Autobombe explodiert im Zentrum von Kabul

Nur wenige Stunden nach zwei Anschlägen mit mindestens 24 Toten ist im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Autobombe explodiert. Nach Polizeiangaben ereignete sich die Detonation am Montagabend im Stadtteil Schar-e Nau hinter dem Hauptsitz der Kabul Bank.
05.09.2016 23:29

Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Informationen. Nach Angaben des Senders 1TV soll ein kleines Hotel in der bekannten Blumenstrasse das Ziel gewesen sein.

Der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Seddiki, wollte das zunächst nicht bestätigen. "Wir wissen nicht, ob dies ein Gästehaus ist oder nicht. Eine Autobombe ist vor dem Haus explodiert, und nach ersten Erkenntnissen sind zwei Angreifer in der Gegend." Polizeikräfte seien im Einsatz. Sporadisch werde geschossen.

In dem Viertel gibt es neben vielen Hotels auch eine ganze Reihe weiterer möglicher anderer Angriffsziele, darunter einen Komplex des Innenministeriums.

Die Explosion ereignete sich kurz nach 23.00 Uhr (Ortszeit). Im weiten Umkreis wurden Fensterscheiben erschüttert. Kurz vor den wichtigen Feiertagen des islamischen Opferfestes sind in dem Stadtteil viele Geschäfte bis spät geöffnet, Menschen kaufen Delikatessen und neue Kleider.

Am Mittag waren bei einem Selbstmordanschlag der radikalislamischen Taliban mindestens 24 Menschen getötet und mehr als 90 verletzt worden. Unklar ist, was das Ziel dieses Anschlags war: Das Verteidigungsministerium oder ein Verwaltungsbüro des Präsidenten. Diesem Anschlag war eine kleinere Bombenexplosion vorausgegangen.

Kabul wird seit Monaten von kleineren und grossen Anschlägen erschüttert. Erst vor fünf Wochen hatten Taliban das Ausländerhotel Northgate in Kabul angegriffen. Dabei waren ein Polizist und die drei Angreifer getötet worden.

Ende Juli starben bei einem Bombenanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat auf eine Grossdemonstration 80 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Ende Juni hatten Taliban einen Polizeikonvoi angegriffen und mehr als 30 junge Rekruten getötet. Mitte Juni waren 14 internationale Sicherheitskräfte bei einem Selbstmordanschlag auf ihren Bus ums Leben gekommen.

(SDA)