Aktien Europa: Brexit-Risiko treibt Anleger aus Aktien

PARIS/LONDON (awp international) - Das hohe Risiko eines Austritts Grossbritanniens aus der EU hat Anleger europaweit am Montag von Aktienkäufen abgehalten. Sie wandten sich stattdessen vermeintlich sichereren Häfen zu wie etwa Gold, dessen Preis auf den höchsten Stand seit Anfang Mai stieg. Zahlreiche Volkswirte, Zentralbanker und Firmenchefs hatten am Wochenende eindringlich vor gravierenden Konsequenzen gewarnt, falls sich die Briten aus der EU verabschieden. Umfragen zufolge halten sich Befürworter und Gegner eines Brexits in etwa die Waage. Das Referendum findet am 23. Juni statt.
13.06.2016 11:35

Der EuroStoxx 50 fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang April und büsste zuletzt 1,72 Prozent auf 2861,07 Punkte ein. Der CAC-40-Index in Paris gab um 1,68 Prozent auf 4234,19 Punkte nach. Der Londoner FTSE-100-Index hingegen hielt sich dagegen recht stabil mit minus 0,40 Prozent auf 6091,35 Zähler.

Branchenweit gab es nur Verlierer. Wegen der Brexit-Sorgen war die Bankenbranche erneut Schlusslicht mit minus 2,55 Prozent. Dagegen hielten sich Branchen wie Haushaltsgüter, Lebensmittel, Pharma, die als defensiv eingestuft werden, am besten. Unter den einzelnen Aktien zählten die Papiere von Safran mit minus 2,92 Prozent zu den grössten Verlierern im EuroStoxx. Die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch stuften die Aktie des französischen Flugmotorenherstellers von "Buy" auf "Neutral" ab.

Die Aktien von Philips Electronics verloren ebenso wie die kürzlich an die Euronext-Börse gebrachte Lichtsparte Philips Lighting 0,83 Prozent. Der niederländische Elektrokonzern hatte bei dem IPO mehr Geld eingestrichen als zunächst erwartet. Im Zuge einer Mehrzuteilungsoption war das Unternehmen gut 5,6 Millionen weitere Aktien von Philips Lighting zum Stückpreis von 20 Euro losgeworden. Der Erlös aus dem Börsengang steigerte sich letztlich damit von 750 Millionen auf 862,5 Millionen Euro. Gut ein Viertel der Tochter waren in den Handel gebracht worden.

In London profitierten die Aktien von Inmarsat an der "Footsie"-Spitze mit plus 2,70 Prozent von der Ankündigung einer strategischen Partnerschaft. Der britische Satellitenkommunikationsanbieter will mit dem Wettbewerber Speedcast im weltweiten maritimen Markt zusammenarbeiten.

In der Schweiz büssten die Aktien des weltgrössten Zementherstellers LafargeHolcim als schwächster Wert im Swiss-Market-Index (SMI) 3,41 Prozent ein. Das Unternehmen will mehr Geschäftsteile verkaufen als ursprünglich geplant. Während einer Überprüfung des Portfolios seien Veräusserungsmöglichkeiten in neun weiteren Ländern identifiziert worden, sagte Unternehmenschef Eric Olsen der "Financial Times" (Montag). Der im vergangenen Jahr fusionierte Zementhersteller hatte bereits angekündigt, im laufenden Jahr Unternehmensteile im Wert von 3,5 Milliarden Schweizer Franken (3,2 Mrd Euro) zu veräussern. Unter anderem muss sich LafargeHolcim aus kartellrechtlichen Gründen von Werken in Indien trennen.

Zweitschwächster SMI-Wert waren die Papiere der Swiss Re mit minus 2,08 Prozent. Die Credit Suisse startete die Bewertung des Rückversicherers mit "Underperform". Auch wenn Kapitalausschüttungen der Swiss Re weiterhin einen grossen Reiz für Investoren darstellen dürften, sei das Risiko/Ertragsverhältnis des deutschen Wettbewerbers Munich Re ihres Erachtens besser, schrieb Analystin Paris Hadjiantonis./ck/fbr

(AWP)