Aktien Europa: Gewinne nach Italien-Referendum - Keine Spur von Panik

PARIS/LONDON/MAILAND/WIEN (awp international) - Die europäischen Aktienindizes haben am Montag mit grosser Gelassenheit auf das gescheiterte Verfassungsreferendum in Italien reagiert. Anleger hätten sich bereits in der Vorwoche auf eine Niederlage von Ministerpräsident Matteo Renzis eingestellt, hiess es. Neuwahlen in Italien könnten nach dem bereits angekündigten Rücktritt Renzis nun zwar die dortigen EU-Gegner stärken, doch die Märkte zögen derzeit offenbar kaum die Zukunft des Landes in der Eurozone in Zweifel, sagte Marktanalyst Neil Wilson von ETX Capital.
05.12.2016 11:46

Der EuroStoxx 50 stieg am späten Vormittag um 1,55 Prozent auf 3061,85 Punkte. Der französische Cac-40-Index gewann 1,43 Prozent auf 4593,72 Punkte. In London rückte der britische FTSE 100 um 0,82 Prozent auf 6785,89 Punkte vor.

Und selbst an der Börse in Mailand ging es nach anfänglich deutlichen Abschlägen für den italienischen Leitindex FTSE MIB zuletzt um 0,39 Prozent hinauf auf 17 154,25 Zähler, nachdem sich das Barometer bereits in der zurückliegenden Woche wacker geschlagen hatte. An der Wiener Börse legte der ATX-Index nach der von Europa-Befürworter Alexander Van der Bellen gewonnenen Bundespräsidentenwahl um 0,94 Prozent auf 2525,21 Zähler zu.

Börsianer bringen mittlerweile auch wieder die Notenbanken als Schützenhilfe für die Märkte ins Spiel. "Es gibt einen Italiener, auf den die Börse jetzt setzt, nämlich Mario Draghi", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Marktes. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) habe in den von Unsicherheit geprägten Tagen alle Gründe auf seiner Seite, geldpolitisch weiter auf dem Gas zu bleiben.

Während der europaweite Bankensektor freundlich tendierte, ging es für die Papiere italienischer Häuser nach unten. Es gelang ihnen aber, die hohen Kursverluste aus dem frühen Handel teils deutlich einzudämmen. Unicredit sackten zuletzt um mehr als 3 Prozent ab, Intesa Sanpaolo gaben um knapp 1 Prozent nach. Auch bei der besonders stark in Schieflage geratenen toskanischen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hielten sich die Verluste zuletzt mit etwas mehr als einem halben Prozent in Grenzen.

Stärkster Sektor in Europa war die Autobranche mit einem Aufschlag von gut zweieinhalb Prozent. Die drei deutschen Autobauer Volkswagen , BMW und Daimler belegten die vorderen Plätze im Eurostoxx./ajx/fbr

(AWP)