Aktien Europa: Hoffnung auf niedrige US-Zinsen schiebt Kurse weiter an

PARIS/LONDON (awp international) - Europas Börsen haben am Montag etwas von ihrem jüngsten Schwung mitgenommen. Damit profitierten sie weiter von einem enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed gebremst hatte. Ein solcher Schritt würde die Attraktivität von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen schmälern. Durchwachsene europäische Stimmungsdaten konnten den Aktienkursen nichts anhaben.
05.09.2016 11:41

Zuletzt legte der EuroStoxx 50 um 0,46 Prozent auf 3093,87 Punkte zu. Damit knüpfte der Leitindex der Eurozone an seine satten Gewinne vom Freitag an. Auch für die anderen europäischen Indizes ging es am Montag weiter bergauf: Der französische CAC 40 gewann 0,50 Prozent auf 4564,74 Punkte. Noch deutlicher legten die Kurse in Madrid und Mailand zu.

Dagegen sank der Londoner FTSE 100 um 0,30 Prozent auf 6874,04 Zähler. Hier belastete der Kursanstieg des britischen Pfund gegenüber dem US-Dollar auf den zeitweise höchsten Stand seit Mitte Juli. Eine starke Landeswährung belastet die Exportaussichten britischer Firmen, da sich dadurch ihre Produkte für ausländische Käufer verteuern können.

Die Einzelhändler im Euroraum steigerten im Juli ihre Umsätze kräftiger als erwartet. Der vom Forschungsinstitut Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex zeigte zwar, dass sich die die allgemeine Unternehmensstimmung im August überraschend eintrübte. Dies schüre aber Erwartungen, "dass die Europäische Zentralbank (EZB) lieber heute als morgen weitere Wachstumsanreize lanciert", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. In Grossbritannien hellte sich die Unternehmensstimmung deutlicher als erwartet auf.

Experten gehen davon aus, dass die EZB auf ihrer Sitzung am Donnerstag weitere Massnahmen gegen die Mini-Inflation beschliessen wird. Als wahrscheinlichste Variante gilt eine zeitliche Streckung des seit März 2015 laufenden Anleihenkaufprogramms über März 2017 hinaus. Seit April 2016 steckt die Zentralbank monatlich 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und inzwischen auch Unternehmenspapiere. Das viele billige Geld soll im Idealfall die Konjunktur ankurbeln und auch die Inflation anheizen - und hilft den Aktienmärkten ebenso wie niedrige Zinsen.

Im europäischen Branchenvergleich favorisierten die Anleger die Aktien von Öl- und Gasunternehmen: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann dank deutlich steigender Ölpreise 2,03 Prozent. Dahinter stieg der Index der Rohstoffunternehmen um 1,56 Prozent. Am Ende des Branchentableaus lag hingegen der Index der Konsumgüterhersteller, der 0,47 Prozent verlor.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren zum Wochenauftakt Mangelware. Dass Telefonica Kreisen zufolge seine Netzwerksparte Telxius nun doch an die Börse bringen will, liess die Aktien des spanischen Telekomkonzerns um 1,67 Prozent steigen. Geplant sei der Schritt Anfang Oktober, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg noch am Freitagabend unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen berichtet. Telefonica wollte hierzu keine Stellung nehmen./gl/fbr

(AWP)