Bankenzusammenschluss - Berlin flirtet mit Deutsche-Bank–Commerzbank-Fusion

In der Diskussion um die langfristige Strategie der Deutsche Bank und Commerzbank wird in der deutschen Bundesregierung ein Zusammenschluss der beiden Banken favorisiert.
21.09.2018 20:00
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: cash

Dies erfuhr Bloomberg News aus unterrichteten Kreisen. Der deutsche Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach für eine starke deutsche Bank mit globaler Ausrichtung ausgesprochen, die in der Lage ist, deutsche Unternehmen im Ausland mit Finanzdiensten zu begleiten. Diese Woche hat der Finanzminister deutlich gemacht, dass er eine europäische Grossfusion dabei eher langfristig sieht - mit der Vollendung der europäischen Banken, Fiskal- und Kapitalmarktunion.

Die Banken- und Finanzunion sowie die Kapitalmarktunion müssten vollendet werden, "damit zum Beispiel grosse europäische Banken entstehen können, die die grossen europäischen Unternehmen auch begleiten können", hatte Scholz am Dienstag bei einem Bürgerdialog in Münster erklärt. Bis dahin seien in einem fragmentierten Markt nicht-heimische Banken in Krisenzeiten besonders anfällig für Kapitalabflüsse, sodass die Bundesregierung eher zu einem nationalen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank tendiert, verlautete aus den Kreisen. Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte sich dazu nicht äussern.

Schlechte Performance

Deutsche Bank und Commerzbank rangieren in ihrer Performance am unteren Ende der europäischen Banken. Zweifel der Investoren an der langfristigen Strategie der Finanzinstitute belasten die Kurse. Die Aktie der Deutschen Bank hat seit Jahresbeginn rund 34 Prozent am Wert verloren, während die Commerzbank - die am Montag den DAX verlassen wird - etwa 24 Prozent eingebüsst hat. Die Schwäche der deutschen Banken wird auch in Berlin genauer beobachtet, wobei die Entscheidung über die langfristige Strategie den Unternehmen überlassen wird, sagten die Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Mitte September hat die Deutsche Bank bei einem Strategietreffen des Managements verschiedene Szenarien durchgespielt, und auch mögliche nationale oder europäische Fusionen angedacht, hiess es weiter. Die Manager der Deutschen Bank seien dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zeit für einen solchen Schritt noch nicht reif sei.

Hintergrund der politischen Debatte über die Zukunft der Deutschen Bank und der Commerzbank sind die Folgewirkungen der Lehman-Pleite. Zur Stabilisierung der heimischen Banken hat der Bund nach Angaben des Finanzministers im Zuge der Finanzkrise mehr als 30 Mrd. Euro in den Finanzsektor investiert. Mit der Erfahrung von heute müsse man eingestehen, dass die Regierung stärker darauf hätten beharren sollen, deutsche Finanzinstitute zu zwingen, zur eigenen Absicherung staatliche Unterstützung anzunehmen, erklärte Scholz jüngst in einem FAZ-Gastbeitrag. "Heute sind wir klüger", schrieb er.

(Bloomberg)