EZB prüft Risikomodelle - Kapitalquoten von Europas Banken stehen unter Druck

Einige europäische Banken sehen ihre Kapitalquoten unter Druck, da die oberste Aufsichtsbehörde der Region eine konservativere Einschätzung ihrer Risikomodelle vornimmt.
19.03.2017 18:36
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

Im letzten Monat hat die Europäische Zentralbank die Risikogewichtungen angehoben, die das Kapital bei Finnlands grösstem Finanzdienstleister bestimmen, nachdem sie "Mängel" in den Modellen gefunden hat. Banken, darunter die Bank of Ireland, haben eigenständig ähnliche Massnahmen ergriffen, bevor die EZB im nächsten Monat mit Besuchen bei den 68 Banken in 15 Ländern zur Überprüfung ihrer internen Modelle beginnt.

Die von Banken konzipierten Risikomodelle stehen im Zentrum der Bedenken von Investoren und Aufsehern. Sie befürchten, dass Banken die kurzfristige Rentabilität über eine angemessene Risikoeinschätzung stellen. Indes erscheinen die Erfolgschancen für eine Einigung unter den weltweiten Aufsehern, bei den Banken ein Austricksen des Systems zu stoppen, ungewiss.

“Wir bleiben extrem vorsichtig bezüglich des Ergebnisses", sagte Jeremy Masding, Chief Executive Officer bei Permanent TSB Group Holdings, an einer Telefonkonferenz mit Analysten mit Blick auf die EZB-Prüfung.

Bilaterale Gespräche

Das Kreditinstitut aus Dublin wird nach bilateralen Gesprächen mit der EZB wohl seine risikogewichteten Aktiva bis zu 1,5 Mrd. Euro aufstocken müssen, sagte Masding. Wenn das Ende vergangenen Jahres stattgefunden hätte, wäre die harte Kernkapitalquote (CET1) der Bank von 17,2 Prozent etwa 2 Prozentpunkte niedriger gewesen, wie aus Berechnungen von Bloomberg News hervorgeht. Der CEO wollte nicht sagen, welche Auswirkung die branchenweite Überprüfung der EZB für seine Gesellschaft haben könnte.

Bis ins Jahr 2019 hinein wird die EZB-Prüfung alle internen Modelle für Markt- und Adressenausfall-Risiko abdecken sowie mindestens 60 Prozent oder etwa 7 Billion Euro an Kreditrisikoengagements, die von internen Ratings gemessen werden.

Die Deutsche Pfandbriefbank AG wird ihre Kapitalziele prüfen müssen, wenn der stärker standardisierte Ansatz der EZB ihre Risiko-Gewichtungen erhöht, sagte CEO Andreas Arndt gegenüber Analysten auf einer Telefonkonferenz am 8. März.

“Wir haben ein sehr konservatives Portfolio mit angemessenen und übereinstimmenden Risikogewichtungen", sagte Arndt. "Aber es gibt verschiedene Benchmarks im Markt, die wir beobachten müssen."

Revidierte Messgrösse

Auswirkungen sind bereits zu beobachten. Die Bank of Ireland hat ihre Risikoberechnung für nicht notleidende irische Hypotheken im Dezember geändert, was die CET1-Quote, eine Messgrösse für die Finanzstärke, um etwa 65 Basispunkte reduziert hat.

Die finnische OP Financial Group teilte im Februar mit, dass die EZB die Risikogewichtungen für Privatkunden-Engagements für einen Zeitraum von 18 Monaten angehoben habe, was die CET1-Quote von 20,1 Prozent Ende Dezember um weniger als 2 Prozentpunkte gedrückt hat.

Andere Banken haben die potenziellen Effekte aus der EZB-Prüfung heruntergespielt. Die Deutsche Bank sagte am 6. März, dass sie keine wesentlichen Auswirkungen erwarte.

Die EZB erläuterte, ihre Überprüfung gehe Bedenken an, die einige Aufseher bezüglich interner Risikomodelle haben, und dass sie dazu beitragen wolle zu gewährleisten, dass Modelle tatsächlich angemessen angewandt werden.

Die branchenweite Modellprüfung wird etwa 15 Prozent des EZB-Haushalts für ihren Bankenaufsichtsbereich verbrauchen und ist damit das grösste Einzelprojekt seit Gründung der Institution Ende 2014. "Das ist eine grössere Aufgabe sowohl für die Banken als auch für die Aufsicht", sagte Arndt. "Es hat sicherlich etwas Sportliches."

(Bloomberg)