Aktien Europa: Euro-Höhenflug lässt Anfangsgewinne verpuffen

Die anfänglichen Gewinne an Europas Börsen sind am Donnerstag schnell verpufft. Als Hemmschuh für die Aktienkurse erwies sich einmal mehr der anhaltende Höhenflug des Euro , der die Exportchancen europäischer Unternehmen in Ländern ausserhalb des Währungsraums schmälert. Dagegen konnten auch die positiven Vorgaben der Übersee-Börsen nichts ausrichten.
29.06.2017 11:08

Am späten Vormittag stand der EuroStoxx 50 0,15 Prozent im Minus bei 3530,53 Punkten. Damit kam der Eurozonen-Leitindex wie schon zur Wochenmitte kaum vom Fleck. Seit Wochen hängt er nun in einer engen Handelsspanne zwischen 3500 und 3600 Punkten fest. Der französische CAC-40-Index sank zuletzt sogar um 0,45 Prozent auf 5229,33 Punkte. Ausserhalb der Eurozone schaffte hingegen der britische FTSE 100 ein Plus von 0,49 Prozent auf 7423,73 Punkte.

Der Euro setzte seine Klettertour fort und überwand erstmals seit einem Jahr die Marke von 1,14 US-Dollar - das war der höchste Stand seit der Marktreaktion auf das Brexit-Votum vor gut zwölf Monaten. Auslöser für die jüngsten Gewinne waren Äusserungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die nach Einschätzung vieler Anleger auf eine weniger lockere Geldpolitik schliessen lassen.

Die Notierungen an der Wall Street hatten sich zur Wochenmitte deutlich vom vorherigen Rückschlag erholt. Angeführt wurde die Gewinnerliste von erneut starken Bankenwerten, die die erst nachbörslich veröffentlichten Stresstest-Ergebnisse der US-Notenbank Fed vorwegnahmen, und stark erholten Technologietiteln. Die asiatischen Börsen folgten dieser Entwicklung.

Zumindest die Banken gehörten daraufhin auch in Europa zu den Favoriten: Der Branchenindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann 1,51 Prozent, nachdem bekannt geworden war, dass erstmals alle grossen Geldhäuser den jährlichen Fed-Stresstest bestanden hatten. Der Index der Rohstoffunternehmen profitierte mit plus 1,78 Prozent von optimistischen Konjunkturerwartungen: Laut Börsianern setzen viele Anleger darauf, dass die grossen globalen Volkswirtschaften wachsen und steigende Zinsen verkraften können.

Dagegen setzte der Index der Energieversorger mit minus 0,98 Prozent seine Talfahrt fort. Hier belastete eine skeptische Brancheneinschätzung der Schweizer Grossbank UBS.

Die Aktien von Hennes & Mauritz (H&M) zogen nach der Bekanntgabe von Geschäftszahlen um anderthalb Prozent an. Nach einem mühsamen Jahresstart kommt die schwedische Modekette langsam in Fahrt: Dank eines starken Wachstums im Onlinegeschäft legten die Umsätze im zweiten Quartal zu. Dank einer besseren Kostenkontrolle habe der Gewinn je Aktie (EPS) die Konsensschätzung deutlich übertroffen, lobte UBS-Analyst Adam Cochrane.

Bei der HSBC sorgte neben der guten Branchenstimmung eine positive Studie für einen Kurssprung von fast 5 Prozent. Die US-Investmentbank Morgan Stanley stufte die Aktie ihres Konkurrenten hoch und empfiehlt sie nun zum Kauf./gl/das

(AWP)