Aktien Europa: Gespannte Ruhe vor EZB-Sitzung

PARIS/LONDON/MAILAND (awp international) - Europas wichtigste Aktienmärkte haben sich am Donnerstag eine Atempause nach ihrem jüngsten Höhenflug gegönnt. Im Anlegerfokus steht die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank, deren Ergebnisse am frühen Nachmittag verkündet werden sollen. "Eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den März 2017 hinaus scheint ausgemacht zu sein. Darüber hinaus dürfte es zu Regeländerungen kommen, die eine reibungslose Umsetzung des Kaufprogramms sicherstellen sollen", sagte Helaba-Analyst Christian Schmidt.
08.12.2016 11:13

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone notierte am Vormittag 0,11 Prozent höher bei 3145,77 Punkten. Im frühen Handel war der Leitindex der Eurozone bis auf 3159 Zähler gestiegen und hatte damit den höchsten Stand sei Anfang Januar erreicht. Der französische CAC-40-Index stand am Donnerstag praktisch unverändert bei 4694 Punkten. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 0,08 Prozent auf 6896,99 Zähler nach unten.

"Die Jahresendrally ist eröffnet", stellte LBBW-Investmentanalyst Wolfgang Albrecht fest. Die Anleger setzten auf eine Ausweitung der quantitativen Lockerungspolitik der EZB und "auf eine von steigenden Staatsausgaben und Steuersenkungen befeuerte robuste US-Konjunktur.

Scheinbar unbeeindruckt von der politischen und wirtschaftlichen Krise in Italien präsentierte sich erneut der dortige Aktienmarkt. Der Mailänder FTSE-MIB-Index rückte um weitere 0,2 Prozent vor, nachdem er an den beiden Vortagen bereits um mehr als 6 Prozent nach oben gesprungen war.

Unter den Einzelwerten ragten erneut die Papiere der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi (BMPS) mit einem Plus von fast 4 Prozent positiv heraus. Bereits am Vortag waren sie um knapp 11 Prozent hochgeschnellt. Das Geldhaus braucht mehr Zeit für die Beschaffung von frischem Kapital und beantragte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Verlängerung der Frist für die Erfüllung des Rettungsplans bis zum 20. Januar 2017. Weiterhin halten sich Gerüchte über einen staatlichen Eingriff zur Rettung der Bank, die rund 5 Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln muss.

Die ebenfalls angeschlagene italienische Grossbank Unicredit verschafft sich mit dem Verkauf eines grossen Teils der polnischen Bank Pekao weitere Luft. Für umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro trennen sich die Italiener von weiteren 32,8 Prozent an Pekao und behalten noch 7,3 Prozent. Dieser Anteil soll in Kürze über die Börse verkauft werden. Unicredit-Titel verloren 0,2 Prozent an Wert.

Der Versorger National Grid hat den Verkauf von 61 Prozent am britischen Gasnetz an ein Konsortium um den deutschen Allianz-Konzern vereinbart. Das gesamte Gasnetz von National Grid wird von den Parteien mit 13,8 Milliarden Pfund bewertet. Die Aktien von National Grid gewannen rund 1 Prozent.

Der lukrative Verkauf seiner Tochter Hotelbeds hat dem weltgrössten Reisekonzern Tui im Jahr der Türkei-Krise einen kräftigen Gewinnsprung verschafft. Auch das laufende Geschäft mit dem Urlaub warf trotz des Buchungseinbruchs bei Türkei-Reisen und des Wirbels nach dem Brexit-Votum mehr ab. Die Aktionäre sollen mit einer von 56 auf 63 Cent je Aktie erhöhten Dividende an dem Erfolg teilhaben. Vorstandschef Fritz Joussen erwartet, dass der Reisekonzern sein Gewinnwachstum in den kommenden Jahren fortsetzen kann. Tui-Papiere verteuerten sich um gut 1,5 Prozent./edh/das

(AWP)