Aktien Europa: Freundlicher Auftakt - Bankensektor im Fokus

PARIS/LONDON/MAILAND (awp international) - An Europas wichtigsten Aktienmärkten hat am letzten Handelstag vor Heiligabend eine freundliche Grundstimmung dominiert. Die deutlichsten Kursgewinne wurden dabei an der italienischen Börse registriert, die von staatlichen Hilfsmassnahmen für den problembehafteten heimischen Bankensektor profitierte. Auch wegen anderer bedeutender Nachrichten standen europäische Bankenwerte im Mittelpunkt des Anlegerinteresses.
23.12.2016 11:01

Der EuroStoxx 50 gewann am Vormittag 0,16 Prozent auf 3274,71 Punkte. Damit deutet sich für den Leitindex der Eurozone ein Wochengewinn von rund einem halben Prozent an. Der Pariser CAC 40 rückte am Freitag um 0,06 Prozent auf 4837,57 Punkte vor. Der Londoner FTSE-100-Index notierte nahezu unverändert bei 7064,70 Zählern.

In den europäischen Handelssälen gehe es heute noch ruhiger zu als in den vergangenen Tagen, sagten die Marktexperten der Postbank. "Grundsätzlich sollten daher Kursbewegungen, die an Tagen mit schwachen Umsätzen stattfinden, nicht automatisch als der Startpunkt eines neuen Auf- oder Abwärtstrends interpretiert werden. Viele dieser Bewegungen sind aufgrund der geringen Umsätze eher zufälliger Natur."

Der FTSE-MIB-Index in Mailand stieg zuletzt um 0,8 Prozent. Die italienische Regierung hatte in der Nacht auf Freitag ein Rettungspaket für die Banken des Landes, insbesondere aber für die angeschlagene Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) beschlossen. Das Kabinett ordnete die Bildung eines 20 Milliarden Euro schweren Fonds an, der die Ersparnisse der Bürger so weit wie möglich schützen und Italiens Bankensektor stärken soll.

Die BMPS will die Hilfe in Anspruch nehmen und bat die Regierung um frisches Geld zur Stärkung der Kapitalbasis. Zuvor war bekannt geworden, dass die geplante Kapitalerhöhung des Traditionshauses gescheitert war. Das Institut benötigt bis Ende des Jahres 5 Milliarden Euro, um Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite ausgleichen zu können. Die BMPS-Aktien waren am Freitag jedoch vom Handel ausgesetzt, nachdem sie am Donnerstag nach einer Achterbahnfahrt um mehr als 7 Prozent abgesackt waren.

Im Fokus stand der europäische Bankensektor auch wegen der milliardenteueren Einigungen der Deutschen Bank und der Credit Suisse im Hypothekenstreit mit den US-Behörden. Die Schweizer Grossbank zahlt knapp 2,5 Milliarden Dollar an Zivilbusse. Dazu kommen noch Erleichterungen für US-Kreditnehmer in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar. Die Credit-Suisse-Papiere zeigten sich davon aber nicht sonderlich beeindruckt und notierten zuletzt 0,1 Prozent leichter. Zuvor hatte auch die Deutsche Bank ihren lange erwarteten Vergleich im Hypothekenstreit bekanntgeben. Sie zahlt eine Busse von 3,1 Milliarden Dollar und stellt 4,1 Milliarden Dollar für die Verbraucher zur Verfügung.

Dagegen verloren die Barclays-Titel zuletzt 0,8 Prozent. Das US-Justizministerium verklagte das Geldhaus wegen betrügerischer Hypotheken-Deals vor der letzten grossen Finanzkrise. Barclays wird vorgeworfen, Investoren zwischen 2005 und 2007 über die Risiken von Wertpapieren im Volumen von über 31 Milliarden Dollar (30 Mrd Euro) getäuscht zu haben, die mit faulen Immobilienkrediten hinterlegt waren./edh/she

(AWP)