Berner Zibelemärit zieht Zehntausende in seinen Bann

Tonnenweise Zwiebeln, kunstvoll zu Zöpfen geflochten, Glühwein, Konfetti und Knoblauchbrot: der Berner Zibelemärit hat am Montag erneut tausende Besucher angelockt. "Ehrengast" an diesem schönen, aber kalten Montagmorgen war eine "rässe" Bise.
28.11.2016 14:24

Der Wind pfiff schon am ganz frühen Morgen durch die dunklen Berner Altstadtgassen, als die letzten Marktfahrer ihre Auslagen drapierten und die ersten Zibelemärit-Besucher sich die kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfe- und Kränze ansahen.

Am frühen Morgen gehört der "Zibeler" jeweils den Einheimischen, die über den Bundesplatz schlendern oder an der "Front" ihren Zwiebelzopf kaufen.

Der kalte Wind oder die lange Stadtberner Wahlnacht vom Sonntag auf Montag mögen das Ihre dazu beigetragen haben, dass sich der Ansturm am frühen Morgen eher in Grenzen hielt. Langjährige Zibelemärit-Habitués jedenfalls schätzten bei einem Glas Glühwein auf dem Bundesplatz das Besucheraufkommen geringer ein als auch schon.

Mit zunehmendem Tageslicht schwoll der Besucherstrom allmählich an. Am Mittag drängten sich zehntausende Menschen in den Gassen. Der Berner nennt das "Gstungg" und spürt dabei so etwas wie Nestwärme.

Kinder lieferten sich die üblichen Konfettischlachten, quietschende Plastikhämmerchen sausten auf die Köpfe der Besucher, an vielen Ständen dampften Glühwein und warmer Zwiebelkuchen um die Wette. Derweil trieb die Bise Konfettischwaden übers Pflaster.

Gemüsebauern aus dem Umland bieten am "Zibeler" jeweils Dutzende Tonnen Zwiebeln an, aber auch Knoblauch, Rüebli, Lauch und Schwarzwurzeln. In diesem Jahr wurden rund 57 Tonnen Zwiebeln feilgeboten. Das sind etwas weniger als im Rekordjahr 2014 mit knapp 60 Tonnen.

Der "Zibeler" verlief aus Sicht der Polizei ruhig, wie sie am frühen Montagnachmittag mitteilte. 110 Reisecars, davon 19 aus dem Ausland, brachten Schaulustige nach Bern.

Der Zibelemärit findet am vierten Montag im November statt. Er geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als Bäuerinnen aus dem Seeland und dem Freiburgischen ihr Gemüse in Bern zu verkaufen begannen - und zwar zwei Wochen lang ab dem Martinstag am 11. November.

Der Zibelemärit fungiert seit 2011 auch auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz zusammen mit Anlässen wie der Basler Fasnacht, dem Engadiner Chalandamarz oder dem Zürcher Sechseläuten.

(SDA)