Bambi in Berlin: Gala mit Glamour - und ernsten Tönen

Die diesjährige Bambi-Gala in Berlin war mit politischen Botschaften unterlegt. Einen Preis von Hubert Burda Media erhielten unter anderen Fussballer Bastian Schweinsteiger, Popsänger Robbie Williams, Panikrocker Udo Lindenberg und Schauspieler Mario Adorf.
18.11.2016 00:59

Bundestrainer Joachim Löw nahm am Donnerstagabend für seine Arbeit mit der deutschen Fussballnationalmannschaft den Bambi in der Kategorie Integration entgegen. "Sie zeigen, wie Integration ganz praktisch funktioniert", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Laudator mit Blick auf die Fussballweltmeister, die aus aller Welt stammen.

Löw würdigte sein Team als Musterbeispiel. "Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti steckt drin", sagte er. "Lassen Sie uns alle zu einer deutschen Integrationsmannschaft werden", rief Löw das Publikum im Saal und die Zuschauer an den Fernsehern auf.

In der Kategorie Film National gewann die Hitler-Satire "Er ist wieder da" den Bambi. "Der Film ist heute aktueller denn je, glaube ich", sagte Hauptdarsteller Oliver Masucci. "Diese braune Sosse, die sich durch Europa ergiesst, die macht mir Sorgen."

Regisseur David Wnendt lässt in seinem Kinofilm "Er ist wieder da" nach dem gleichnamigen Roman den Nazi-Diktator Adolf Hitler im heutigen Deutschland wieder auferstehen.

Komiker Bülent Ceylan, der einen Bambi in der Kategorie Comedy erhielt, ging in seiner Dankesrede auch auf die gegenwärtige Stimmung in Deutschland ein. "Wir dürfen uns von diesen scheiss Terroristen niemals das Lachen nehmen lassen und auch nicht die Lust auf solche Veranstaltungen hier", sagte er.

Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger erhielt für seine Erfolge einen Bambi als Ehrenpreis der Jury. Der 86-jährige Schauspieler Mario Adorf ("Der grosse Bellheim", "Kir Royal") wurde unter dem Jubel des Publikums mit einem Bambi für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Der britische Rockstar Sting überreichte seinem Kollegen Udo Lindenberg einen Bambi in der Kategorie Musik National - und hielt seine Laudatio auf Deutsch. "Rock'n'Roll hält uns frisch!", meinte Lindenberg - gewohnt mit Hut, dunkler Sonnenbrille und grosser Coolness. "Ich bin schon 100 Jahre in der Branche. Es ist Exzess ohne Ende", so der Panikrocker.

Kuriosität am Rande: Vor sechs Jahren nahm Lindenberg bereits einen Bambi für sein Lebenswerk entgegen. Jetzt ehrte die Jury Lindenbergs Chart-Erfolg mit seinem Album "Stärker als die Zeit".

Sehr bewegt nahm die Schauspielerin Anna Maria Mühe die Auszeichnung für ihre Rolle in dem NSU-Drama "Die Täter - Heute ist nicht alle Tage" entgegen. In dem ARD-Film spielt sie die mutmassliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Devid Striesow erhielt den Preis für seine Rolle in dem Kinofilm "Ich bin dann mal weg", der Verfilmung von Hape Kerkelings Pilger-Bestseller.

Gleich zwei musikalische Auftritte hatte der britische Popstar Robbie Williams - und erhielt am Ende der Show ausserdem noch die Trophäe in der Kategorie Musik International. Tennis-Star Angelique Kerber bekam das goldene Rehkitz in der Kategorie Sport. "Es war ein unglaubliches Jahr", sagte die Weltranglisten-Erste. Florian Silbereisen holte den Bambi in der Kategorie Fernsehen.

Der Turner Andreas Toba gewann den Publikums-Bambi als "Olympiaheld". Yusra und Sarah Mardini wurden bei der Bambi-Gala als "stille Helden" ausgezeichnet. Die Syrerinnen hatten ein kenterndes Flüchtlingsboot schwimmend sicher an Land gebracht. Yusra Mardini war bei den Olympischen Spielen in Rio in diesem Sommer Mitglied des Flüchtlingsteams.

(SDA)