Banken schwach - Gewinnmitnahmen belasten Schweizer Börse

Nach dem jüngsten Höhenflug haben die Anleger an der Schweizer Börse am Mittwoch Gewinne eingestrichen.
17.05.2017 17:10

"Die Marktteilnehmer verspüren einen leichten Anflug von Höhenangst", sagte ein Händler. Ob es sich dabei um einen Marschhalt im Aufwärtspfad handele oder um Anzeichen einer Korrektur, sei ungewiss. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex, legte zwar fast sechs Prozent zu, befinde sich aber noch weit von dem Bereich entfernt, der zur Vorsicht mahnen müsste, sagte ein anderer Börsianer.

Der SMI sinkt am Mittwoch 1,4 Prozent auf 9001 Zähler. Dies ist der stärkste täglich Kursrückgang seit Anfang Dezember. Das Plus im laufenden Jahr beträgt noch immer zehn Prozent.

Die Marktteilnehmer bezweifelen zunehmend, dass US-Präsident Donald Trump angesichts der aktuellen Querelen die Wirtschaft wie erhofft stärker beleben kann. Das belastet die Aktien und den Dollar. Wird der Franken teurer, verschlechtern sich die Chancen der Schweizer Exporteure auf dem Weltmarkt. "Der schwache Dollar und die rekordhohe Bewertung vor allem von Nebenwerten machen die Anleger nervös", sagte ein Händler. Etwas mehr Vorsicht könne nicht schaden. Da aber viele Fonds einen relativ hohen Bargeldbestand hätten, sei eine stärkere Korrektur eher unwahrscheinlich. "Man kann es niemandem verübeln, wenn er mal Gewinne mitnimmt", sagte ein Börsianer. Das schaffe auch immer wieder Kaufgelegenheiten.

Die Aktien von Straumann sacken 4,4 Prozent auf 527,50 Franken ab. Der Staatsfonds GIC aus Singapur ist bei dem Zahnimplantate-Hersteller ausgestiegen und hat gut eine halbe Million Aktien zu 541 Franken platziert.

Die im Zuge der Verunsicherung am Markt massiv gesunkenen Renditen der Staatsanleihen lasteten vor allem auf den Finanzwerten. Die Aktie der Grossbank Credit Suisse verbucht mit 2,9 Prozent Abschlag das stärkste Kursminus. Am Donnerstag entscheiden die Aktionäre über eine weitere milliardenschwere Kapitalerhöhung.

Die Anteile der Bank Julius Bär geben 3,2 Prozent nach, die des Lebensversicherers Swiss Life 2,9 Prozent.

Die Anteile der UBS sinken 2,2 Prozent. Die Grossbank hatte am Dienstag wegen einer milliardenschweren Aktienplatzierung von GIC 2,2 Prozent an Wert eingebüsst.

"GIC macht anscheinend Kasse", sagte ein Händler und verwies auf die Verkäufe bei Straumann und UBS.

Die Anteile der als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte konnten sich nach dem jüngsten Anstieg den Abgaben nicht ganz entziehen. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle, die am Vortag ein Rekordhoch erreicht hatte, sinken um 0,7 Prozent. Bei den Pharmatiteln geben Novartis 1,1 Prozent nach und Roche ermässigen sich um ein Prozent. Roche-Chef Severin Schwan erwartet, dass es ein paar Jahre dauert, bis durch Nachahmer-Konkurrenz für wichtige biotechnologisch hergestellte Medikamente ein neues Preisgleichgewicht eintritt.

Grössere Gewinnmitnahmen verzeichneten die Anteile des Uhrenherstellers Swatch mit einem Kursabschlag von 2,8 Prozent auf. Rivale Richemont hielten sich mit einem Minus von 2,4 Prozent etwas besser. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB verloren 1,9 Prozent. Die Titel des Personalvermittlers Adecco sanken um 1,7 und die des Zementkonzerns LafargeHolcim um 3 Prozent. Der Pharmazulieferer Lonza verlor 2,2 Prozent.

Am breiten Markt steigen die Santhera-Aktien gegen den Trend um 3,2 Prozent. Die Titel von Valartis ziehen 3,1 Prozent an. Am Vorabend hatten die Aktionäre der Privatbank eine Dividende von 20 Rappen je Titel gutgeheissen.

Die Sulzer-Aktien schwächen sich um 4 Prozent ab. Der Anlagenbauer übernimmt die neuseeländische Firma Simcro mit einem Unternehmenswert von rund 90 Millionen Franken.

Gewinnmitnahmen stoppten den Höhenflug von VAT. Die Aktien fallen um 4,5 Prozent. Die Vakuumventile-Firma schnitt im ersten Quartal besser ab als erwartet ab.

(Reuters)