Aktien Europa: Erholung nach kräftiger Talfahrt

PARIS/LONDON (awp international) - Europas Börsen sind am Mittwoch auf Erholungskurs gegangen. Nach den kräftigen Verlusten der vorangegangenen Tage stützten die Gewinne an Asiens Börsen, sagte Händler Markus Huber von City of London Markets. In Japan oder China etwa hatten sich erste Schnäppchenjäger wieder aus der Deckung gewagt und ermutigten damit nun weitere Anleger zum Kauf.
15.06.2016 11:21

Der EuroStoxx 50 legte am späteren Vormittag nach seiner fünftägigen Talfahrt um 1,90 Prozent auf 2'850,43 Punkte zu. Der CAC-40-Index in Paris stieg um 1,75 Prozent auf 4'202,62 Punkte, und der Londoner FTSE-100-Index gewann 1,07 Prozent auf 5'986,71 Zähler.

In den vorangegangenen Tagen hatten Sorgen über einen möglichen Ausstieg Grossbritanniens aus der Europäischen Union sowie Vorsicht vor der Fed-Zinsentscheidung teils kräftige Verluste an den Börsen in Europa, aber auch in Asien und den USA ausgelöst. Die Briten werden am 23. Juni abstimmen. Die US-Notenbank Fed wird sich im Verlauf des Tages zu ihrer Zinspolitik äussern und am morgigen Donnerstag wird dann auch die Notenbank Japans über den Leitzins entscheiden.

Sämtliche Sektoren Europas legten am Mittwoch wieder zu. An der Spitze der Branchenübersicht erholten sich vor allem die schwer gebeutelten Bergbauaktien und Bankenwerte mit jeweils plus 2,60 Prozent. Unter den grossen Einzelwerten der Finanzbranche ragten die Aktien der Unicredit hervor mit plus 3,89 Prozent oder die Societe Generale mit plus 3,41 Prozent.

Grösster Gewinner des Bankensektors waren aber die Aktien von Banco Comercial Portugues (BCP) mit einem Aufschlag von 6,22 Prozent. Die Bank Millenium, eine Tochter der BCP rechnet für das zweite Quartal und darüber hinaus mit steigenden Nettozinserträgen.

Die Aktien von Schneider Electric rückten als einer der Favoriten im EuroStoxx um 3,11 Prozent vor, während in London die Papiere von Aveva um 13,35 Prozent absackten. Die Übernahme-Gespräche zwischen dem französischen Elektronik-Konzern und dem britischen Industrie-Softwareanbieter Aveva scheiterten erneut. Zwei Tage nach der Neuauflage des Angebots bat Aveva am Mittwoch die britische Handelsüberwachung, die Aktien "nach dem Ende der Gespräche" wieder zum Handel zuzulassen.

Die Anteilsscheine des spanischen Textilunternehmens Inditex, zu dem die Modekette Zara gehört, gewannen nach der Vorlage von Quartalszahlen 3,48 Prozent. Dank der Expansion im Online-Geschäft legte der operative Gewinn im ersten Geschäftsquartal stärker als von Analysten erwartet zu.

Um 4,64 Prozent legten die Gamesa-Aktien in Spanien zu. Börsianer verwiesen auf einen Medienbericht, wonach der deutsche Industriekonzern Siemens und der spanische Windkraft-Spezialist ihre seit langem geplante Windkraft-Kooperation endlich umsetzen können.

Derweil fielen die Ölpreise den nun fünften Tag in Folge. Händler sprachen von der längsten Verlustphase seit vier Monaten und begründeten den erneuten Rückgang mit der Erwartung steigender US-Reserven. Am Vorabend hatte das private American Petroleum Institute (API) einen spürbaren Zuwachs der US-Ölvorräte gemeldet. Im sehr freundlichen Marktumfeld waren daher die Papiere von Ölgesellschaften wie Total mit plus 0,50 Prozent oder BP und Royal Dutch Shell im "Footsie" am wenigsten gefragt. BP zeigten sich mit minus 0,01 Prozent fast unverändert, die Shell-Aktien verloren 0,29 Prozent./ck/das

(AWP)