Beil-Attacke: 17-Jähriger griff zuerst Paar mit Kinderwagen an

Ein 17-jähriger Lette hat am Sonntagabend in Flums SG sieben Menschen mit einem Beil verletzt. Der mutmassliche Täter war bereits zuvor durch Gewaltfantasien aufgefallen.
23.10.2017 14:59

Die St. Galler Kantonspolizei informierte am Montag über die Geschehnisse des Vorabends: Demnach kam es am Wohnort des 17-Jährigen zunächst zu einem Feuerwehreinsatz. Der kleine Brand war bereits von Bewohnern des Hauses gelöscht worden.

"Ob der Brand einen Zusammenhang mit den nachfolgenden Gewalttaten hat, wissen wir nicht", sagte Sigi Rüegg, stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen, am Montag vor den Medien.

Kurze nach 20 Uhr kam es am Postplatz der Rheintaler Gemeinde Flums zur ersten Beil-Attacke. Der 17-jährige Lette griff ein Ehepaar von hinten an, dass mit ihrem achtmonatigen Kind unterwegs war. Der 35-jährige Mann wurde schwer verletzt, seine 30-jährige Frau befindet sich mit unbestimmten Verletzungen im Spital.

Das Baby fiel aus dem Kinderwagen. Es sei vom Täter jedoch nicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Der Knabe sei zur Überwachung im Spital.

"Zwei Passanten griffen beherzt ein", sagte Rüegg. Der 72-jährige Mann und die 59-jährige Frau wurden vom Täter ebenfalls mit dem Beil angegriffen. Dabei wurden sie leicht verletzt. Sie konnten das Spital bereits wieder verlassen.

Der Angreifer flüchtete mit dem Auto der Passanten Richtung Walensee. Weit kam er aber nicht; nach wenigen hundert Metern verursachte er einen Selbstunfall. Der 17-Jährige liess das demolierte Auto stehen.

Der nächste Tatort befindet sich ebenfalls in Flums. Wahrscheinlich zu Fuss sei der Jugendliche dann zu einer Tankstelle gerannt, so Rüegg. Drei Frauen, Passantinnen im Alter von 21, 27 und 44 Jahren, wurden dort von ihm mit dem Beil angegriffen. Die leicht verletzten Frauen konnten sich im Tankstellenshop in Sicherheit bringen.

Polizisten, die sich in der Nähe befanden, wurden auf die Hilferufe vor der Tankstelle aufmerksam und reagierten. Der mutmassliche Täter versuchte, erneut ein Auto zu entwenden und zu flüchten.

Erst nach einem Taser- und Schusswaffeneinsatz konnte er festgenommen werden. Bei der Tankstelle stellte die Polizei ein Beil sicher. Es dürfte sich um die Tatwaffe handeln. Die Polizei machte keinen weiteren Angaben über den Zustand der Opfer. Der Täter, der schwer verletzt wurde, wird im Spital überwacht.

Über das Motiv sei noch nichts bekannt, sagte Stephan Ramsayer, Leitender Jugendanwalt bei der St. Galler Staatsanwaltschaft. Am Montagnachmittag werde der Jugendliche erstmals einvernommen und Untersuchungshaft beantragt.

Der 17-Jährige stammt aus Lettland und kam vor rund vier Jahren im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz. Er absolviert hier eine handwerkliche Lehre.

Der junge Mann war bereits im letzten Juni der Jugendarbeit durch Anspielungen auf Gewalt aufgefallen. Später erfolgte zum gleichen Thema eine Meldung der Berufsschule. Die Kriseninterventionsgruppe des Schulpsychologischen Dienstes begann mit Abklärungen. Dabei sei der Jugendliche eng begleitet worden, so Ramseyer.

Mitte September wurde dann in Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft abgeklärt, ob eine akute Gefährdung Dritter vorliegt. Dabei sei man zum Schluss gekommen, dass keine Zwangsmassnahmen angezeigt seien. Der Jugendliche habe keine konkreten Drohungen, etwa gegen andere Personen ausgestossen, stellte der Jugendanwalt fest.

Weitere Alarmzeichen lagen offenbar nicht vor: Der 17-Jährige habe sich in der Schule, aber auch an der Lehrstelle unauffällig verhalten. Er ist nicht vorbestraft und es habe "keine Gewaltvorgänge" gegeben.

Der Jugendliche und seine Eltern hätten sich bei den Gesprächen mit der Kriseninterventionsgruppe kooperativ verhalten. Unter anderem sollte dabei geklärt werden, ob eine psychiatrische Unterbringung in Frage kommt. Dieser Entscheid war bis zur Tat am Sonntagabend noch nicht gefallen.

(SDA)