Aktien Europa: Anleger feiern Geldpolitik der Fed

Die Anleger an Europas Börsen haben am Donnerstag die Geldpolitik der US-Notenbank Fed gefeiert. Die Währungshüter hatten am Mittwochabend wie erwartet den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben und halten am bisherigen Zeitplan für eine weitere Straffung ihrer Geldpolitik fest. Für gute Stimmung sorgte auch der Wahlsieg der rechtsliberalen Partei von Ministerpräsident Mark Rutte in den Niederlanden.
16.03.2017 11:16

Am späten Vormittag gewann der EuroStoxx 50 1,11 Prozent auf 3447,11 Punkte. Zuletzt war der Eurozonen-Leitindex kaum von der Stelle gekommen. Für den französischen CAC 40 ging es um 0,85 Prozent auf 5027,87 Punkte hoch. Auch in Mailand und Madrid ging es deutlich nach oben.

In London stieg der FTSE 100 vor dem Zinsentscheid der Bank of England um 0,93 Prozent auf rekordhohe 7437,13 Punkte. Nach dem Fed-Zinsentscheid sei die Risikobereitschaft der Anleger zurückgekehrt, kommentierte Analyst Neil Wilson von Finanzdienstleister ETX Capital. Einziger Verlierer unter den wichtigen europäischen Indizes war der Swiss Market Index (SMI) in Zürich: Er sank um 0,22 Prozent auf 8669,64 Zähler, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Leitzinsen wie erwartet unverändert im negativen Bereich belassen hatte.

Im europäischen Branchenvergleich führten die Rohstofftitel einmal mehr die Gewinnerliste an: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 sprang dank freundlicher Rohstoffnotierungen um 4,23 Prozent hoch. Dahinter profitierte der Index der Öl- und Gasunternehmen mit plus 1,28 Prozent von den weiter steigenden Ölpreisen. Dagegen gab der Index der Reise- und Freizeitunternehmen am Ende der Übersicht um 0,42 Prozent nach, da höhere Ölpreise tendenziell die Treibstoffkosten für Fluggesellschaften verteuern.

Die Aktien von Generali zogen um gut 3 Prozent an, nachdem der italienische Versicherer trotz eines nahezu stagnierenden Jahresgewinns eine deutlich steigende Dividende angekündigt hatte. Das Unternehmen habe operativ stark abgeschnitten und sei auf einem guten Weg zu seinen Zielen, lobte Paul De'Ath vom Analysehaus RBC Research.

Dass Vodafone Kreisen zufolge kurz vor der Verschmelzung seiner indischen Tochter mit einem Konkurrenten steht, liess die Titel des britischen Telekomkonzern um 1,32 Prozent steigen. Die geprüfte Fusion mit dem drittgrössten indischen Mobilfunker Idea könne schon in diesem Monat konkrete Gestalt annehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.

In Zürich schafften Swatch-Papiere gegen den negativen Markttrend ein Plus von 0,75 Prozent. Der Uhrenkonzern erlitt 2016 - wie bereits Anfang Februar angekündigt - einen deutlichen Umsatzrückgang und eine gegenüber dem Vorjahr klar niedrigere Marge. Dennoch bleibe man bei den strategischen Schwerpunkten treu und agiere ausschliesslich mit einer langfristigen Ausrichtung, wird Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek in dem Geschäftsbericht zitiert.

Dagegen büssten Renault-Aktien 4,28 Prozent ein. Die französische Anti-Betrugs-Behörde verdächtigt den Autobauer laut übereinstimmenden Medienberichten "betrügerischer Strategien" bei Abgastests.

Die Aktionäre von Sainsbury mussten nach Geschäftszahlen Kursverluste von 0,55 Prozent verkraften. Die britische Supermarktkette kämpfe an vielen Fronten, schrieb ETX-Experte Wilson. So machten etwa die deutschen Konkurrenten Aldi und Lidl dem Unternehmen mit ihrer Preispolitik schwer zu schaffen./gl/stb

(AWP)