Aktien Europa: Konjunkturoptimismus liefert vor US-Jobbericht Rückenwind

Die Anleger am europäischen Aktienmarkt haben sich am Freitag vor der Veröffentlichung des womöglich richtungweisenden US-Arbeitsmarktberichts optimistisch gezeigt. Der EuroStoxx 50 stieg am Vormittag um 0,65 Prozent auf 3431,97 Punkte. In Paris legte der CAC-40 um 0,49 Prozent auf 5006,09 Punkte zu und der Londoner FTSE 100 rückte um 0,44 Prozent auf 7347,48 Punkte vor.
10.03.2017 11:16

Markus Huber, Händler für City of London Markets, führte die gute Stimmung auch auf den Nachhall der Äusserungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Vortag zurück. Zwar hätten die Notenbanker an ihrer Geldpolitik festgehalten, doch scheine die Wirtschaft der Eurozone endlich auf Touren zu kommen. Ein neuer Konjunkturoptimismus könnte dem Konsumverhalten der Menschen und letztlich auch den Unternehmensgewinnen einen Schub verleihen.

Thema des Tages ist allerdings der US-Arbeitsmarktbericht um 14.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Huber zufolge dürften vermutlich weder schwache, noch starke Daten die US-Notenbank Fed von einer Leitzinserhöhung in der kommenden Woche abhalten. Gute Zahlen dürfte allerdings bei den Anlegern besser ankommen. Sie würden das Vertrauen stärken, dass die Wirtschaft einen weiteren Zinsschritt verkraften könne.

Zu starke Daten insbesondere bei der Lohnentwicklung als ein Indikator für die künftige Inflation, könnten die Fed mit Blick auf weitere Zinsschritte indes unter Druck setzen. Beschleunigte Zinserhöhungen dürften dann aber den US-Anleihenmarkt erschüttern, warnte Marktstratege Albert Edwards von der französischen Bank Societe Generale. Er warnt vor einer Schuldenblase in den USA, die dann platzen könnte.

Mit Blick aufs Branchentableau war der Index der europäischen Immobilienwerte, Stoxx Europe 600 NC Real Estate, mit einem Minus von mehr als 1 Prozent das Schlusslicht. Neben der Aussicht auf steigende Zinsen in den USA belasteten auch die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi vom Vortag weiter. Analyst Johannes Mayr von der BayernLB etwa wies darauf hin, dass Draghis Ton aus geldpolitischer Sicht insgesamt etwas straffer als erwartet ausgefallen sei. Immobilienkonzerne zählen indes zu den grossen Gewinnern der Billiggeldschwemme der vergangenen Jahre. Sie konnten sie günstig finanzieren. Zudem sorgen niedrige Zinsen für höhere Substanzwerte der Objekte.

Zu den Profiteuren steigender Zinsen gehören Banken. Ihr Index, der Stoxx Europe 600 Banks, stieg um mehr als 1 Prozent. Die Aktien der italienischen Intesa Sanpaolo verteuerten sich um rund 2 Prozent. Für die französische Societe Generale sowie BNP Paribas ging es um rund eineinhalb Prozent nach oben.

Zum Favoritenkreis gehörte auch der Telekomindex Stoxx Europe 600 Telecommunications. Er stieg ebenfalls mehr als 1 Prozent. Die Aktien des britischen Telekomkonzerns BT Group kletterten um mehr als 4 Prozent nach oben. Das Unternehmen spaltet seine Netzzugangssparte ab, wie von der zuständigen Regulierungsbehörde im vergangenen Juli gefordert.

Nach einem Vortagessprung um knapp 13 Prozent infolge von Übernahmehoffnungen ging es für die Aktien des niederländischen Farben- und Chemikalienkonzerns Akzo Nobel am Freitag um 3,67 Prozent auf 75,46 Euro nach oben. Das Unternehmen hatte am Donnerstag eine Offerte des US-Konkurrenten PPG Industries in Höhe von rund 83 Euro je Aktie zurückgewiesen. Statt eines Komplettverkaufs steht wohl aber das Spezialchemiegeschäft auf dem Prüfstand. Analysten äusserten sich am Freitag positiv. So sprach die etwa Citigroup eine Kaufempfehlung für Akzo Nobel aus.

Die Aktien des Chipindustrieausrüsters ASML schliesslich profitierten mit einem Plus von rund 2 Prozent von einer Kaufempfehlung der schweizerischen Grossbank UBS ./mis/das

(AWP)