Bis zu 27 Tote in von Lawine verschüttetem Hotel in den Abruzzen

Eine Lawine hat in Italiens Erdbebenregion ein vierstöckiges Hotel bis zum Dach verschüttet und bis zu 27 Menschen getötet. Die Aussicht, Überlebende zu finden, galt als gering.
19.01.2017 17:27

"Es sind viele Tote", erklärten die Rettungskräfte. Vier Leichen wurden am Donnerstagnachmittag geborgen. Im Inneren des Hotels "Rigopiano" im mittelitalienischen Abruzzen-Ort Farindola hatten sich 22 Gäste, darunter mindestens zwei kleine Kinder, sowie fünf Mitglieder des Personals aufgehalten.

Die Hotelgäste sollen sich zum Unglückszeitpunkt am Mittwochnachmittag im Erdgeschoss des Gebäudes versammelt haben, um nach den Beben in der Region auf die Evakuierung zu warten. Diese verzögerte sich jedoch, weil die Zufahrtsstrassen durch meterhohen Schnee blockiert waren. Und dann kam die verheerende Lawine.

Nach Angaben der Feuerwehr gab es am Donnerstag kein Zeichen von Überlebenden aus dem Berghotel. "Das Hotel existiert nicht mehr. Die Lage ist dramatisch. Wir rufen, doch wir bekommen keine Antwort. Auch die Hunde haben keine Signale gegeben, dass jemand noch am Leben sein könnte", berichtete einer der Retter.

Die insgesamt 35 Retter mit Spürhunden hatten das Hotel in der Nacht auf Donnerstag nach einem stundenlangen Weg auf Skiern erreicht. Ihre Arbeit wurde durch einen Schneesturm erschwert. Die Gegend wird schon seit Tagen von heftigen Schneefällen, die schlimmsten seit Jahrzehnten, heimgesucht.

Die Lawinenkegel ist riesig. Nur ein Bruchteil des Vier-Sterne-Hotels auf einer Höhe von 1200 Metern steht noch. Das Hotel sei von Tonnen von Schnee, Bäumen und Geröll weggerissen worden. Matratzen aus dem Hotel seien hunderte Meter vom Gebäude entfernt gefunden worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Bilder einer Videokamera zeigten, wie die Lawine in das Hotel eingedrungen ist. Die Einsatzkräfte suchten mit Spezialhunden, Geophonen - mit denen Bodenschwingungen erfasst werden können - und Kameras nach den Vermissten.

Die Lawine war am Mittwochnachmittag an einem Hang des Gran-Sasso-Massivs abgegangen, nachdem eine schwere Erdbebenserie die meterhoch eingeschneite Region erschüttert hatte. Mindestens zwei Menschen überlebten das Unglück.

Sie hatten sich im Freien aufgehalten. Ein 38-Jähriger sei unversehrt, weil er zum Auto gegangen sei, um etwas zu holen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Ärzte.

Er selbst sei auch verschüttet worden, habe sich aber aus eigenen Kräften befreien können. Er bange um seine Frau und zwei Kinder. Die Überlebenden hatten am Mittwochnachmittag per SMS um Hilfe gebeten. "Hilfe, wir erfrieren!", hatte einer der beiden geschrieben.

(SDA)