurückgezogen. Der IS habe sich zuletzt aus 17 Städten und Dörfern zurückgezogen und sei nun nirgendwo mehr in Aleppo präsent, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Die Angaben wurden aus einer syrischen Militärquelle bestätigt.

(SDA)