Aktien Europa: Ernüchterung über Trumps 100-Tage-Bilanz und Steuerpläne

Die vollmundig angekündigten Steuerpläne des US-Präsidenten Donald Trumpf haben die Anleger an Europas wichtigsten Aktienmärkten am Donnerstag nicht vom Hocker gerissen. Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Rekordhoch sorgten für leichte Verluste. Wie bereits an den Vortagen wurde das Geschehen von der Bekanntgabe vieler Unternehmenszahlen geprägt. Am Nachmittag könnte die EZB mit ihrer Zinsentscheidung und geldpolitischen Kommentaren frische Impulse liefern.
27.04.2017 10:55

"In den Kursen sind schon viele positive Nachrichten eingepreist. Daher muss schon viel passieren, um die Rally am Laufen zu halten und eine früher oder später einsetzende Korrektur zu verhindern", kommentierte Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank am Vormittag um 0,54 Prozent auf 3559,35 Punkte, nachdem er am Dienstag auf das höchste Niveau seit Sommer 2015 geklettert war. Der Pariser CAC-40-Index büsste 0,42 Prozent auf 5265,57 Punkte ein. Er hatte zuletzt sogar seinen Stand von Anfang 2008 wieder erreicht. Der Londoner FTSE-100-Index verlor 0,54 Prozent auf 7249,33 Punkte.

Steuern runter, Millionen neue Jobs, weniger Umwelt-Regulierungen: US-Präsident Donald Trump hat viel versprochen. In den ersten 100 Tagen seiner Amtsperiode hat er wenig ein- aber Ängste ausgelöst. Die grösste Befürchtung: Trump schottet sein Land mit einer "America-First"-Politik ab, mit Strafzöllen für ausländische Produkte und grossen Schäden für die Weltwirtschaft. Am Vorabend veröffentlichte die US-Regierung dann Eckpunkte ihrer geplanten Steuerreform.

Demnach sollen die Unternehmenssteuern von 35 auf 15 Prozent kräftig fallen. Der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer soll von 39,6 auf 35 Prozent sinken. Ein erhöhtes Wachstum und die Schliessung von Steuerschlupflöchern sollen die Massnahmen gegenfinanzieren. Experte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezeichnete dies als Illusion. Insgesamt reagierten Börsianer enttäuscht. Sie bemängelten fehlende Details und zweifelten, ob die Pläne so vom US-Kongress verabschiedet werden.

Unter den Einzelwerten im EuroStoxx 50 ragten die Aktien von Nokia mit einem Gewinn von mehr als 7 Prozent heraus. Der Netzwerkausrüster ringt weiter mit der Investitionszurückhaltung in der Telekombranche. Der Umsatz sank zwar im ersten Quartal um 2,4 Prozent und der bereinigte operative Gewinn um 1 Prozent. Beide Werte fielen damit aber besser aus als von Experten gedacht. Die Prognose bestätigten die Finnen.

Mit einem Kursplus von 3,8 Prozent waren die Lloyds-Papiere Spitzenreiter im Stoxx-50-Index. Seit dem Tief nach dem Brexit-Votum im Juni verteuerten sich die Titel wieder fast um die Hälfte und kosten jetzt praktisch wieder so viel wie vor der Abstimmung. Die britische Grossbank ist mit einem starken Ergebnis ins Jahr gestartet. Der bereinigte Gewinn vor Steuern stieg im ersten Quartal leicht, während Analysten mehrheitlich mit einem Rückgang gerechnet hatten./edh/ag

(AWP)