Aktien Europa: Freundliche Tendenz - Entspannung in Katalonien-Krise

Europas wichtigste Aktienmärkte haben ihre Aufwärtstendenz der vergangenen Handelstage am Dienstag fortgesetzt. Händler verwiesen auf die leichte Entspannung der politischen Lage in Katalonien. Positive Impulse gab der nach aktuellen Inflationsdaten für die Eurozone etwas nachgebende Eurokurs zum US-Dollar. Ein schwächerer Euro macht die Exporte der Unternehmen aus dem Euroraum lukrativer. Unternehmensseitig wurde das Marktgeschehen von der Bekanntgabe neuer Quartalszahlen geprägt, die überwiegend positiv ausfielen.
31.10.2017 11:57

Der EuroStoxx 50 stieg zuletzt um 0,24 Prozent auf 3671,03 Punkte. Der britische FTSE 100 legte um 0,19 Prozent auf 7501,76 Punkte zu. Der französische CAC-40 gewann 0,11 Prozent auf 5499,41 Punkte.

In Spanien stieg der Ibex 35 um 0,76 Prozent. Der in Spanien wegen Rebellion angeklagte und abgesetzte Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, ist nach Belgien geflohen. Unklar blieb zunächst, ob der Katalane in Belgien Asyl beantragen will. Die spanische Staatsanwaltschaft hatte am Montag Anklage gegen Puigdemont und weitere Angehörige der abgesetzten Regionalregierung erhoben.

Bei den Einzelwerten zeigten sich Airbus-Titel mit einem Kursplus von zuletzt 4,4 Prozent auf 88,44 Euro in starker Form. Zuvor hatten sie mit 88,56 Euro ein weiteres Rekordhoch markiert. Im dritten Quartal lief es für den Luftfahrt- und Rüstungskonzern trotz vieler Schwierigkeiten besser als von Analysten erwartet. Ein übler Korruptionsverdacht und Triebwerksprobleme bei den Mittelstreckenjets halten Airbus dagegen weiterhin in Atem - an der Börse hinterliess dies aber erst einmal kein Spuren.

Der Ölkonzern BP verdiente im dritten Quartal dank des zuletzt wieder höheren Ölpreises operativ erheblich mehr und übertraf die Prognosen der Experten deutlich. Zudem fühlt sich der Konzern nach Jahren der tiefen Krise mit Milliardenkosten für die "Deepwater Horizon"-Katastrophe im Golf von Mexiko sowie dem Ölpreisverfall finanziell wieder stark genug, um eigene Aktien zurückzukaufen. Dies gab den Aktien, die sich seit Ende August ohnehin im Aufwind befinden, weiteren Auftrieb. Sie kletterten um 2,5 Prozent nach oben.

Die französische Grossbank BNP Paribas hat im dritten Quartal wie die Konkurrenz mit der Flaute an den Kapitalmärkten gekämpft. Die Erträge gingen wegen eines schwachen Geschäfts an den Finanzmärkten zurück und der Gewinn stieg nur dank des Börsengangs der indischen Lebensversicherungstochter. Die BNP-Anteilsscheine fielen um 3,5 Prozent.

Europas grösster Billigflieger Ryanair will trotz zigtausender Flugstreichungen wegen fehlender Piloten nicht an seiner Gewinnprognose rütteln. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2018 erwartet Airline-Chef Michael O'Leary weiterhin einen Überschuss von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro. Während Rückerstattungen und Entschädigungen für jene von Flugstreichungen betroffene Passagiere das Ergebnis belasten dürften, erwartet Ryanair, dass die Ticketpreise im Winter nicht ganz so stark fallen wie zuletzt gedacht. Die Ryanair-Papiere verteuerten sich um 5,2 Prozent.

Die WPP-Aktien trotzten an der Londoner Börse einer weiteren Umsatzwarnung des weltgrössten Werbekonzerns und drehten nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Zuletzt notierten sie 1,1 Prozent fester. WPP hat wegen der Zurückhaltung wichtiger Kunden aus der Konsumgüterindustrie seine Erlösprognose für 2017 erneut gesenkt. Die WPP-Führung hatte ihre Wachstumserwartung bereits im Sommer reduziert und damit die Talfahrt der Aktie forciert.

Der Windkraftanlagen-Hersteller Siemens Gamesa hat einen Grossauftrag aus den USA erhalten. Das deutsch-spanische Gemeinschaftsunternehmen wird den Angaben zufolge 310 Turbinen für verschiedene Windparks in den Vereinigten Staaten liefern, die bis zu 240 000 Haushalte mit Strom versorgen sollen. Den Auftragswert bezifferte Siemens Gamesa auf 663 Millionen US-Dollar. Die Aktie stieg an der Madrider Börse zuletzt um 5,5 Prozent./edh/zb

(AWP)